Die Ernte ist inzwischen in vollem Gange, und vielerorts liegen schon die Strohballen auf den Äckern.
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Die Ernte ist inzwischen in vollem Gange, und vielerorts liegen schon die Strohballen auf den Äckern.

Kritik wegen Flächenverbrauch im Kreis Limburg-Weilburg

Ernte: Qualität im Landkreis schwankt

  • Tobias Ketter
    VonTobias Ketter
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Feuchte Böden erschweren das Dreschen

Wer in den vergangenen Tagen und Wochen auf den Straßen im Landkreis Limburg-Weilburg unterwegs war, konnte vermehrt große Mähdrescher entdecken. Die Landwirte der Region ernteten nämlich auf ihren Felder Weizen, Gerste, Roggen und andere Kulturen. Doch wie ist die Ernte in diesem Jahr verlaufen und sind die Bauern mit den Erträgen zufrieden?

Aufschluss darüber gab das Erntegespräch auf dem Berghof in Ahlbach. Viele Landwirte und Politiker waren an Ort und Stelle, um sich auszutauschen. Unter ihnen befanden sich auch Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Marco Hepp, Vorsitzender des Bauernverbandes Limburg-Weilburg, Jonas Bachmann, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Landrat Michael Köberle (CDU), der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (CDU) sowie die Lokalpolitiker Marion Schardt-Sauer (FDP), Jörg Sauer (SPD) und Andreas Hofmeister (CDU). Außerdem waren mehrere Bürgermeister wie beispielsweise Silvia Scheu-Menzer (Hünfelden) und Frank Groos (Brechen) auf dem Berghof zu Gast.

Oft Regen

im Herbst

Bachmann berichtete, dass die Bauern in den vergangenen Monaten mit extremen Witterungsbedingungen umgehen mussten. So habe es seit dem Herbst oft geregnet. Allerdings sei viel Wasser verdunstet. "Insgesamt können wir uns über die Wasserbilanz nicht beschweren. Andere Regionen hat es viel schlimmer getroffen", sagte der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Die Temperaturen seien nicht unbedingt förderlich für die Ernte gewesen. "Nachtfröste im Frühling haben die Vegetation ausgebremst, so dass die Pflanzen erst verspätet gewachsen sind", so Bachmann. Schwierigkeiten habe den Landwirten auch der Drahtwurm, ein gesteigerter Pilzbefall und viel Unkraut auf den Feldern gemacht. "Die besondere Witterung hat diese Probleme in 2021 verstärkt", sagte Bachmann.

Im Landkreis Limburg-Weilburg wurden in diesem Jahr 7087 Hektar Winterweizen angebaut. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Silomais (2326 Hektar) und Raps (2053 Hektar). Auch bei den Erträgen liegt der Winterweizen an erster Stelle. Im Durchschnitt wurden bislang 7,86 Tonnen pro Hektar geerntet. Bei der Triticale sind es 7,5 Tonnen pro Hektar und bei der Wintergerste 7,35 Tonnen pro Hektar. Allerdings gebe es laut Bachmann zwischen den Betrieben im Landkreis teilweise große Unterschiede. "Die Analyse der Ertragszahlen ist noch nicht abgeschlossen, da die Ernte derzeit noch läuft", erklärte Bachmann.

Er betonte, dass bei der Dinkelernte ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt wurde. Der Heuernte habe der viele Regen gut getan, so dass ein gutes Ernteergebnis erwartet werde. Der Mais sei hoch gewachsen. Laut Bachmann gehe man von einer erfolgreichen Ernte aus.

"Es ist in diesem besonderen Jahr schwer zu sagen, wie die erfolgreich die Ernte wirklich ausfällt", sagte Marco Hepp. Die Qualitäten seien sehr schwankend. Insgesamt könne man wohl von einer "durchschnittlichen Ernte" sprechen. Die Landwirte müssten den Anbau der verschiedenen Kulturen aufgrund der Wetterveränderung hinterfragen und überprüfen.

Im Landkreis Limburg-Weilburg sei die Zusammenarbeit zwischen den Bauern und den Politkern weitestgehend gut. In den Kommunen solle zukünftig unbedingt darauf geachtet werden, dass die Landwirte auch weiterhin breite Wege benötigen. "Das Ackerland muss mit den vier Meter hohen und vier Meter breiten Maschinen erreichbar sein", sagte Hepp. Der hohe Flächenverbrauch in der Region sei ein großes Problem. "Wertvolles Ackerland geht zugunsten von Baugebieten verloren." Es müsse dringend ein Umdenken stattfinden. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes forderte, den Flächenverbrauch auf ein "absolut notwendiges Maß" zu reduzieren.

Laut den Angaben der Kreisverwaltung werden im Landkreis Limburg-Weilburg 650 Hektar Fläche für Brachen und Blühflächen genutzt. Diese gliedern sich auf in etwa 320 Hektar aus der Erzeugung genommenem Ackerland und rund 330 Hektar Feldrandstreifen, Pufferstreifen, Blühflächen sowie Wildacker. "Es ist toll, dass es bei uns so viele Blühflächen gibt", betonte Hepp.

Winterraps ist

das Sorgenkind

Karsten Schmal berichtete, dass der Hessische Bauernverband im Mai von einer Rekordernte ausgegangen sei. "Das ist so aber nicht eingetreten." Dies liege auch an zu wenigen Sonnentagen. Das Dreschen werde durch die feuchten Böden darüber hinaus derzeit erschwert. Hessenweit sei der Winterraps das "große Sorgenkind". "Es ist sehr aufwendig, den Raps gesund zu halten, und das kalte Frühjahr war nicht gut für die Kultur", so Schmal. Beim Silomais und den Zuckerrüben gebe es jedoch Grund zur Freude. "Die Prognosen sehen super aus", sagte der Präsident des Hessischen Bauernverbandes.

In den kommenden Monaten und Jahren gehe es auch darum, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Deshalb müsse unter anderem die Wasserhaltefähigkeit der Böden verbessert werden. Schmal hat die Befürchtung, dass sich viele Menschen von der Landwirtschaft abwenden, da es momentan keine Planungssicherheit gebe. Prinzipiell sei Deutschland aber nach wie vor ein guter Standort für die Bauern. Die "fortschreitende Technik" sei ein Grund dafür.

TOBIAS KETTER

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