Aktion zu Halloween

Großes Kürbisschnitzen beim Obst- und Gartenbauverein

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Halloween lockt, und elf Kinder aus Dehrn wappnen sich mit furchterregenden Kürbisfratzen. Die NNP schaute ihnen beim Kürbisschnitzen des Obst- und Gartenbauvereins über die Schulter.

Johanna ist vier und ist noch zu klein, um von Haus zu Haus zu ziehen und „Süßes“ einzufordern und „Saures“ anzudrohen. „Sie hat ja auch schon Kinderschokolade bekommen“, verrät ihre Mutter Nadine Leithold, die Johanna beim Kürbis-Bemalen hilft. „Aber das meiste hat sie alleine gemacht“, stellt sie klar.

Letztes Jahr gab es schon einmal, erstmalig, die Kürbis-Aktion des Obst- und Gartenbauvereins. Damals war Johanna noch zu jung und noch gar nicht im Verein. Jetzt hat sie aber beim Bemalen des ersten Kürbisses ihres Lebens der große Ehrgeiz gepackt. Die Augen und die Nase hat sie perfekt von alleine nach Voraufmalen auf der Schale hinbekommen. Nun braucht sie Hilfe beim Mund. Der wird dick und schwarz. Das freut Johanna. Sie will gar nicht mehr aufhören zu malen, obwohl Rita Langrock ihr sagt, dass andere Kinder auch noch die Farbe brauchen und sie zum Gruppenbild kommen soll. Wenn Johanna aufs Gruppenbild soll, dann will sie aber auch ihren gestalteten Kürbis präsentieren. „Der ist viel zu schwer für dich“, weiß Rita Langrock. Solch ein Koloss wiegt ihrer Aussage nach schon mal gerne fünf Kilo. Also kommt ein kleinerer Kürbis in die Hand, ihr eigener vor sie auf den Tisch. So hat Johanna zwar nicht ganz ihren Willen, aber einen Platz in der Samstagausgabe der Nassauischen Neuen Presse. Und hätten die Eltern nicht die Printversion der NNP, hätten sie beim Bemalen der Kürbisse auch nichts zum Unterlegen und würden dem Obst- und Gartenbauverein die schönen Tische versauen. Alles leisten kann das Internet eben doch nicht.

Die Kürbiskinder beschäftigt aber eher die Frage, Kürbisse bemalen oder doch besser schnitzen. Zunächst einmal muss der Kürbis mit dem Messer aufgeschnitten und mit einem großen Löffel ausgehöhlt werden. Dann spätestens muss die Entscheidung gefallen sein, was mit dem guten Stück passiert.

Der zehnjährigen Lena tut es ziemlich leid, dass sie den schönen Kürbis für ihr Kunstwerk zerstören muss. Sie will aber wie die meisten ihrer Mitstreiter schnitzen, weil ihr das mehr Spaß macht, vor allem mit den Freundinnen. Am Montagabend will sie mit diesen in Dehrn umherziehen. Gut, wenn man an der Marienschule ist und wegen Allerheiligen als einige von wenigen Hessen am Dienstag frei hat.

Leon macht das Schnitzen genauso viel Spaß, doch am Montag bleibt er lieber daheim. „Schon gar nicht verkleidet werde ich da rumlaufen“, sagt er: „Das ist wegen den Gruselclowns gefährlich.“ Sein Bruder Michel hat Halloween 2015 noch nicht erlebt. Er ist erst vier Monate alt. Er sieht nicht so aus, als hätte er Angst vor doofen Clownsgesichtern. Er guckt einfach gelangweilt. Alleine im Kinderwagen sitzen, das will er nicht. Gut, dass es die Oma Elsmarie Schmidt gibt. Nun ist er mit am Tisch und kann Bruder Leon und seiner Cousine Johanna zusehen. Er soll schon demnächst im Obst- und Gartenbauverein angemeldet werden. Michel schaut wild entschlossen drein. Er wird die nächsten Jahre viele Kürbisse bemalen und die Zukunft des Vereins sichern. Ganz bestimmt.

Die Iren haben den Halloweenbrauch als Auswanderer in die USA mitgebracht. Von dort schwappte dieser irgendwann nach Europa zurück und auch nach Dehrn weiter. Und wie das in der Natur oft so ist, verdrängen dominante fremde oft die heimischen „Arten“. „Wo sind all die glühnischen Männer hin, wann verlor das große Ziel den Sinn?“, könnte man sehr frei nach Pur trällern. Rita Langrock, Vorsitzende des Dehrner Obst- und Gartenbauvereins, sieht die Sache nüchterner: „Wo kriegt man denn heute noch Rüben her?“.

Die Kürbisse hat sie selbst gezüchtet. Es gibt extra eine Kürbisart als Samen, die für Halloween-Kürbisse optimal erscheint. Sie ist leicht auszuhöhlen und größer als der normale Kürbis. Man muss es den Kindern ja auch nicht zu schwer machen, um sich für den Verein zu begeistern.

Trotzdem machen nicht alle Dehrner Kinder mit. Beim Obst- und Gartenbauverein sind es diesmal elf junge Teilnehmer, die sich auf dem Vereinsgelände des Obst- und Gartenbauvereins ans Aushöhlen der Kürbisse machen. „Es wären mehr gewesen“, weiß Vorsitzende Rita Langrock, „aber es sind noch Ferien, und man kann es da eben terminlich nicht allen recht machen“. Es wurde eh schon höchste Eisenbahn, dass die Kürbisse fertig werden. In der Nacht von Montag auf Dienstag werden furchteinflößende Gesichter möglichst noch mit einer Kerze beleuchtet gebraucht, um mit ihnen von Haus zu Haus zu ziehen und mit hohem schauspielerischen Talent Süßes oder Saures zu fordern.

(rok)

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