Jutta Schillaci aus Wirbelau hat ihn bereits: Mit ihrem Smartphone scannt sie in der Amts-Apotheke Runkel ihren digitalen Impfnachweis in Form eines QR-Codes ein. Rechts: Apothekeninhaber Torsten Kraemer.
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Jutta Schillaci aus Wirbelau hat ihn bereits: Mit ihrem Smartphone scannt sie in der Amts-Apotheke Runkel ihren digitalen Impfnachweis in Form eines QR-Codes ein. Rechts: Apothekeninhaber Torsten Kraemer.

Der digitale Impfpass im Kreis Limburg-Weilburg

Fast alle Apotheken dabei

  • Rolf Goeckel
    VonRolf Goeckel
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Inhaber freuen sich über Nebenverdienst und ärgern sich über technische Probleme

Seit Montag dürfen Apotheken den sogenannten digitalen Impfpass ausstellen. Ein Service, den nahezu sämtliche Apotheken im Landkreis Limburg-Weilburg und in den angrenzenden Regionen anbieten, wie aus einer Übersicht des Deutschen Apotheker-Verbands (DAV) hervorgeht.

Zu ihnen gehört die Hubertus Apotheke in der Limburger Innenstadt, deren Inhaber Adolf Wuth eine "enorme Nachfrage" registriert. "Sogar der Bischof war schon da", berichtet er. Bereits am Dienstag habe es Hunderte Interessenten gegeben. "Die meisten schicken wir wieder weg", zumal es gravierende technische Probleme gebe. Nachdem das System bereits am Dienstagnachmittag Schwierigkeiten gemacht habe, sei am Mittwochvormittag der Server, über den das Impfzertifikat online ausgestellt wird, einfach ausgefallen.

Dabei könnte es für den Kunden eine Sache von wenigen Minuten sein, sagt Adolf Wuth - normalerweise. Es genüge die Vorlage des Personalausweises und des Impfnachweises, sei es das gelbe Impfbuch oder eine Bescheinigung des Impfzentrums. Die Apotheke prüfe kurz, ob die Namen im Impfbuch und Personalausweis übereinstimmen und fülle eine elektronische Maske aus, die Angaben zur Person, das Geburtsdatum, das Impfdatum und den Namen des verabreichten Vakzins enthält. Das Ganze werde online ans Robert-Koch-Institut (RKI) geschickt, das anschließend eine pdf-Datei mit QR-Code zurückschicke. Diese werde von der Apotheke ausgedruckt und dem Kunden zum Scannen auf dem Smartphone zur Verfügung gestellt.

Erst- und Zweitimpfung

zusammen für 24 Euro

Dass sich schon nach so kurzer Zeit technische Probleme zeigen, hält Adolf Wuth für ein "Trauerspiel". "Das RKI und seine Dienstleister zeigen wieder einmal, wie Digitalisierung in Deutschland geht, nämlich gar nicht", schimpft der Apotheker. Ein Trost: Für ihn und seine Kollegen, sagt Wuth, ist der digitale Impfpass ein gutes Geschäft. Pro ausgestelltem Einzelnachweis erhält die Apotheke eine Vergütung von 18 Euro, für die Erst- und Zweitimpfung zusammen sind es 24 Euro. Die Kunden zahlen dabei nichts. Allerdings soll sich das wieder verändern: Je Zertifikat sollen es statt jetzt 18 Euro noch sechs Euro sein, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gestern mit.

Investieren musste die Hubertus-Apotheke nur in ein IT-System, das sie für das Ausstellen von elektronischen Rezepten sowieso angeschafft hat. "Der digitale Impfpass ist für uns nur Beifang", sagt Wuth.

Auch Torsten Kraemer von der Runkeler Amts-Apotheke stellt den digitalen Impfpass aus, nachdem allerdings die Registrierung am Montag technisch "sehr schwierig" gewesen sei. Die Nachfrage sei mit zehn bis 15 in den ersten Tagen zwar vorhanden, einen Ansturm gebe es in Runkel aber nicht. "Darüber bin auch ganz froh", sagt Kraemer. Viele Kunden seien recht geduldig und erkundigten sich zunächst nur telefonisch. "Denen sage ich, sie sollen nächste Woche kommen", sagt Kraemer, der ebenfalls über technische Ausfälle klagt. Bei den Interessenten handelt es sich bisher in erster Linie um Kunden, die einen Impfnachweis für den Urlaub benötigen. So wie eine 81-jährige Frau, die demnächst eine Freundin in Frankreich besuchen möchte.

"Das Tagesgeschäft

wird beeinträchtigt"

Die Vergütung für den digitalen Impfpass hält der Runkeler Kaufmann für auskömmlich ("endlich mal eine ordentliche Bezahlung"), zumal sich der technische Aufwand, beispielsweise eine Software-Aktualisierung und das Einloggen in das System, in Grenzen halte. Allerdings bedeute das Ausstellen des digitalen Impfzertifikats, das Kunden der Amts-Apotheke auch direkt auf dem Monitor einscannen können, einen nicht unbeträchtlichen personellen Mehraufwand. "Das Tagesgeschäft wird beeinträchtigt", sagt Kraemer.

Die Brechener Apotheke im Goldenen Grund hat ebenfalls bereits mehrere digitale Impfzertifikate ausgestellt, berichtet Inhaber Dr. Gunter Tollmann. "Die Nachfrage ist vorhanden, wenn auch nicht so groß wie bei den Masken." Das System funktioniere erstaunlich gut, auch wenn die Server "immer wieder in die Knie gehen". Doch dies, so Dr. Tollmann, sei angesichts der kurzen Vorbereitungszeit wohl kaum anders durchführbar gewesen. Wenn alles klappt, sei das Ausstellen eines digitalen Impfzertifikats in drei bis vier Minuten erledigt. Mit der Vergütung ist der Brechener Apotheker zufrieden, sie sei für ihn aber nicht das Kriterium, das im Vordergrund stehe. "Ich mache das, weil es zum Job gehört", sagt Tollmann.

Rund 40 Kunden der Linden-Apotheke in Hadamar hatten bis zum frühen Mittwochnachmittag ein digitales Impfzertifikat erstellen lassen, wie Inhaberin Beate Schmitt berichtet. Weil das System häufig überlastet sei, biete sie ihren Kunden an, dass sie einfach ihre Daten hinterlassen und sich den QR-Code am nächsten Tag abholen. Mit der Vergütung ist die Apotheken-Inhaberin zufrieden, sieht darin allerdings einen Ausgleich dafür, dass beispielsweise die Impfstoffbelieferung an die Arztpraxen verhältnismäßig schlecht bezahlt werde. So erhalte die Apotheke für die Auslieferung pro Impffläschchen lediglich fünf bis sechs Euro, was bei einem Kontingent von wenigen Fläschchen pro Praxis manchmal kaum lohne.

Die Linden-Apotheke beteiligt sich laut Schmitt gerne an der Ausstellung des digitalen Impfzertifikats, weil es auch der Imagepflege diene. "Es gibt uns die Möglichkeit, uns als moderner, allgemeiner Gesundheitsvermittler in den Mittelpunkt zu stellen." Die Kunden, die sich ein digitales Impfzertifikat abholen, seien nach ihrer Beobachtung in erster Linie Leute, die Angst haben, ihr Impfbuch zu verlieren. "Die wollen ihren Pass nicht ständig mit sich führen", so Beate Schmitt. Rolf Goeckel

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