Gutachten gegen Mast

Mit einem Gegengutachten macht der Arbeitskreis Limburg-Weilburg der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) Druck gegen die Genehmigung eines Windmessmastes in Seelbach.

Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), Arbeitskreis Limburg-Weilburg, hat der Hessischen Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) ein Fachgutachten des Vogelkundlers Prof. Martin Kraft von der Philipps-Universität Marburg zum geplanten Seelbacher Windmessmast überreicht. Darin, so der Arbeitskreisvorsitzende Dieter Stahl, werde der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises Limburg-Weilburg eine fehlerhafte Genehmigung bescheinigt. Das vom Antragsteller vorgelegte avifaunistische Gutachten weise erhebliche Qualitätsmängel auf, berichtet Stahl. Die HGON und auch die Bürgerinitiative Wind-Wahn Villmar/Runkel sehen sich daher in ihrem Verdacht bestätigt, dass bei der Genehmigung des Mastes „sachfremde Erwägungen“ im Spiel waren.

Wie von dieser Zeitung berichtet, wurde der Windmessmast von der Kreisverwaltung genehmigt, obwohl sich der Messpunkt aller Voraussicht nach außerhalb der künftigen Windvorrangflächen des Teilregionalplans Energie Mittelhessen befindet. Auch hatte sich die Behörde über Bedenken des Kreisvogelschutzbeauftragten hinweggesetzt.

Wegen der Grundsätzlichkeit des Vorgangs, so Stahl, bittet die HGON die Ministerin, darauf hinzuwirken, „dass die nun offensichtlich fehlerhafte Genehmigung der UNB Limburg“ für den Windmast in Seelbach zurückgenommen wird. Gleichzeitig verwies der Arbeitskreis der HGON auch auf die noch anhängige Fachaufsichtsbeschwerde der Bürgerinitiative Wind-Wahn Villmar/Runkel in gleicher Angelegenheit.

Die Naturschützer sehen die öffentliche Glaubwürdigkeit der Limburger Naturschutzbehörde gefährdet. Denn die UNB hätte schon aufgrund der „Entstehungsgeschichte“ ihrer Genehmigung zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen müssen, dass es sich bei dem vom Investor eingereichten Gutachten um kein fachlich vertrauenswürdiges Papier handele, so Stahl. Deshalb hätte es keinesfalls als Genehmigungsgrundlage für den Windmessmast dienen können. Stahl sieht deshalb den begründeten Anfangsverdacht von „sachfremden Erwägungen“ für gegeben.

Der Arbeitskreisvorsitzende begründete seinen Verdacht damit, dass der Gutachter drei Anläufe benötigt habe, um seine Einschätzung für die Genehmigung „passend“ zu machen. Das erste avifaunistische Gutachten habe überhaupt keinen Schwarzstorch beinhaltet, obwohl das Vorkommen dem Gutachter bekannt gewesen sein muss. Ein zweites Gutachten habe keine Flugbewegungen des Schwarzstorches berücksichtigt. Spätestens das hätte nach Auffassung der HGON die Untere Naturschutzbehörde an der Beurteilungsgrundlage des Gutachtens zweifeln lassen müssen.

Durch das nun von der HGON vorgelegte Gegengutachten sehen die Naturschützer fachliche Beweise dafür, dass die Entscheidung der UNB auf einer falschen Grundlage getroffen wurde. Dies betreffe aber nicht nur den Schwarzstorch, sondern eine große Zahl von entscheidungsrelevanten geschützten Arten. goe

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