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Gutachten über Hygiene-Mängel in Sterilisationsabteilung angefordert

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Von: Stefan Dickmann

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Die Geschäftsführung des Limburger Krankenhauses hat ihre offizielle Haltung zum Gutachten eines Krankenhaushygienikers geändert: Statt das Gutachten zu ignorieren, ist das Gutachten nun angefordert worden. Das teilte auf Anfrage dieser Zeitung das Krankenhaus mit.

Nun also doch: Erst interessierte sich der Geschäftsführer des Limburger Krankenhauses, Guido Wernert, bewusst nicht für das Gutachten des Krankenhaushygienikers Professor Dr. Hans-Martin Seipp. Dann gab es ein Gespräch mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden Erwin Reuhl. Inzwischen hat Wernert das Gutachten angefordert, bestätigte das Krankenhaus am gestrigen Freitag auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir wollen wissen, was da drin steht“, sagte Reuhl, der selbst Geschäftsführer einer Klinik war. Der Verwaltungsrat will über das Thema in seiner Sitzung in der nächsten Woche reden, teilte Reuhl weiter mit.

Wernert hatte es zuvor abgelehnt, sich mit diesem Gutachten zu beschäftigen, mit der Begründung, das Limburger Krankenhaus sei nicht Teil eines Gerichtsverfahrens in Idstein, in dem das Gutachten eine Rolle spielt.

„Vergeblich“ versucht

Rückblick: Im Jahr 2011 wird eine Frau im Krankenhaus Idstein an der Gallenblase operiert. Nach der OP werden bei ihr multiresistente Krankenhauskeime entdeckt, gegen die viele Antibiotika machtlos sind. Zu dieser Zeit bezieht das Krankenhaus Idstein auch OP-Besteck, das in der zentralen Sterilisationsabteilung des St.-Vincenz-Krankenhauses Limburg aufbereitet, also steril gemacht wird. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden wirft zwei Ärzten in Idstein vor, keine Kontrollmechanismen eingeführt zu haben, um sicherzustellen, dass das verwendete OP-Besteck in einwandfreiem Zustand ist.

Dass es dieses Gutachten gibt, war der Geschäftsführung des Limburger Krankenhauses bekannt. Im Oktober 2015 tauchte Gutachter Seipp in Begleitung der Polizei in der zentralen Sterilisationsabteilung auf. Im März 2016 lag das Gutachten der Staatsanwaltschaft Wiesbaden vor. Es hatte zwar für das noch nicht abgeschlossene Verfahren in Idstein strafrechtlich keine Bedeutung (die Anklage ist erhoben), wurde aber an das Regierungspräsidium Gießen als Aufsichtsbehörde weitergeleitet. Im Mai 2016 entdeckten Vertreter des RP Gießen, des RP Kassel und des Limburger Gesundheitsamts fünf Mängel in der Abteilung. Die Mängelliste im Seipp-Gutachten soll deutlich länger sein, wie der Weilburger Rechtsanwalt Dr. Burkhard Kirchhoff sagt, dem das Gutachten persönlich vorliegt; er vertritt die Frau, die in Idstein operiert wurde.

Zwischen dem Anwalt und dem Krankenhaus gab es wegen des Gutachtens einen Schriftwechsel mit der Geschäftsführung, in dem Kirchhoff nach eigenen Angaben „vergeblich“ versucht hat, „konkrete Antworten zu den sehr erstaunlichen Ausführungen des Gutachtens Seipp“ zu bekommen.

Auch Verwaltungsratsmitglied Dr. Marius Hahn (SPD), Limburgs Bürgermeister, sieht Aufklärungsbedarf zum Seipp-Gutachten. Über diese Vorgänge habe er aus dieser Zeitung erfahren. Hahn „will das in der nächsten Sitzung jedoch zum Thema machen“, teilte der Sprecher der Stadt, Johannes Laubach, mit. Verwaltungsratsmitglied Dekan Manfred Pollex verweist auf die Kontrollfunktion dieses Gremiums. „Wir werden uns mit den Fakten auseinandersetzen und dazu Geschäftsführer Guido Wernert befragen.“

Gutachter Seipp soll auch die Protokolle aus früheren Jahren überprüft haben; danach soll nach einer Kontrolle durch einen externen Hygieniker im Jahr 2012 zeitweise eine Schließung der zentralen Sterilisationsabteilung im Gespräch gewesen sein. In einem Pressegespräch mit dieser Zeitung hatte Wernert gesagt, er wisse davon nichts; er ist seit Anfang 2013 Geschäftsführer.

Zu diesem Zeitpunkt stellte noch das Krankenhaus die Leitung der Abteilung. Als der Abteilungsleiter kündigte, setzte sich Geschäftsführer Wernert nach eigenen Angaben dafür ein, mit einer externen Fachfirma zusammenzuarbeiten.

Das Unternehmen Orgamed übernahm Ende 2013, Anfang 2014 das Management der Abteilung der zentralen Sterilisation in Krankenhaus und stellte zunächst den Abteilungsleiter; später übernahm die Firma auch die stellvertretende Leitung.

Trotzdem entdeckten offenbar sowohl Krankenhaushygieniker Seipp im Oktober 2015 als auch die Kontrolleure des RP Gießen im Mai 2016 Hygienemängel in dieser Abteilung.

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