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Auf zwei Gleitbahnen aus Metall und einem Polster aus Stickstoff schwebte die 504 Tonnen schwere neue Eisenbahnbrücke in die vorberechnete Position im Bahndamm. Für den notwendigen Vorschub sorgten vier kleine Hydraulikzylinder.

Sperrung behoben

Nach 4 Tagen Sperrung: Zügen sollen wieder rollen

Gerade mal 45 Minuten dauerte es, bis die neu gebaute Brücke in der Nähe des Eschhofener Bahnhofs in seine endgültige Position kam. Viele Schaulustige beobachteten, wie der 500 Kilo schwere Koloss bewegt wurde.

Eschhofen - Vier Tage war die Main-Lahn-Bahn zwischen Eschhofen und Niederbrechen für den gesamten Zugverkehr gesperrt. DB Netz hatte zwei Baumaßnahmen gebündelt und erneuerte eine Brücke bei Eschhofen und mehrere Weichen im Bahnhof Niederbrechen.

Von Anwohnern und jungen Ingenieuren wurde am Freitag der Einschub einer seit März neben der Bahnstrecke neu gebauten und über 500 Tonnen schweren Brücke verfolgt . Der Abriss der alten Feldwegbrücke hinter dem zu Runkel-Ennerich gehörenden Industriegebiet Großmannswiese war am Fronleichnamstag innerhalb weniger Stunden erfolgt. Sowohl für Michael Möll von DB Netz als auch für die verantwortlichen Bauleiter Eduard Kinas und Frank Schuy der ausführenden Firma Albert Weil AG war es erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln die alten Brücken gebaut waren, die über Jahrzehnte die schweren Lasten aus dem Zugverkehr getragen haben.

Widerlager aus Sandstein

Die Widerlager waren auf der einen Brückenhälfte aus Sandstein, auf der anderen aus einem nur mit wenig Bewehrungsstahl versehenen Stampfbeton errichtet worden. Die das Gleisbett tragenden Decken bestanden aus parallel nebeneinander verlegten Doppel-T-Trägern in Beton. Laut alten Plänen ist eine Brückenhälfte beim zweigleisigen Ausbau der Strecke im Jahr 1913 neu errichtet worden. Die Decke der anderen Hälfte wurde zuletzt 1933 erneuert.

Die Durchfahrtshöhe ist auch bei der neuen Brücke auf 3,30 Meter beschränkt. Nach Fertigstellung wird der Radlader nicht mehr hindurchfahren können.

Bereits am späten Donnerstagabend war der Bahndamm auf die benötigte Breite abgetragen worden, um das neue Bauwerk einschieben zu können. Dabei wurde deutlich, dass der Damm nicht von Beginn an - die Eröffnung von Eschhofen bis Niederselters erfolgte am 1. Februar 1875 - für zwei Gleise ausgelegt war. Im verbreiterten Bahndamm befinden sich noch die Reste der ursprünglich als Schwergewichtswand erbauten Böschung zum Emsbach hin. Am Freitagmorgen lieferten zahlreiche Sattelauflieger das Material zur Vorbereitung des Untergrundes.

Für den Querverschub der Brücke in die endgültige Lage wurden zwei massive Stahlgleitbahnen für das Schwerlast-Transportsystem auf den exakt ausgerichteten und verdichteten Untergrund verlegt. Das 1986 von der Bauakademie der DDR im sächsischen Erdmannsdorf zum Verschub von Baukränen entwickelte und als "Luftfilmgleiter für Horizontaltransporte" patentierte Fluidts-System ist seit 2014 ein Geschäftsfeld der Firma Multilift Transportsysteme Deutschland. Kurz nach 14 Uhr begann Matthias Frosch, der das System schon seit den Anfangsjahren kennt, mit dem Verschub über eine Distanz von 25 Metern. Die Brücke stand auf vier hydraulischen Lastmodulen, die das 504 Tonnen schwere Bauwerk anhoben. Auf jeder Seite sorgten zwei weitere hydraulische Zylinder für die horizontale Verschiebung. Bereits eine Dreiviertelstunde später war die vorberechnete Lage erreicht.

Erstmals Kunstholz

Als weitere Schritte folgten die Verfüllung des Bahndamms, die Positionierung von elf überdimensionalen L-Steinen zur seitlichen Hangsicherung sowie die Verlegung der Gleise.

Ein Problem für den Abtransport des Altmaterials und Beseitigung der Baustelleneinrichtungsfläche sehen die Verantwortlichen in der bevorstehenden Vollsperrung der L 3020 zwischen Ennerich und Eschhofen ab Anfang Juli.

Auch im Bahnhof Niederbrechen kam der Einbau von drei neuen Weichen planmäßig voran. Eine Premiere in unserer Region ist die Verwendung von FFU-Kunstholzschwellen anstelle von Holz oder Beton. Die bereits 1980 in Japan entwickelten und seit 1985 dort als Standard verlegten Schwellen bestehen aus mit Polyurethanen ummantelten Glasfasersträngen. Während die Materialeigenschaften mit Holz vergleichbar sind, haben die FFU-Schwellen eine deutlich längere Nutzungsdauer von rund 50 Jahren und sind wesentlich witterungsbeständiger und frei von Umweltgiften. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte im Juli 2009 die Zulassung zur Betriebserprobung im deutschen Eisenbahn-Infrastrukturnetz erteilt und 2017 die Regelzulassung in Deutschland genehmigt.

Die braunen Schwellen unter zwei neuen Weichen in Niederbrechen sehen aus wie Holz, bestehen aber aus Glaserfaserbündeln mit Kunststoffmantel.

Alle Arbeiten wurden am Sonntag abgeschlossen, so dass die Züge seit dem frühen Montagmorgen wieder planmäßig rollen können. Aufgrund des "Brückentages" am verlängerten Wochenende waren die Kapazitäten im Bus-Schienen-Ersatzverkehr zwischen Limburg und Niederbrechen offenbar ausreichend. Verwirrung gab es bei Fahrgästen in Eschhofen, denn die angegebene Ersatzhaltestelle Bahnhofstraße befindet sich in der Nähe der Tankstelle und nicht unmittelbar neben dem Bahnhof.

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