Villmarer Ortsteil

Gewinn für Aumenau

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Die Dorferneuerung in Aumenau geht in den Endspurt. Bis Ende September noch können private und öffentliche Sanierungsmaßnahmen gefördert werden. Doch schon jetzt fällt die Bilanz positiv aus, wie gestern bei der Besichtigung eines sanierten Wohnhauses in der Austraße deutlich geworden ist.

Ein richtiges Schmuckstück ist das vielen Aumenauern bekannte Haus Kramer in der Austraße geworden, das im vergangenen Jahr den Umweltpreis des Landkreises Limburg-Weilburg gewonnen hat. Mächtige grüne Fensterklappläden zieren die Fassade, am Eingang ist ein schöner Vorbau entstanden, der Außenputz wurde ausgebessert und gestrichen, die historischen Fenster wurden entglast und komplett aufgearbeitet, berichtete Hauseigentümer Dr. Franz Schulz gestern bei einer Ortsbesichtigung des Arbeitskreises Dorferneuerung mit Bürgermeister Arnold-Richard Lenz (SPD), dem Architekten Stephan Dreier und Mitarbeitern des Amtes für den Ländlichen Raum in Hadamar.

Vor allem aber die „inneren Werte“ des 1930 erbauten Hauses haben es in sich: Die Wände wurden innen mit einer speziellen Schilfrohr-Isolierung gedämmt und mit Lehm verputzt, die alten Dielenböden wurden mit Leinölfarbe frisch gestrichen, ebenso die historischen Holztreppen. Von innen wurden isolierverglaste Sprossenfenster mit Profilen aus heimischer Eiche gesetzt. Außerdem wurden Heizung, Sanitäranlagen und Elektro erneuert, berichtete Schulz. Dass eine solche ökologische und historisierende Sanierung ihren Preis hat, versteht sich von alleine. Doch immerhin gab es eine ordentliche finanzielle Unterstützung von 30 000 Euro aus dem Dorferneuerungsprogramm des Landes.

Bürgermeister Lenz sprach denn auch von einem Musterbeispiel für die im Jahr 2008 begonnene Dorferneuerung in Aumenau, die im September dieses Jahres ausläuft. Den Erfolg des Programms in dem Villmarer Ortsteil verdeutlichte Lenz mit einigen Zahlen. Es gab 84 städtebauliche Beratungen, auf die 32 konkrete Förderanträge von Privatleuten folgten. Die Förderanträge hatten ein Investitionsvolumen von gut 1,4 Millionen Euro, davon fast 1,3 Millionen Euro förderfähige Kosten. An Zuschüssen bewilligt wurden 353 000 Euro, von denen bereits 255 000 Euro ausgezahlt wurden.

Aber auch die öffentlichen Projekte können sich sehen lassen. In die Umgestaltung des Schulhofes und der Wiese wurden 48 000 Euro investiert (Zuschuss: 27 000 Euro), in die Umgestaltung des alten Friedhofs zum „Park der Erinnerung“ flossen inklusive Planung rund 90 000 Euro (Zuschüsse: 53 000 Euro). Noch nicht verwirklicht wurde das größte Projekt, das politisch nicht unumstrittene Kultur- und Sozialzentrum Aumenau, das bis spätestens Ende September durch alle gemeindlichen Gremien gegangen sein muss.

Lenz unterstrich auch die Bedeutung der Dorferneuerung für die heimische Wirtschaft: „Das ist investiertes Geld, das in der Region verbleibt“, sagte er mit Blick auf zahlreiche Aufträge für heimische Unternehmen. Dies bestätigte Hans-Joachim Egenolf vom Amt für den Ländlichen Raum: „Jeder Euro Zuschuss löst 5,60 Euro an Investitionen aus“, sagte er. Egenolf zeigte sich beeindruckt vom Erfolg der Dorferneuerung in dem Villmarer Ortsteil: „Sie hat in Aumenau sichtbar Spuren hinterlassen.“ Neben der Verbesserung der Bausubstanz sei aber auch das Engagement der Bürger ein bedeutendes Ziel der Dorferneuerung. Dies sei in Aumenau sicher erreicht worden, sagte Egenolf.

Zufrieden mit dem bisher Erreichten äußerte sich Reiner Bihrenbrodt, Vorsitzender des Arbeitskreises Dorferneuerung Aumenau, der in unzähligen Sitzungen die Gestaltung der Ortsgemeinde an der Lahn vorangetrieben hat. Bihrenbrodt unterstrich noch einmal die aus seiner Sicht bestehende Notwendigkeit für ein Kultur- und Sozialzentrum. Denn die Eichelberghalle als Sportstätte sei schlicht ungeeignet beispielsweise für Seniorentreffen, für die Jugendarbeit oder auch Spielenachmittage. Er appellierte an alle Gemeindevertreter, die dem Projekt noch skeptisch gegenüberstehen, ihre Haltung zu überdenken.

Auch über die Zukunft der Dorferneuerung wurde gestern bereits nachgedacht. Derzeit, so Bürgermeister Lenz, werden neben Aumenau auch Projekte in Seelbach, Falkenbach und Langhecke gefördert. Künftig sollen ganze Gemeinden im Rahmen des sogenannten IKEK-Projekts finanziell unterstützt werden. Die Gemeinde müsse sich überlegen, ob sie an diesem Programm des Landes teilnimmt, das allerdings zur Bedingung einen Verzicht auf Baugebiete hat, die in Konkurrenz zu den alten Dorfkernen stehen. Lenz sprach sich dafür aus, dass der ländliche Raum seine Chancen nutzen muss, um gegenüber den städtischen Ballungsgebieten konkurrenzfähig zu sein.

(goe)

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