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Elz: Kappellentankstelle, an deren Rückseite bis vor kurzem eine Flüssigkeit ungeklärt die Böschung hinablief

Autowaschanlage

Spülwasser darf nicht in Böschung

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An der Rückseite einer Autowaschanlage läuft aus zwei Metallrohren eine Flüssigkeit die angrenzende Böschung hinab. Eine akute Gefährdung der Umwelt liegt nicht vor, stellt der Sprecher des Landkreises klar. Trotzdem muss der Pächter das Wasser abstellen.

Der Hinweis kommt von einem Leser dieser Zeitung: „Die Kapellen-Tankstelle in Elz leitet das Wasser ihrer Waschanlagen über zwei offene graue Rohre, die hinter den Waschanlagen liegen, ungeklärt und offen eine Böschung hinab. In Folge dessen seien bereits zwei Bäume abgestorben, die sich rechts und links von den zwei Rohren befinden“, teilt der Beobachter mit. Er wolle anonym bleiben, schreibt er, bitte aber um sofortige „Abhilfe und Verurteilung“.

Das war vor rund einer Woche. Dass eine klare und farblose Flüssigkeit hinter der Waschhalle in die Natur abgeleitet wird, stimmt zu diesem Zeitpunkt. Während ein Fahrzeug in der Garage gewaschen wird, ergießt sich an der Rückseite die Flüssigkeit. Rückstände von Seife sind nicht zu erkennen. Zu riechen ist ebenfalls nichts.

Kann man auch nicht. Denn, teilt Jan Kieserg, Sprecher des für Umweltfragen zuständigen Landkreises mit, das ablaufende Wasser sei „klar und geruchlos“. Dennoch stellt die Behörde Nachforschungen an. „Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass es sich um das temporär anfallende Spülwasser einer Enthärtungsanlage handelt, nicht jedoch um Abwasser aus einer Kfz-Waschanlage“, sagt der Sprecher.

Das bestätigt auch der Pächter der Kapellen-Tankstelle, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er betont, er habe nichts zu verbergen, sei seit 30 Jahren im Geschäft und lasse seine Tankstelle regelmäßig vom TÜV prüfen. Stets ohne Beanstandung. Die Flüssigkeit, um die es geht, sei kein Reinigungswasser, sondern diene ausschließlich der Entkalkung des Wassers. Es sei demnach entmineralisiert und völlig unbelastet, weshalb man es bis jetzt in die Böschung leitete.

Zu keinem Zeitpunkt sei es darum gegangen, das Wasser klammheimlich zu entsorgen. Vielmehr hätten hier bauliche Gegebenheiten eine Rolle gespielt. Denn wenn das Wasser nicht in die Böschung fließt, müsste es über eine Strecke von vier Metern über eine Betonplatte in die öffentliche Kanalisation geleitet werden. Auf dieser Platte bildete sich im Winter eine Eisschicht, die zwar als gesperrt markiert, aber dennoch betreten wurde. Zum Beispiel von einer jungen Frau, die prompt ausrutschte und sich ein Bein brach. Ein sechsstelliger Haftpflichtschaden sei dabei entstanden, und einen derartigen Zwischenfall wolle man selbstverständlich in der Zukunft vermeiden, sagt der Pächter. Also wurde das Wasser nicht über die offene Fläche, sondern hintenrum in die Natur geleitet.

Das geht aber ab sofort nicht mehr, bestimmte die Kreisverwaltung wenige Tage, nachdem sie dem Hinweis nachgegangen war. „Das Wasser aus der Enthärtungsanlage ist als Abwasser zu behandeln. Es ist daher dem kommunalen Abwasserkanal zuzuführen“, sagt Jan Kieserg. Das sei dem Pächter bei einem Ortstermin mitgeteilt worden. „Der Betreiber der Tankstelle sicherte zu, seine Entwässerungsanlagen mit sofortiger Wirkung so umzugestalten, dass das Wasser aus der Enthärtungsanlage dem kommunalen Abwasserkanal zugeführt wird.“

Dass das für die Enthärtung notwendige Wasser die Umwelt belastet hat, hält Kieserg für unwahrscheinlich. „Eine Verseuchung des gesamten Erdreiches hinter der Tankstelle durch das abgeleitete Wasser kann seitens der Kreisverwaltung ausgeschlossen werden.“ Allerdings gibt er zu Bedenken: „Durch den vermutlich erhöhten Salzgehalt des in die Böschung geleiteten Wassers kann es zu einer schädlichen Veränderung des osmotischen Drucks angrenzender Pflanzen beziehungsweise Bäume gekommen sein, der für die Regulierung ihres Wasserhaushaltes relevant ist. Insofern können einzelne Pflanzen geschädigt worden sein. Es ist jedoch auch nicht auszuschließen, dass es durch die anhaltende Trockenheit bei einzelnen Pflanzen zu Schäden oder Ausfällen gekommen ist.“ Auf alle Fälle werde die Kreisverwaltung „die Gesamtsituation des Betriebes aus wasserrechtlicher Sicht kurzfristig ergänzend überprüfen“.

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