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Beim Jacke und Hose muss Ehefrau Dagmar helfen. Doch die Federn steckt der Prinz selbst in seine Kappe.

Prinz Torsten II.

Unterwegs mit seiner Tollität

Sein Name: Torsten Kronmüller. Sein Status: Prinz Torsten II., die Tollität des Dreierbundes. Sein Zustand: gestresst. Denn jeden Tag warten unzählige Menschen auf ihn und seinen Hofstaat, ohne den gar nichts geht. Die NNP hat seine Tollität einen Tag lang begleitet. Und sah nicht nur Fröhlichkeit.

Prinz Torsten II. vom närrischen Gesellenhaus steht in seinem gold-glänzenden Gewand mit seinem Hofstaat auf der Bühne. Sie lachen, sind gut gelaunt und tanzen mit der Narrenschar. Doch diese Fassade den ganzen Tag aufrecht zu erhalten, ist schwierig. Hinter der Kulisse herrschen auch Ruhe und Nachdenklichkeit.

13.45 Uhr: Im Limburger Kolpinghaus, wo Torsten Kronmüller alias Prinz Torsten II. residiert, herrscht rege Geschäftigkeit: Seine Hose hat Torsten II. bereits an, während er auf dem Handy die letzten Nachrichten liest. Seine Frau Dagmar bereitet die Körbchen mit Goldtalern vor, denn heute stehen zwei Kinderveranstaltungen auf dem Plan. „Ich weiß gar nicht, wie das früher ohne Handy ging“, sagt sie. Sie hält ihm den Rücken frei, verpackt die Geschenke, und die Goldtaler für die Kinder waren auch ihre Idee.

Beim Anziehen braucht Torsten Hilfe. Dagmar schneidet abstehende Fäden weg und schaut, dass die Prinzenkette richtig sitzt. Die Federn steckt Torsten selbst auf die Kappe. Laut Handy steht der Hofstaat bereits vor der Tür.

14.02 Uhr: Auf zwei Autos verteilt geht es los Richtung Niederhadamar. Hofmarschall Dirk Kaiser brieft alle mit den Terminen des Tages.

14.17 Uhr: Ankunft an der Glasfachschule. Hängt der richtige Orden am Hals? Trägt jeder seine weißen Handschuhe? Im Flur werden Späße gemacht, dann heißt es plötzlich „Ihr seid dran“, die Musik läuft bereits. Durchatmen, in Reihe aufstellen, Lächeln ins Gesicht und los.

14.40 Uhr: Der Auftritt ist vorbei, es geht zurück zu den Autos. Die Orden des KV Niederhadamar wandern in die Tüte, die Elzer Orden kommen an den Hals.

14.58 Uhr: Ankunft in Elz. Der Kinderfasching geht erst in wenigen Minuten los und die Tollität sowie sein Hofstaat haben einen Moment Zeit zum Entspannen.

Torsten Kronmüller hatte viele Jahre lang den Traum, einmal Prinz des Dreierbundes zu sein. Wen er als Hofstaat dabei haben will, sei von Anfang an klar gewesen: Sie alle sind Kinder des Rauchclubs Limburg und haben gemeinsam auf der Bühne gestanden. Über die Fastnacht hinaus verbindet sie eine tiefe Freundschaft. Mit seinem Hofmarschall Claus Wolf, seiner Hofdame Dani Möhlhenrich und seinem Hofnarr Meike M. Meyer stand er bereits tanzend als Musketier auf der Bühne, seinen Hofbraumeister Thomas Möhlhenrich kennt er von Kindesbeinen an und mit seinem Hofmarschall Dirk Kaiser hat er Stücke aufgeführt. Sie alle bilden eine feste Einheit, ohne die ein Prinz nicht funktionieren könnte. „Wir sind alle eine Familie“, sagt Torsten.

„Wir haben lange nicht geglaubt, dass er wirklich Prinz werden würde“, sagt Dirk. „Wir haben gehofft, dass der Kelch an uns vorübergehen wird“, schießt Claus nach. „Mir war nicht bewusst, was auf uns zukommt, aber irgendwann gab es kein Zurück mehr.“

Jeder in der Truppe hat seine Aufgaben. Claus hat sich um den Schriftverkehr mit den Vereinen gekümmert, die Termine im für alle zugänglichen Google-Kalender organisiert und verwaltet die 350 Orden. Dirk plant die Reihenfolge der Besuche an den einzelnen Tagen. Dani kümmert sich um den Facebook-Auftritt und „ist für die Schönheit zuständig“. Meike ist der Garant für Spaß. Hofbraumeister Thomas braute im Vorfeld 200 Liter Bier, das der Prinz in Literflaschen als Geschenk überreicht.

15.30 Uhr: Aufzug auf die Bühne bei den Elzer Rotjacken, Tanzen mit den Kindern, Orden verteilen und wieder runter. Das bisschen Zeit bis zum nächsten Termin nutzt die Mannschaft zum Durchatmen. Diese Möglichkeit haben sie nicht jeden Tag.

16.17 Uhr: Es geht weiter nach Eschhofen. Die Anspannung steigt, besonders bei der Hofdame. Es ist bekannt, dass der Hofstaat mit seiner Tollität tanzen muss. Das macht ihr ein wenig Angst.

16.38 Uhr: Ankunft in Eschhofen bei der Frauenfastnacht. Die Damen des Rauchclubs sind ebenfalls vor Ort und marschieren mit ihrem Prinzen ein. Kurzerhand nimmt Prinz Torsten II. die NNP-Reporterin mit auf die Bühne, damit sie eine andere Perspektive bekommt.

17 Uhr: Beim Abgang atmet Dani aus, sie hat es überstanden. „So schlimm war es nicht“, lacht sie.

Sie alle erinnern sich gerne an die Kürung zurück. Nur wenige wussten Bescheid, wer die diesjährige Tollität des Dreierbundes wird. Torsten Kronmüller und sein Hofstaat warteten in seiner Wohnung neben dem Saal. „Als ich mein Gewand anzog, wurde ich langsam nervös“, erinnert sich Torsten. „Als es dann auf die Bühne ging, hat es mir die Kehle zugeschnürt. Ich hatte Tränen in den Augen, als mein Bruder die Laudation hielt.“ Auch die anderen Mitglieder waren sehr bewegt. „Ich hatte Gänsehaut von den Haarspitzen bis zu den Zehennägeln“, sagt Dirk. „Dann die Reaktionen auf den einzelnen Gesichtern zu sehen, war Wahnsinn.“

17.30 Uhr: Im Kolpinghaus essen alle schnell etwas. Der Hofstaat bespricht noch die Termine für den nächsten Tag. Langsam kehrt Ruhe ein.

18.05 Uhr: Gemeinsam steigen alle die paar Treppenstufen zum Dom hoch. In der Sakristei spricht Dirk mit Pfarrer Rehberg nochmal kurz die Abläufe für den Prinzengottesdienst durch und gibt sie an das Team weiter. Der Gottesdienst war Prinz Torsten II. wichtig, da er durch die Kolpingfamilie eine sehr enge Bindung zur Kirche hat. Sie alle wollten der verstorbenen Mitglieder des Rauchclubs und Verwandten gedenken.

18.30 Uhr: Prinz Torsten II. marschiert mit seinem Gefolge, den Messdienern und Pfarrer Rehberg in den Dom ein. Seit 28 Jahren findet der Prinzengottesdienst statt. Pfarrer Rehberg hält seine Predigt als Büttenrede. Lachen, Schmunzeln und Scherzen haben für ihn auch in einer Kirche Platz, „denn sie gehören zum Leben dazu – und auch Gott hat Humor“. Auf der Orgel erklingen Fastnachtslieder.

19.23 Uhr: Alle Beteiligten loben den gelungenen Gottesdienst. Dann geht es nach Hause, denn Prinz Torsten II. und der Hofstaat freuen sich über einen freien Abend, an dem sie endlich mal die Beine hochlegen können.

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