Eine Petition soll die Schließung des Musischen Internats in Hadamar verhindern. 
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Eine Petition soll die Schließung des Musischen Internats in Hadamar verhindern. 

Domsingknaben Hadamar 

Petition soll Musisches Internat retten

Das Musische Internat in Hadamar soll geschlossen und der Sitz der  Domsingknaben nach Limburg verlegt werden. Dagegen regt sich Widerstand. Eine Petition findet binnen kürzester Zeit hunderte Unterstützer. 

Limburg - Gibt es noch Hoffnung, dass das Musische Internat in Hadamar bleibt, oder müssen die Sänger demnächst ihren eigenen Abgesang anstimmen? Fest steht, die Schar der Kämpfer für den Erhalt dieser besonderen Einrichtung und gegen die Entscheidung des Domkapitels, die Institution zu schließen, wächst.

Am vergangenen Sonntag startete Christof Bühler, der seinen Sohn durch dessen 14-jährige Karriere als Domsingknabe begleitet hat, eine Petition im Internet. Das Musische Internat zu schließen und den Sitz der Domsingknaben nach Limburg zu verlegen, ist "die schlechteste Lösung", sagt er. Besser wäre es aus seiner Sicht, die gesamten kirchenmusikalischen Aktivitäten von Limburg nach Hadamar zu verlagern. 

Bleibt es bei der jetzigen Planung, dann werden die Domsingknaben "in die Bedeutungslosigkeit abrutschen". Das will Bühler mit seiner Petition verhindern. Tatsächlich sprachen sich innerhalb von 24 Stunden bereits 350 für den Erhalt des Internats aus. Zudem habe er inzwischen Kontakt zu den Regensburger Domspatzen sowie zum Kreuzchor aus Dresden aufgenommen und um Unterstützung gebeten, sagt Bühler. Auch mit Sängerkollegen aus Rottweil, der Geburtsstadt des ehemaligen Domkantors Klaus Knubben, sei man im Gespräch, sagt Bühler. Er ist sich sicher: "Klaus Knubben hätte diese Entwicklung nicht gewollt".

Auch Julian Prégardien, ehemaliger Domsingknabe und international renommierter Sänger, unterstützt Bühlers Aufruf an das Domkapitel, die Entscheidung zu revidieren. Er sei dankbar, "neben der familiären Prägung auch eine unschätzbar wertvolle musikalische und multikulturelle und insgesamt menschliche Bildung in den Reihen der Limburger Domsingknaben" erlebt zu haben, schreibt er auf Facebook. Die aktuelle Entscheidung sei eine Katastrophe, sagt auch Bernhard Pietsch, Fraktionssprecher der CDU im Stadtparlament. Immerhin seien die Domsingknaben in der Stadt tief verwurzelt. "Kulturell gesehen ist die Entscheidung ein großer Verlust". Wenn die Domsingknaben in Limburg sind, "nutzen sie uns nichts". Er werde sich jedenfalls dafür einsetzen, dass das Ensemble auch weiterhin in Hadamar bleibt.

Das will auch Renate Kreis, Sprecherin der SPD-Fraktion: "Jede Institution, die Hadamar verlässt, mindert die Attraktivität der Stadt." Zudem gehe es auch um Arbeitsplätze, die verloren gehen. Dennoch müsse man realistisch bleiben, sagt Kreis. Nach ihrer Erfahrung sei es wenig wahrscheinlich, dass eine vom Domkapitel getroffene Entscheidung revidiert werde. "Ich befürchte, wir sitzen da am kürzeren Hebel."

Limburg “stöhnt schon jetzt unter Verkehrsbelastung“ 

Ebenfalls zurückhaltend äußert sich Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). Ja, die Stadt wolle die Domsingknaben am Ort halten, "aber man muss ehrlich sein". Hadamars finanzielle Möglichkeiten seien begrenzt. Andererseits habe die Stadt die Planungshoheit, wenn es um die künftige Entwicklung des 24 000 Quadratmeter großen Areals geht, auf dem das denkmalgeschützte Gebäude steht. Sollte das Domkapitel oder ein anderer Eigentümer hier eine neue Nutzung anstreben oder einen Bebauungsplan konzipieren, muss der von der Stadt genehmigt werden. Insofern sei die Verwaltung durchaus in die Zukunftspläne der Immobilie involviert.

Hans Reichwein von der Bürgerinitiative "Wir für Hadamar" nennt einen weiteren Aspekt: "Schon jetzt stöhnt Limburg unter der Verkehrsbelastung - und dann soll noch mehr Verkehr in die Stadt geleitet werden?" Für ihn ist das "blanker Unsinn".  Anken Bohnhorst

Das Domkapitel in Limburg macht im Fall der Domsingknaben so ziemlich alles falsch, findet Kommentator Joachim Heidersdorf.

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