Mit den großen Mähdreschern wird derzeit auch auf den heimischen Feldern des Getreide geerntet.
+
Mit den großen Mähdreschern wird derzeit auch auf den heimischen Feldern des Getreide geerntet.

Mähdrescher sind wieder unterwegs

Getreideernte: Bauern vorsichtig optimistisch

  • Tobias Ketter
    VonTobias Ketter
    schließen

Landwirte im Landkreis Limburg-Weilburg wünschen sich mehr Verständnis von der Bevölkerung

Limburg-Weilburg -Die Getreideernte hat begonnen. Im Landkreis Limburg-Weilburg sind derzeit viele Landwirte auf ihren Feldern zugange und auf den Straßen sind vermehrt der großen Maschinen der Bauern zu sehen. Doch wie läuft so eine Ernte ab und wie sind die Prognosen für das Jahr 2021? Marco Hepp, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Limburg-Weilburg, und Jürgen Engel, Ackerbauer aus dem Weilburger Stadtteil Hirschhausen, klären auf.

"Grundsätzlich wird eine normale Ernte erwartet, was eine zumindest ertragliche Verbesserung im Vergleich zu den vergangenen Trockenjahren bedeutet", sagt Hepp. Allerdings gebe es sowohl regional als auch zwischen den verschiedenen Kulturen große Unterschiede. Aktuell werde die Wintergerste gedroschen. Dabei zeichne sich eine durchschnittliche Ernte ab. "Die große Hitze vor einigen Wochen hat bei der Wintergerste wohl Ertrag und Qualität gekostet. Die Körner konnten sich nicht so stark ausbilden und sind daher eher klein", so der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.

Jürgen Engel erntet seit vergangenem Mittwoch die Wintergerste. Er habe dabei bislang "gute Werte" feststellen können. Auch in den vergangenen drei Jahren sei die Qualität seines Getreides trotz der Hitze gut gewesen. In den kommenden Wochen folgen die Ernten von Winterraps, Weizen, Sommergerste und Hafer. "Da es im Frühjahr genügend Niederschlag gegeben hat, gehe ich derzeit insgesamt von einer leicht überdurchschnittlichen Ernte aus", sagt der 55-Jährige, dem rund 145 Hektar Feldfläche gehören.

Ob die Ernte aber letztlich wirklich ein Erfolg wird, hänge auch von der Witterung in den kommenden Wochen ab. "Eine stabile Wetterlage ist wichtig", so Engel, der auch Kreislandwirt und Stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes ist. Er erntet von Mitte Juli bis Anfang September. Die Saison dauert also sechs bis acht Wochen. "In 2021 sind wir zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder im normalen Zeitplan, da es bislang nicht zu heiß war", erklärt Engel.

Raps teilweise

durch Mais ersetzt

"Die Rapsernte dürfte im Landkreis höchstens durchschnittlich ausfallen", so Hepp. Besonders der schlechte Feldaufgang (Verhältnis der jungen Nutzpflanzen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt die Ackerkrume durchstoßen haben, zur Gesamtzahl der ausgesäten Samen) durch den trockenen Herbst und mangelnder Beizschutz gegen Schädlingsbefall im Frühjahr fielen dabei ins Gewicht. Bereits vor einigen Monaten habe man Rapsbestände umbrechen und durch Mais ersetzt müssen.

Beim Weizen bestehe laut Hepp durchaus die Hoffnung auf eine gute Ernte. Derzeit sei aber noch nicht klar, wie hoch der Eiweißgehalt und die Eiweißqualität des Getreides wirklich ist. "Gutes Erntewetter kann dabei schon viel helfen", sagt der Verbandsvorsitzende aus Dauborn. Das gleiche gelte auch für Roggen und Triticale. "Dort könnte aber ebenfalls eine normale Ernte ins Haus stehen."

Die Entwicklungen des Hafer und der Sommergerste lassen den Angaben von Hepp zufolge auf eine überdurchschnittliche Ernte hoffen. Allerdings habe das Getreide lokal unter Unwettern gelitten. "Wir hoffen, dass wir keine starken Gewitter und Regenfälle mehr abbekommen, sind uns aber mit Blick auf die Hochwassergebiete bewusst, dass wir uns nicht über unser Wetter beschweren dürfen", sagt der Dauborner. Jürgen Engel sieht das ähnlich: "Das Hochwasser hätte auch uns treffen können und ein kompletter Ernteausfall würde zu einer existenzbedrohenden Situation führen", sagt er.

Bei allen Getreidearten könnte es 2021 möglicherweise etwas an Qualität mangeln. "Durch eine immer stärker gesetzlich regulierte Düngung wird es zunehmend schwieriger, die geforderte Qualität zu erzeugen", ist sich Hepp sicher. Engel hat auf seinen Feldern derzeit Probleme mit wildwachsenden Gräsern. Eben wegen diesen Pflanzen sei es notwendig, dass an den Feldrändern gemulcht werde, erklärt er.

Auf Höfen fehlt

oft Personal

Der Bauer aus Hirschhausen erntet ein Großteil des Getreides selbst ab. Einzig zwei Saisonarbeitskräfte aus dem Heimatdorf des 55-Jährigen helfen mit. Es fehle auch auf anderen Höfen oft an Personal. Der Enthusiasmus für die Landwirtschaft sei schlichtweg nicht mehr so groß wie früher. "Meine Frau kümmert sich um die Qualitätsmessungen und die Logistik", sagt der Landwirt.

An Erntetagen geht sein Blick immer zuerst gen Himmel. "Ist das Wetter gut, mache ich den Mähdrescher bereit und überprüfe die Feuchtigkeit auf den Feldern." Denn nur bei trockenen Bedingungen könne geerntet werden. Ab den Mittagsstunden wird dann gedroschen und bis zum Anbruch der Dunkelheit weitergearbeitet. "Ein Teil der Ernte lagern wir in Silos ein und der andere Teil wird direkt zu unseren Händlern gebracht", berichtet Engel.

Er ergänzt, dass sich der Getreidepreis momentan auf einem "erfreulich stabilen und hohen Niveau" halte. Besonders der finanzielle Umsatz beim Raps sei so hoch wie seit Jahren nicht. "Allerdings sind auch die Kosten für Öl, Diesel und die Silo-Folie deutlich angestiegen", sagt der Bauer. Kollege Marco Hepp hat einen Rückgang der Getreidepreise festgestellt. "Waren die Preise vor wenigen Wochen noch auf Rekordniveau, ist mit Beginn der Ernte ein deutlicher Preisrückgang von teilweise über 20 Prozent einhergegangen."

Hepp und Engel betonen übereinstimmend, dass die Bevölkerung in den nächsten Wochen etwas mehr Verständnis für die Landwirtschaft haben sollte. "Die termingerechte Ernte sichert Ertrag sowie Qualität und ist ein wesentlicher Baustein des Betriebserfolgs im Ackerbau. Daher können wir Landwirte hier keine Rücksicht auf Abendstunden oder Wochenenden nehmen", sagt Hepp. Eine termingerechte Ernte solle im Sinne aller Bürger sein. "Ich wünsche mir, dass den Menschen klar wird, dass wir eine gesellschaftlich wichtige Arbeit verrichten. Leider bin ich aber in der Vergangenheit schon wiederholt beschimpft worden, wenn ich mit meinen Maschinen auf den Wegen unterwegs war", ergänzt Engel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare