Windkraftgegner

Frostiger Empfang für Grüne in Zollhaus

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Eine Mahnwache zum Neujahrsempfang erlebten die Gäste und Parteifreunde von Bündnis 90/Die Grünen des Kreisverbands Rhein-Lahn. Befürworter und Gegner von Windenergieanlagen kamen nach Zollhaus.

Zu einer Annäherung kommt es an diesem Tag nicht. Die Schneise, die das Thema Windenergie zwischen Bündnis 90/Die Grünen und den lokalen Bürgerinitiativen gegen diese Form der Energiegewinnung geschlagen hat, ist breit. Breiter jedenfalls als die Straße vor dem Kulturhaus Kreml, die die Vertreter beider Gruppen trennt. Gegenüber dem Haus haben rund 60 Windkraftgegner zu einer Mahnwache Stellung bezogen. Sie haben ihre Protesttransparente ausgerollt, um ihren Widerstand gegen Windräder zu dokumentieren. Dass eine Frau in einem Kleinwagen an ihnen vorbeifährt und mit dem Finger an die Stirn tippt, stört sie nicht.

Sie stören sich an den etwa 40 Gästen, die sich im ersten Stock des Kulturhauses beim Neujahrsempfang vom Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen versammelt haben. Sie haben Thomas Griese, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung, Weinbau und Forsten eingeladen. Griese ist ein entschiedener Befürworter der Windenergie.

Für die Mitglieder der Bürgerinitiativen aus Altendiez, Hirschberg, Hambach und Burgschwalbach ist der Grünen-Politiker ein rotes Tuch, formuliert Karl-Bernd Giebenhain von der Gruppe „Altendiez gegen Windkraft“. Er sei „entsetzt, was aus den Grünen geworden ist“, sagt Giebenhain. Dass das wichtige Thema Energiewende von der Partei „hinter verschlossenen Türen verhandelt wird“, findet er unglaublich. Und dass „der Herr Griese fehlt“, sei ebenfalls empörend, wenn auch aus seiner Sicht nicht ungewöhnlich. „Griese ist dafür bekannt, dass er uns aus dem Weg geht.“

Der aus Mainz angereiste Staatssekretär weist das zurück: Tatsächlich sei er etwa 40 Minuten vor Beginn des Neujahrsempfang in Zollhaus eingetroffen, um mit den Vertretern der Bürgerinitiative zu sprechen. Dass er das auch getan hat, könne er sogar beweisen. Seine Frau hat ihn fotografiert wie er an der Straße steht und diskutiert. Wenigstens ein paar Minuten, sagt Griese. Dann habe Sven Wewer, Sprecher der Initiativen, mit seiner Rede und begonnen und ihm zu verstehen gegeben, dass persönliche Gespräche am Straßenrand beendet werden sollen.

Dabei habe es durchaus noch einigen Gesprächsbedarf gegeben, betont Griese. Über die Energiewende hätte er noch stundenlang mit den Bürgern diskutieren können, etwa um von den Gegnern der Windkraft eine Antwort darauf zu bekommen, wie man von der Kohle weg- und zu erneuerbarer Energie hinkommen wolle? „Wenn Sie gegen Windenergie sind, was denn dann?“ Das ist die Frage, die er gerne den Demonstranten auf der Straße gestellt hätte. Er hätte auch darauf hinweisen wollen, dass sich Rheinland-Pfalz im Laufe der letzten acht Jahre vom Energie-Importland zum Energie-Selbstversorger entwickelt hat. Das sei doch toll, findet er. Rund 20 Windkraftanlagen stehen derzeit im Land und produzieren 90 Millionen Kilowattstunden im Jahr. Die Zahl der Solaranlagen sei von 450 auf 1400 gestiegen, sagt er. Auch das ein Erfolg.

BI-Sprecher Sven Wewer sieht das anders. Er sieht den Naturpark Nassau in Gefahr. „Für jedes Windrad, welches im Wald errichtet würde, müsste etwa eine Fläche von rund 8000 bis 10 000 Quadratmeter Wald gerodet werden. Das wären schätzungsweise allein bei denen in der Verbandsgemeinde Diez geplanten 21 Anlagen rund 160 000 Quadratmeter Wald, der abgeholzt würde.“ Und Karl-Bernd Giebenhain von der Bürgerinitiative aus Altendiez fasst seine Meinung zusammen: „Energiegewinnung ist nicht mein Problem“, sagt er. Windkraft ist seiner Überzeugung zufolge jedenfalls keine Alternative. Der Energieverbrauch müsse gedrosselt werden, zum Beispiel durch Tempolimit, fordert er. Das wäre ein Beitrag zur Energiewende. „Windräder sind es nicht“, bekräftigt er seinen Standpunkt.

Zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit Windkraft-Befürwortern kommt es nicht. An diesem Tag jedenfalls nicht, räumt Leo Neydek, Kreisvorstandssprecher von Bündnis 90/Die Grünen ein. Der Neujahrsempfang sei eine geschlossene Veranstaltung, um die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen und in die Zukunft zu blicken. Ein politischer Diskurs zu einem einzigen Thema sei von Anfang an nicht geplant gewesen. Miteinander sprechen wolle man aber in jedem Fall „demnächst“. Der Dialog sei wichtig.

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