Projekt „Neue Mitte“

Überkapazität in Elzer Flüchtlingsunterkunft

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Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die der Internationale Bund im ehemaligen Hotel Schäfer untergebracht hat, ist drastisch gesunken. Wie geht es mit der Immobilie der Gemeinde weiter? Bürgermeister Horst Kaiser stellt eine Veränderung der Mietlaufzeit in Aussicht, die ursprünglich bis 2021 laufen sollte.

Anfangs war der Platzbedarf groß. Rund 40 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wollte der Internationale Bund (IB) im ehemaligen Hotel Schäfer an der Ecke Limburger- und Weberstraße unterbringen. Sämtliche Zimmer wurden gebraucht. Dann kamen sukzessive weniger jugendliche Flüchtlinge an, und der IB nahm in der Immobilie auch deutsche Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr auf, die laut Jugendhilfe IB „aus den verschiedensten Gründen nicht bei ihren Erziehungsberechtigten leben können“. 28 Schlafzimmer sind in dem früheren Hotel. Dazu kommen Dienst- und Freizeiträume, eine Teeküche und ein Speisesaal. Wie viele Jugendliche derzeit dort leben, ist nicht klar. Auskünfte darüber würden grundsätzlich nicht erteilt, sagt ein Mitarbeiter vom Internationalen Bund in Frankfurt. Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) meint aber, es seien deutlich weniger als zu Beginn des Mietverhältnisses. Um etwa 20 junge Menschen handele es sich, vermutet er. Fest steht jedenfalls, dass hier Überkapazitäten entstehen könnten, sollte sich die derzeitige Entwicklung fortsetzen. Für den Internationalen Bund, der die Mieterin der Immobilie ist, könnte das bestehende längerfristige Mietverhältnis folglich wenig sinnvoll sein, formuliert Kaiser vorsichtig.

Für die Gemeinde könnte sich diese Entwicklung dagegen als günstig erweisen. An das ehemalige Hotel Schäfer grenzt auf der einen Seite eine ehemalige Drogerie an, in der derzeit eine ergotherapeutische Praxis ist, und in der Weberstraße schmiegt sich an das Hotel die Gaststätte „Blechkopp“, die derzeit leer steht und deren Sanierung zu aufwendig wäre, sagt Kaiser. Diese Gebäude sollen zu einem Gesamtprojekt zusammengefasst werden.

Das ist ohnehin der mittelfristige Plan, den der Bürgermeister verfolgt. Auf einem Areal von etwa 2 300 Quadratmetern soll hier die „Neue Mitte“ von Elz entstehen, die das bisherige Zentrum um das Rathaus-Ensemble ergänzen könnte. In dieser Angelegenheit sei die Gemeinde bereits sehr aktiv, sagt der Chef der Verwaltung. Schon in diesem Herbst sollen etwa 100 Studenten von der Technischen Universität Darmstadt nach Elz kommen, um das Projekt baulich und städteplanerisch zu entwickeln. Die besondere Chance für die Gemeinde bestehe darin, dass dann „junge Menschen von außen auf Elz schauen“ und eine Bestandsaufnahme machen, die sich vermutlich von der Analyse der Elzer selbst unterscheide. „Was gibt es hier? Was ist möglich? Was wünschen sich die Bürger, und welche Perspektiven sind für die Zukunft realistisch?“ Das seien die Fragen, denen die Studenten nachgehen werden, berichtet Horst Kaiser. Man sammele Anregungen für das Projekt „Neue Mitte“ in Elz. Verbindliche Pläne entstehen zwar noch nicht, wohl aber eine Ergebnispräsentation der Erkenntnisse.

Diese Präsentation ist für das kommende Frühjahr geplant. Und das würde gut in den Zeitplan passen, wenn der Platzbedarf des Internationalen Bundes, dem derzeitigen Mieter des Hotels Schäfer, tatsächlich weiter zurückgeht und das Mietverhältnis vor dessen regulärem Ablauf beendet werden sollte.

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