+
Beim Starkregen 2016 hatten die Feuerwehren der Gemeinde einen Großeinsatz.

Unwetterschäden

Gemeinde Weyer diskutiert Konzept gegen geflutete Straßen und Keller

  • schließen

Zu 61 Einsatzstellen mussten die Feuerwehren des Marktfleckens Villmar sowie die Helfer vom Technischen Hilfswerk Limburg und Weilburg fahren, als vor zwei Jahren Starkregen den Marktflecken überflutete. Wie künftig bei Unwettern der Schaden möglichst gering gehalten werden kann, darüber diskutierte Axel Paul, Vorsitzender vom Bauausschuss (AAV), jetzt mit Anwohnern und lud sie zu einem Ortsrundgang ein.

Mehr als 13 Stunden hatten sämtliche verfügbaren Feuerwehrleute des Marktfleckens Villmar sowie die Helfer der Ortsverbände Limburg und Weilburg des THW bei dem heftigen Starkregen vor zwei Jahren ehrenamtlich für die Allgemeinheit „ackern“ müssen. 54 der 61 Einsatzorte lagen in Weyer. Ebenfalls Schaden entstand damals in Aumenau. In Villmar waren der Hangrutsch auf dem Gelände der Familie Zirkel und seine finanziellen Folgen für die Betroffenen anschließend noch über Monate ein Thema.

Das soll sich nicht wiederholen. Deshalb ging es am vergangenen Samstag in der Weyerer Volkshalle und bei einem Ortsrundgang darum, Lösungen zu finden, wie künftig bei ähnlichen Unwetterlagen Schäden minimiert werden können. „Alleine in Weyer sind Verluste für die Kommune in Höhe von 170 000 Euro entstanden“, berichtete Bauausschussmitglied Peter Frickhöfer (SPD). Möglicherweise muss der Marktflecken Villmar auch Schadensersatz an die Schreinerei Höpp in Weyer zahlen, der nach Aussagen von Seniorchef Manfred Höpp Schäden in Höhe von an die 70 000 Euro entstanden. Höpp hat nach eigenen Aussagen die Gemeinde auf Schadensersatz verklagt, weil er ihr fahrlässiges Verhalten vorwirft. Denn mehrfach will die Familie Höpp noch vor dem Schadensereignis darauf hingewiesen haben, dass Wasserabläufe der Gemeinde nicht gesäubert gewesen seien. Durch die fehlende Beseitigung der Probleme durch den gemeindlichen Bauhof hätten die Wassermassen ungebremst auf sein Grundstück „schießen“ können, sagte Höpp. Vom Land habe er keine Entschädigung gesehen, weil er wegen vorhandener finanzieller Rücklagen nicht als Härtefall eingestuft worden sei.

Frickhöfer berichtete, dass es seit den 1950er Jahren kein so großes Starkregenereignis in Weyer mehr wie 2016 gegeben habe. Der SPD-Gemeindevertreter schlägt eine Aufkantung an der Weyerer Volkshalle vor, damit dort Wasser künftig nicht mehr in den Keller laufen kann. Mit Basaltblöcken sei, so das Ausschussmitglied, zwischenzeitlich schon der Hang am Weyerer Sportplatz gesichert worden, damit er nicht noch einmal abrutschen könne.

Frickhöfer ist aber nicht zufrieden, dass die Gemeinde im Wald nur einen Durchlass statt den drei vom SPD-Ortsbezirk geforderten errichtet habe. Die Sozialdemokraten fürchten, dass dieser alleine nicht ausreicht und künftig weiter Wasser bei ähnlichen Starkregenereignissen wieder Richtung Wohnbebauung laufen könnte. Die Veranstaltung solle, wie Frickhöfer betont, den Anstoß geben, dass die Gemeinde mehr für den Schutz der Bürger tut.

Der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Lukas Bauer erklärte, dass man schon im Voraus absehen könne, wann in der Region mit Starkregen zu rechnen sei. Das Problem sei aber, dass es nicht möglich sei, vorher zu erkennen, auf welchem Sektor genau das Wasser herunterkomme. 2016 seien in Weyer konzentriert bis zu 60 Liter Wasser pro Quadratmeter zu Boden gegangen. Was Material und Fahrzeuge angehe, seien die Villmarer Wehren aber gut auf dieses Ereignis in Weyer vorbereitet gewesen. Der bei 60 Zentimeter Wassertiefe noch nutzbare Gerätewagen Logistik habe sich bewährt. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Ortsteilwehren klappe in Villmar hervorragend, sagte Bauer. Glück habe die Einsatzleitung natürlich gehabt, dass das Problem an einem Wochenende aufgetaucht sei und somit mehr Aktive als an normalen Werktagen sofort hätten zur Verfügung stehen können. „Wir arbeiten gerade an einem neuen Hochwasserkonzept für Villmar“, verriet der stellvertretende Gemeindebrandinspektor.

Das bedeutet unter anderem, dass der Bauhof in Zukunft sogenannte Quickdämme und Sandsäcke zum Schutz der Grundstücke vor Wasser bereithalten solle. Frickhöfer fordert auch, dass Sandsäcke an gefährdeten Stellen deponiert werden sollen. Anwohner sollen dann einen Schlüssel für die Depots erhalten, um sich im Ernstfall schneller selbst helfen zu können.

Der SPD-Kommunalpolitiker regte außerdem Gully-Patenschaften an, über die Bürger in Zukunft selbst dafür sorgen sollen, dass Gullys sauber bleiben und Wasser wie gewünscht abfließen kann. Aus Peter Frickhöfers Sicht muss die Gemeinde in Zukunft viel mehr dafür tun, dass Abläufe optimiert und sauber gehalten werden.

Das sei 2016 ein Problem gewesen, dass eine Menge an Abläufen zugewachsen gewesen sei. Auch Bauer weiß, dass Weyer durch seine Kessellage neben den an der Lahn liegenden Ortsteilen besonders anfällig für Wasserschäden ist. Vor zwei Jahren hätten im Dorf 40 Keller ausgepumpt werden müssen.

Katharina Hark, Sachbearbeiterin der Gemeinde Wachtberg bei Bonn, berichtete, dass es in ihrer Kommune seit 2010 drei solcher Starkregenereignisse gegeben habe. Die Folge sei gewesen, den beiden Gewässern im Ort mehr Platz zur Ausdehnung zu schaffen.

Ein Fachbüro habe durch eine Computersimulation zudem weitere Wasserablaufschwachstellen im Ort entdecken können, erläuterte Hark. Dadurch hätten an den nötigen Stellen zusätzliche Kanäle zur Optimierung der Schadensprävention gelegt werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare