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Michael Thutewohl, Aileen Nickel und Marten Cornel Fuchs (von links) setzen alle Hebel in Bewegung, damit der Eigentümerin des nun unbewohnbaren Hauses Mühlenstraße 3 geholfen wird.

Haus unbewohnbar

Das ganze Dorf hilft den Brandopfern

Nachdem das Einfamilienhaus in der Mühlenstraße 3 nach einem Feuer unbewohnbar ist, finden Eigentümerin Yvonne Hofmann und ihr kleiner Sohn in der Dorfgemeinschaft große Anteilnahme und Unterstützung.

Arfurt - Man mag es sich gar nicht vorstellen: Während Yvonne Hofmann am Mittwochabend letzter Woche kurz zum Hühnerfüttern in den Hof ging und ihr zweieinhalbjähriger Sohn währenddessen in der Küche noch eine Bibi-Blocksberg Geschichte hören durfte, schrillten im Haus die Rauchmelder. So schnell sie konnte, rannte die 37-Jährige ins Haus zurück, da war schon alles dicht verqualmt. Sie konnte nur noch das Kind packen und wieder rausrennen.

Anwohnerin Aileen Nickel erzählt, kaum dass die Sirene losgegangen sei, habe sie von ihrem Küchenfenster aus schon eine Stichflamme aus dem brennenden Haus in der Mühlenstraße schlagen sehen. Minuten später trafen die Feuerwehren aus allen Himmelsrichtungen ein. Die unmittelbaren Nachbarn mussten ihre Häuser verlassen und fanden im Wohnzimmer von Aileen Nickel Schutz vor Kälte und Rauch. „Während die Kinder sich in der Spielecke vergnügten, schmiedeten wir Frauen schon erste Hilfspläne für die inzwischen ins Krankenhaus eingelieferten Brandopfer“, erzählt die engagierte Frau. Eine Grundausstattung von Kleidung für Mutter und Kind sowie Hygieneartikel fanden sich schnell zusammen.

Technischer Defekt

Yvonne Hofmann hatte zum Glück keine Rauchvergiftung erlitten und konnte schon bald das Krankenhaus wieder verlassen. Schlimmer erging es ihrem Sohn, dessen Verbrennungen in einer Klinik in Mainz behandelt werden. Feuerwehrmann Michael Thutewohl hat Yvonne Hofmann vorerst die Gästezimmer seines Hauses zur Verfügung gestellt. Er unterstützt die verzweifelte Frau auch bei allem, was jetzt mit Versicherungen und Behörden zu klären ist. „Ich war dabei, als Polizei und Brandermittler das Haus untersucht haben“, erzählt er. „Es steht nun zweifelsfrei fest, dass weder Vorsatz noch Fahrlässigkeit das Feuer verursacht haben“. Die Ausdehnung des Brandes spreche klar gegen den Holzofen als Ausgangspunkt. Stattdessen habe wohl ein technischer Defekt des Boilers die Katastrophe ausgelöst.

Die Küche im Erdgeschoss ist völlig ausgebrannt und auch die Decken von Flur und Bad seien betroffen, so dass die Tragfähigkeit der Fußböden im Obergeschoss unsicher erscheint, sagt Thutewohl. „Fakt ist, dass das Haus erst nach einer gründlichen Sanierung wieder bewohnbar ist.“ Für ein paar Monate würde die Übergangslösung für Yvonne Hofmann als Gast in seinem Haus wohl gehen, aber wenn die Sanierung deutlich länger dauere, brauche die junge Frau eine eigene Wohnung.

„Wir haben bereits mit einer Sammlung von Sachspenden angefangen“, erzählt Aileen Nickel. Ein Kinderbett, Teppiche, Kochgeschirr und einiges mehr seien bereits zusammengekommen. Dies sei auch nötig, denn die Geschädigte hätte leider keine Hausratversicherung abgeschlossen.

„Gemeinsam mit anderen Helferinnen haben wir eine Liste des elementar Notwendigen erarbeitet. Wer etwas abgeben mag, kann mich gern anrufen“. Da Aileen Nickel aufgrund ihrer Elternzeit als einzige der Nachbarinnen tagsüber zu Hause ist, hat sie sich zur Koordination der Sachspenden bereiterklärt und auch zwei Kellerräume in ihrem Haus dafür zur Verfügung gestellt.

Ortsvorsteher Marten Cornel Fuchs – der übrigens erst am Abend des Brandes als Nachfolger von Manfred Hastrich in dieses Amt gewählt wurde – ist sehr dankbar für die große Hilfsbereitschaft der Arfurter. „Ich bin schon gleich nach dem Unglück von etlichen Leuten angesprochen worden, die Frau Hofmann auch finanziell unterstützen wollen“, sagt er. So habe er beim Bürgermeister angefragt und die Finanzverwaltung der Stadt Runkel habe prompt ein Spendenkonto zugunsten der Geschädigten eingerichtet. Auch seitens der Kirche und aus den örtlichen Vereinen sei Hilfe zugesichert worden, berichtet Fuchs.

Licht am Tunnelende

„Das Schöne an unserem 860-Seelen-Dorf ist, dass hier das Sozialleben und der menschliche Zusammenhalt noch funktionieren“, freut sich der Ortsvorsteher. Das ist wohl auch der Grund dafür, warum Yvonne Hofmann mit ihrem Sohn unbedingt in Arfurt wohnen bleiben möchte. „Natürlich war mir nach dem Schock erst einmal der Boden unter den Füßen weggerissen worden und die Sorge um mein Kind war das Schlimmste, was mir je passiert ist“, sagt sie. Doch aufgefangen von der Gemeinschaft, sehe sie nun langsam wieder Licht am Ende des Tunnels.

Wer sich an der Hilfsaktion für Yvonne Hofmann beteiligen möchte, kann Geld auf das Spendenkonto der Stadt Runkel IBAN DE 45 5115 1919 0141 1510 19 überweisen. Bitte den Verwendungszweck „Brand Hofmann Kto. 4861013“ angeben. Sachspenden werden von Aileen Nickel, Telefon:  (0 64 82) 6 07 07 05, koordiniert.

Von Kerstin Kaminsky

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