Dieselskandal

Neuzulassungen im Kreis kaum gesunken - Händler klagen dennoch über geringeren Absatz

Die Zahl der Dieselfahrzeuge im Kreis Limburg-Weilburg ist 2018 trotz der vielen Diskussionen kaum gesunken. Autohändler im Kreis zeichnen dennoch ein negatives Bild. Und die Nachfrage nach Elektroautos steigt nur langsam.

Abgas-Schummeleien und Fahrverbote. Der Dieselskandal beschäftigt das Land. Und auch wenn am Mittwoch in Wiesbaden ein Diesel-Fahrverbot abgewendet werden konnte, so schwebt es über Limburg immer noch wie ein Damoklesschwert.

Trotz aller Sorgen und Verunsicherungen, die der Skandal mit sich bringt, fahren aber weiterhin zahlreiche Bewohner des Landkreises Limburg-Weilburg Dieselfahrzeuge. Am Ende des vergangenen Jahres waren insgesamt 49 009 Diesel-Automobile zugelassen. Dies entspricht nur einer Verringerung von 0,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch die Zahlen der Neuzulassungen haben sich kaum verändert. 2017 wurden 14 285 Dieselautos zugelassen. Diese Zahl hat sich im vergangenen Jahr nur um 56 Fahrzeuge verringert. Diese nur leicht negative Entwicklung ist jedoch nicht voll aussagekräftig, da nicht zwischen Neu- und Gebrauchtwagen unterschieden wird.

Firmen bleiben dabei

Betroffen sind außer den Bürgern auch die Autohändler. Wir haben uns bei einigen umgehört. Genaue Zahlen aus ihren Unternehmen wollen sie allerdings nicht preisgeben. Bei der Auto-Bach-Gruppe ist der Absatz von Dieselfahrzeugen durch Privatkunden rückläufig. Allerdings setzten Firmen mit großen Autoflotten weiterhin auf Diesel, so dass das Unternehmen bei gewerblichen Kunden kein Absatzabfall vermelden kann.

Volkswagen zahle den Kunden beim Kauf eines Dieselfahrzeugs eine Prämie, um so die Nachfrage nicht zu stark absinken zu lassen. „Zudem ist das Interesse an Elektroautos stark gestiegen“, erklärt Dirk Buchinski vom Autohaus Bach. Ab 2020 werde Volkswagen die ID-Familie, die komplett aus Elektroautos besteht, auf den Markt bringen und so für ein noch breiteres Angebot bezüglich der alternativen Automobile sorgen. „Insgesamt ist die Verunsicherung der Kunden weiter zu spüren. Dies scheint der Hauptgrund für den schlechten Absatz von Dieselfahrzeugen im ganzen Land zu sein“, sagt Buchinski.

„Die Informationslage für die Bürger ist denkbar schlecht“, sagt auch Werner Orth, Geschäftsführer der Automobile Orth GmbH aus Beselich. Aufgrund von Uneinigkeiten in Politik und Gesundheitswesen wüssten potenzielle Dieselkäufer und Inhaber von Dieselfahrzeugen nicht wie sie mit der Thematik umgehen sollen. Das Mercedes-Autohaus versucht seine Kunden aufzuklären und mit möglichst vielen Informationen zu versorgen. Dennoch sind die Absatzzahlen von Dieselautos im Betrieb zurückgegangen. Eine immer interessanter werdende Alternative scheinen Elektroautos zu sein. „Das Interesse der Kunden an diesem Fahrzeugtyp ist sehr hoch, jedoch ist das aktuelle Angebot überschaubar, was sich allerdings im Verlauf des Jahres stark ändern wird“, erklärt Orth. Aufgrund dieser Tatsache seien die Verkaufszahlen von Elektroautos bisher nicht nennenswert gestiegen.

Mehr Benziner

Auch im Autohaus Mollier in Bad Camberg blickt man besorgt auf die Entwicklungen. Der Toyotahändler verkauft keine neuen Personenkraftwagen, die mit Diesel betrieben werden, da der japanische Konzern schlichtweg keine dieser Fahrzeug für den europäischen Markt herstellt. Allerdings werden Transporter und ähnliche Großraumfahrzeuge weiterhin angeboten. Das im Jahr 1962 gegründete Unternehmen konnte in den vergangenen Monaten hingegen seine Verkaufszahlen von Kraftfahrzeugen, die mit Benzin betrieben werden, steigern.

Außerdem bietet das Autohaus Mollier gebrauchte Dieselfahrzeuge an. Jedoch kommt es immer häufiger vor, dass Inhaber Martin Mollier die Autos nicht los wird, da das Interesse der Kunden an gebrauchten Dieselfahrzeugen nahezu nicht mehr vorhanden sei. Toyota geht bezüglich alternativen Automobilvarianten seinen eigenen Weg. Der Konzern setzt ganz auf Brennstoffzellenautos, die mit Wasserstoff betrieben werden. „Wasserstoff ist nahezu unbegrenzt verfügbar und lässt sich aus einer Vielzahl von natürlichen Ausgangsstoffen gewinnen“, ist auf der Homepage des Konzerns zu lesen.

Das Autohaus Erlemann aus Villmar ist ebenso wenig erfreut über die Problematiken, die der Dieselskandal mit sich bringt. „Die Politiker müssen nun Nägel mit Köpfen machen und sinnvolle Entscheidungen treffen, um die Bevölkerung zufrieden zu stellen“, betont Geschäftsführer Heinz Erlemann. Der Absatz von neuen sowie gebrauchten Dieselfahrzeugen sei in den vergangenen Monaten enorm gesunken. Der Geschäftsführer des Opel-Autohauses verweist auf Eintauschprämien, bei denen alte Dieselautos durch neuwertige Modelle ersetzt werden und die Kunden dabei Ersparnisse erlangen könnten. Die Nachfrage für Elektroautos steige nicht, da die Problematik der Entsorgung der Batterien immer noch zu groß sei. Außerdem gebe es zu wenig Ladestationen für die Fahrzeuge.

von TOBIAS KETTER

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