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Ehemals vier Steine könnten einen keltischen Kultbezirk in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung begrenzt haben. Der ehemalige Ortsbürgermeister Kurt Wilhelm zeigt Wolfgang Schmidt (in grüner Jacke) und den übrigen Teilnehmern die Ausrichtung.

Exkursion zu Zeugen der Geschichte

Die ersten Gückinger

Auf den Spuren der ersten Menschen von Gückingen wandelten rund 25 Teilnehmer bei einer Exkursion.

Anlässlich des Neujahrsempfangs hatte der Heimatforscher Wolfgang Schmidt aus St. Goarshausen-Ehrental einen interessanten Vortrag zur Vor- und Frühgeschichte aus dem Bereich der heutigen Gemeinde gehalten. Ortsbürgermeister Thomas Petri hatte jetzt zu einer ergänzenden Exkursion eingeladen und konnte 25 Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung vor dem Rathaus von Gückingen begrüßen.

Bevor sich die Gruppe auf den Weg machte, besichtigte sie zunächst die im Bürgermeisteramt ausgestellten archäologischen Funde. Wolfgang Schmidt gab einen Überblick auf die unterschiedlichen Begräbniskulturen der frühen Eisenzeit. Im Bereich zwischen Gückingen und der Autobahn finden sich sogenannte Hügel-Brandgräber aus der Zeit um 700 v. Chr. Dort wurden die Urnen von einem Erdhügel überdeckt. Im Bereich der ehemaligen Gemeinde-Sandgrube Pfuhlsheck fanden sich zahlreiche Urnen in Flachgräbern (um 600 v. Chr.). Archäologische Grabungen in den Jahren 1935 und 1954 förderten einige Funde zutage und belegten eine weitgehend identische Grundausstattung der Grabstellen. Dazu gehörte jeweils ein Hochgefäß aus Keramik mit der Asche, Knochenresten und Schmuck sowie bis zu vier Beigabengefäße mit Nahrung für den Weg ins Jenseits. Eine flache Schale oder Teller kann auch als Deckel der Urne gedient haben. Als bedeutender Fund gilt ein auf 500 v. Chr. datiertes Steinkistengrab mit einer Körperbestattung. In diesem Grab fanden sich neben dem Skelett verschiedene Beigabegefäße und ein Trinkbecher sowie eine Haarnadel und sieben Armringe aus Bronze, von denen sich noch zwei in Gückingen befinden. Leider sind bei der Ausgrabung in den 1950er-Jahren offenbar keine fotografischen Dokumentationen erstellt worden. Die weiteren Funde sollen sich heute im Museum Wiesbaden befinden, das seit Jahren ein neues Domizil sucht.

Als weitere Besonderheit sieht Schmidt die in einer Urne gefundene Steinbeil-Klinge aus Feuerstein. Das früher als Schaber bezeichnete Steinwerkzeug weist große Ähnlichkeiten mit den bekannten Steinbeil-Klingen aus der Michelsberger Kultur der Jungsteinzeit (4000 v. Chr.) auf und dürfte damit gut 2500 Jahre älter sein als die Urnenbestattung, der sie beigegeben war. „Der Fund von Gückingen dürfte bundesweit als eines der seltenen Beispiele gelten, bei der einer früheisenzeitlichen Urne eine Silex-Beilklinge als Grabbeigabe mitgegeben wurde“, sagt Schmidt.

Wahrscheinlich hatte das nur teilweise bearbeitete Steinwerkzeug, das oberflächlich starke Verwitterungsspuren aufweist, für den Verstorbenen eine besondere Bedeutung. Der auch als Silex oder Flint bezeichnete Feuerstein kommt in unserer Region nicht vor, sondern ist vor allem im Bereich der Ostsee und aufgrund der Eiszeit vereinzelt als Findlinge nördlich der sogenannten Feuersteinlinie zu finden.

Anschließend machten sich die 25 Teilnehmer auf den Weg zu einer kleinen Wanderung. Im Walddreieck zwischen Gückingen, Hambach und Staffel befinden sich zahlreiche früheisenzeitliche Grabhügel der Hallstattkultur. Hauptgrund für die damalige Besiedelung des Gückinger Raumes dürften die anstehenden Eisenerzlager gewesen sein. Raseneisenerz wurde im hiesigen Raum im Tagebau gewonnen und vor Ort in Rennfeueröfen verhüttet. Der heute von Wald bedeckte Bereich war damals offenes Land. Die Lage der Siedlungen ist bislang nicht bekannt. Neben den Grabanlagen wusste der ehemalige Ortsbürgermeister Kurt Wilhelm zu berichten, dass der Gückinger Lehrer Metzler seinerzeit eine Skizze erstellt hatte, auf der möglicherweise die Reste einer Kultanlage aus der Keltenzeit dokumentiert waren. Heute sind davon nur noch drei, normalerweise unter Laub versteckte Steine vorhanden, die eine Nord-Süd- bzw. Ost-West-Ausrichtung haben. Leider sind die zentrale Anlage mit einem altarähnlichen Steinblock und einem Ring mehrerer kleinerer Steine sowie der in Richtung Osten vorhandene vierte Stein mit dem Bau des Bundeswehr-Depots eingeebnet und überbaut worden. Von der ehemaligen Gückinger Sandgrube Pfuhlsheck ist heute im Wald nicht mehr viel zu erkennen. Der dort abgebaute Quarzsand ersparte den Gückingern den Kauf von Scheuermitteln. „Wir brauchten kein Ata zum Reinigen von Kannen und Töpfen, denn das ging prima mit dem feinkörnigen weißen Sand aus der Grube“, erzählte Kurt Wilhelm.

Zum Abschluss erreichte die Gruppe ehemalige Abbaustellen von Erz, das mittels Haspeln aus senkrechten Schächten gefördert wurde. Das taube Material wurde dort kreisförmig um den Schacht aufgeschüttet und vermittelt den Eindruck, es handele sich um ein großes, von Grabräubern zerstörtes Hügelgrab. Teilweise nur wenige Meter daneben befinden sich dann tatsächlich noch einige der rund 2700 Jahre alten Grabhügel. hpg

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