Gedenken, um die Freiheit zu wahren

Unter großer Anteilnahme wurden jetzt auch in Oberbrechen Stolpersteine zum Gedenken an Nazi-Opfer verlegt.

Unter großer Beteiligung von Oberbrechener Bürgern wurden sieben sogenannte Stolpersteine durch den Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt. Diese sollen an die Familie Stern erinnern, die bereits seit dem 18. Jahrhundert in Oberbrechen angesiedelt war. Insgesamt wurden sechs Mitglieder der jüdischen Familie Stern in Konzentrationslagern der Nazis ermordet.

Stolpersteine wurden nun vor den letzten Wohnhäusern der Opfer in der Lange Straße in Oberbrechen verlegt. Sie erinnern an das bis zur Deportation in Oberbrechen lebende Ehepaar Siegfried und Sophie Stern, Siegfrieds Schwester Jette sowie Moses Stern. Moses’ Schwester Dora entzog sich den Repressalien durch Suizid, ohne dass die genauen Umstände jemals aufgeklärt wären. Weitere Stolpersteine wurden für die Kinder von Siegfried und Sophie verlegt, die von den Eltern rechtzeitig in die sichere USA gebracht werden konnten, während die Erwachsenen entschieden, in ihrer Heimat bleiben zu wollen.

Bürgermeister Werner Schlenz (parteilos) hob in seinem Grußwort hervor, wie wichtig das Gedenken 70 Jahre nach Kriegsende bleibe. Es gehe darum, die Gräueltaten der Nazis nicht zu vergessen, um sicherzustellen, dass so etwas heute nicht mehr passieren könne. Vor dem Hintergrund, dass auch heute mitunter Minderheiten ausgegrenzt oder diskriminiert würden, müsse man wachsam bleiben und für deren Recht eintreten. Deshalb begrüße er die Initiative zur Stolpersteinverlegung in Oberbrechen.

Die Idee und Organisation zur Verlegung der Stolpersteine kam von Dr. Gunther Roth (FDP). 20Jahre ist es her, dass er über die ersten Stolpersteine in Köln „gestolpert“ sei. Schon damals kam ihm der Gedanke, dass es diese auch in Oberbrechen geben sollte.

Nur durch die von Eugen Caspary zusammengetragenen Daten in der Chronik von Oberbrechen lag eine belastbare historische Grundlage für die Verlegung der Stolpersteine vor. Roth ist sich sicher: „Eine plurale Gesellschaft muss unterschiedliche Standpunkte aushalten. Eines darf jedoch nie verloren gehen – die Grund- und Freiheitsrechte. Diese wurden den hier wohnenden Siegfried, Sophie, Jette, Kurt und Ilse Stern sowie Moses und Dora Stern genommen.“

Die nachfolgenden Generationen seien zwar nicht schuld an den Taten der Vorfahren oder an Taten anderer Deutscher, weil Schuld immer etwas Persönliches sei, die Nachkommen trügen aber eine Verantwortung. Eine Verantwortung gegen das Verdrängen, Leugnen, Relativieren oder Bagatellisieren. „Denn es ist unsere gemeinschaftliche Verantwortung und Aufgabe, Freiheits- und Grundrechte zu verteidigen“, so Gunther Roth. Er dankte dem Künstler Gunter Demnig, den Spendern, Eugen Caspary, der Gemeinde Brechen und Bürgermeister Schlenz sowie der Vorsitzenden der christlich-jüdischen Gemeinde Christa Pullmann und dem Archivkreis unter Leitung von Gregor Beinrucker für die gute Zusammenarbeit.

Während der Verlegung der Stolpersteine hörten die Anwesenden die von Gregor Beinrucker und Doris Hecker verlesenen Lebensgeschichten der sieben Opfer, die mit Ermordung, Suizid oder Flucht endeten. Den würdevollen Rahmen der Veranstaltung beschloss Christa Pullmann von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Limburg.

Sie berichtete kurz von der Jüdischen Gemeinde in Limburg und verlas aus dem Siddur Schma Kolenu, dem Gebetbuch der jüdischen Gemeinden, das Gebet zum Gedenken an die sechs Millionen Juden, die in Auschwitz und den anderen Vernichtungslagern ermordet wurden. Im zweiten Gebet, dem „El Male Rachamim“, betonte sie die Wohltätigkeit, der wir nachstreben sollen.

Die Stolpersteine für Oberbrechen wurden von Bürgern der Gemeinde Brechen und dem Feuerwehrverein Oberbrechen gespendet.

Über die Geschichte der Juden in Oberbrechen hat der Archivkreis der Gemeinde Brechen eine Ausstellung erstellt, die zu den Öffnungszeiten im Oberbrecher Heimatmuseum und am 7. Juni am Hofmarktfest besichtigt werden kann.

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