+
Georg Behlau (rechts) bleibt beim DFB an der Seite von Oliver Bierhoff. Das Foto zeigt beide im WM-Trainingslager im Juni in Südtirol. Nachdem der DFB seine Zentralverwaltung zu Jahresbeginn in vier Organisationseinheiten neu strukturiert hat, ist Bierhoff als einer der vier geschäftsführenden Direktoren für die Nationalmannschaften und die Fußballentwicklung verantwortlich. Behlau, bis dahin langjähriger Büroleiter der Nationalmannschaft, ist in diesem Zug zum Managementleiter für alle Nationalteams befördert worden.

DFB entlastet Managementleiter

Georg Behlau tritt als VfR-Chef zurück

  • schließen

Der VfR 07 Limburg muss schon wieder einen neuen Vorsitzenden suchen: Georg Behlau hat sein Amt gestern Abend mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Anlass sind die internen Ermittlungen des DFB, die nun abgeschlossen worden sind – positiv für ihn.

Einen Posten darf Georg Behlau behalten, einen gibt er freiwillig ab. Die gute Nachricht für den 49-Jährigen: Die monatelangen Ermittlungen wegen angeblicher Compliance-Vergehen haben ihn entlastet. Die Prüfer stellten kein gravierendes Fehlverhalten, sondern lediglich drei Meldeverstöße fest. Der Limburger bleibt in Ehren und Würden Managementleiter der Nationalmannschaften des Deutschen Fußball Bundes (DFB), der Vorgang ist abgeschlossen.

Die schlechte Nachricht für den VfR 07: Behlau tritt mit sofortiger Wirkung als Vorsitzender zurück. Seine Entscheidung gab er gestern Abend in einer Vorstandssitzung bekannt. „Ich habe in den vergangenen Monaten erkennen müssen, dass sich meine berufliche Tätigkeit und mein ehrenamtliches Engagement für den Verein kaum mehr vereinen lassen“, sagte er nachher dieser Zeitung.

Dieser Schritt sei ihm nicht leicht gefallen, da er seine ehrenamtlichen Ämter stets aus voller Überzeugung und mit großer Freude ausgeübt habe. „Ich werde diesem stolzen Traditionsverein als aktives Mitglied erhalten bleiben und wünsche dem Vorstand für die weitere Arbeit alles Gute und viel Erfolg“, sagte Behlau.

Dabei hätte er mit einem guten Gewissen weitermachen können, doch die Angriffe in den vergangenen Monaten haben tiefe Spuren bei ihm hinterlassen. Georg Behlau wollte auf Nachfrage nicht darauf eingehen. „Ich will möglichen Interessenkonflikten künftig aus dem Weg gehen“, sagte er.

Es war starker Tobak, den die „Bild“-Zeitung und andere große Medien gegen ihn verbreiteten.

Schwere Vorwürfe

, die Untreue und Korruption suggerierten, zumindest zwielichtige Geschäfte. Der langjährige Büroleiter der Nationalmannschaften des DFB soll seine Position genutzt haben, um „seinem“ Limburger Fußballverein Vorteile zu verschaffen.

Vorausgegangen war Behlaus unrühmlicher Auftritt nach dem 2:1-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Schweden bei der Weltmeisterschaft in Russland. Der 49-Jährige machte als „Jubel-Rüpel“ Schlagzeilen, die Bilder von ihm und einem weiteren Funktionär gingen um die Welt. Der DFB entschuldigte sich beim Gegner und „rüffelte“ seinen hochrangigen Mitarbeiter, aber wenige Tage später ging für Behlau der Ärger erst richtig los. Zunächst konzentrierten die Anschuldigungen sich auf drei Punkte:

  DFB-„Rasenpapst“ Rainer Ernst hat in Limburg auf sein Honorar für den Kunstrasen in Höhe von 27 000 Euro verzichtet und dem Verein das Geld gespendet. Er wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

  Das DFB-Reisebüro ist Premiumsponsor des VfR 07 und zahlte seit 2010 mehr als 10 000 Euro.

  DFB-Koffer-Sponsor Rimowa spendierte der Jugendabteilung der Fußballer 15 hochwertige Koffer.

Danach schob die „Bild“ weitere vermeintliche Skandale nach, überwiegend abstruse Geschichten.

Der DFB setzte interne Ermittlungen in Gang und – wenn schon, denn schon – beauftragte damit Deutschlands renommiertesten „Korruptionsjäger“ und Compliance-Experten („Compliance“ steht für Regeltreue bei Unternehmen, die Red.). Der langjährige Staatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner führte das Verfahren in Zusammenarbeit mit der internen Revision des DFB unter Mitwirkung von Behlau. Das Ergebnis nach fast vier Monaten: Der Berg kreißte und gebar eine Maus.

Ein Mitarbeiter des DFB zitierte auf Anfrage dieser Zeitung aus dem Abschlussbericht: 17 Sachverhalte wurden genau unter die Lupe genommen. In 14 Fällen stellten die Prüfer kein compliance-relevantes Fehlverhalten fest. In drei Fällen hätte Behlau dem DFB die Sachverhalte mitteilen und damit offenlegen müssen. Dabei habe die Gefahr eines Interessenkonfliktes zwischen dem Ehrenamt als Vorstandsmitglied des VfR 07 Limburg und seiner Funktion beim DFB bestanden.

Sie betreffen die eingangs erwähnten Punkte (Kunstrasen, Reisebüro und Koffer). Die anderen Vorwürfe waren schnell vom Tisch. Tatsächliche und angebliche Vorteile für den Verein standen in keinem Zusammenhang mit irgendwelchen „Gegenleistungen“ Behlaus. Noch wichtiger für ihn: Dass er sich persönlich bereichert haben könnte, stand außer Frage. Er hat auch nichts verheimlicht. Das Entgegenkommen von Ernst wurde öffentlich gewürdigt, die Werbetafeln des Reisebüros kann jeder auf dem Stephanshügel sehen.

Der DFB hat den Abschlussbericht einem externen Fachanwalt zur arbeitsrechtlichen Bewertung vorgelegt. „Auf Basis seiner Empfehlung wurde eine angemessene personalrechtliche Einordnung vorgenommen und umgesetzt“, sagte der Vertreter der Pressestelle. Im Klartext: Behlau hat eine Abmahnung bekommen.

DFB-Generalsekretär Dr. Friedrich Curtius hat die Mitarbeiter inzwischen schriftlich darüber informiert, dass der Vorgang abgeschlossen ist. Er nehme den Sachverhalt zum Anlass, „noch einmal auf die einschlägigen Regelungen unserer Compliance-Bestimmungen hinzuweisen“. Zudem werde der Verband in den kommenden Wochen mit der Schulung beginnen, um das Verständnis und die Anwendung der Regeln zu erleichtern.

Wie es beim VfR 07 weitergeht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Georg Behlau war zehn Jahre lang Zweiter Vorsitzender und im März zum Vorsitzenden gewählt worden, weil in relativ kurzer Zeit zwei Vorgänger aufgehört hatten. Die sechs weiteren geschäftsführenden Vorstände wollen dem Vernehmen nach weitermachen. Der rund 600 Mitglieder starke Verein hat 21 Mannschaften angemeldet, davon 14 Nachwuchsteams.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare