Blitzgerät

Achtung! Der Blitzer ist bereit

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Drei Stunden stand Peter Heuser vom Ordnungsamt mit seinem mobilen Blitzgerät gestern in Niederhadamar. Rund 40 mal klickte das Messsystem während der ersten Stunde. Verglichen mit den Werten des Vorjahres ist die Tendenz rückläufig. Immerhin, sagt Heuser, der Einsatz wirke.

Etwa einen Meter hoch, 60 Zentimeter breit und ebenso tief ist der beigefarbene Kasten auf dem Gehsteig beim Feuerwehrhaus in Niederhadamar. Bei flüchtigem Hinschauen könnte man das Gerät für einen Elektrokasten halten, oder vielleicht für eine Zeitungsbox. Aber weit gefehlt. Dieser Kasten auf dem Gehsteig beim Feuerwehrhaus schießt immer wieder rote Blitze ab. Es ist ein mobiles System zur Geschwindigkeitsmessung von Fahrzeugen, wie Peter Wilhelmy, Leiter des Ordnungsamts in der Fürstenstadt, berichtet. Immer mal wieder steht das Gerät an verschiedenen Stellen der Stadt.

„Der Einsatz erfolgt turnusmäßig, ist aber stark von der Personalverfügbarkeit abhängig“, teilt der Mann vom Ordnungsamt mit. Drei Stunden ist Wilhelmys Mitarbeiter Peter Heuser an diesem Vormittag auf seinem Blitzerposten, sitzt in seinem Auto und beobachtet den Verkehr über ein Display. Er kann mitlesen, wie schnell die Fahrzeuge durch Niederhadamar unterwegs sind und ob es blitzt.

Die Bilanz ist tageszeitabhängig: „Viel Verkehr ist langsamer Verkehr“, sagt er. Mit anderen Worten: Zu schnell gefahren wird weniger während der Stoßzeiten, etwa im Berufsverkehr oder zu Schulbeginn, weil dann die Straßen unter Umständen verstopft sind. Zu viel Gas gegeben wird vor allem davor und danach. Etwa von dem Mann, der verschlafen hat und schleunigst zur Arbeit will, von der Mutter, die ihr Kind rasch zum Kindergarten chauffiert, oder von Handwerkern, die eigentlich immer unter Zeitdruck stehen. „Das ist mein Klientel“, berichtet Heuser.

Das sind die Fahrer, die schon mal mit 50 Kilometer pro Stunde durch eine 30er-Zone brausen und dafür ein Verwarngeld kassieren. Wirkliche Raser, so wie jener Mann, der vor ein paar Wochen mit mehr als 100 Stundenkilometern an der Stadthalle vorbeiflog, sind selten. Alles in allem könne man sagen: „Blitzen wirkt“, formuliert es der Mitarbeiter des Ordnungsamt. „Im vergangenen Jahr hat es an Spitzentagen in drei Stunden 130 mal geblitzt.“ Und das bei insgesamt rund 680 Fahrzeugen, die die Anlage passierten. An diesem Vormittag hat das Radar-Messsystem während der ersten 60 Minuten nur 37 mal ausgelöst. „Die Leute lernen dazu, und das ist doch eine gute Nachricht“, sagt Heuser. Oder wenigstens eine gute Tendenz.

Seit 20 Jahren stellt Heuser mobile Blitzer auf, kontrolliert die Aufzeichnungen und wertet die Ergebnisse aus. „Möglichst zeitnah“, sagt er, weil der Fahrer sich dann noch gut an den roten Blitz erinnere, wenn er Post vom Ordnungsamt bekommt. Der Lerneffekt sei besser. Wobei, räumt Peter Heuser ein, es selbstverständlich auch unverbesserliche Autofahrer gebe. Zum Beispiel die, die unmittelbar nach dem Blitz anhalten, aussteigen, lospoltern und drohen – mit dem Rechtsanwalt, der eingeschaltet werde oder mit der Presse, die unbedingt über die „Wegelagerer“ berichten wolle.

Beschimpfungen atme er weg, sagt Peter Heuser. Ebenso die Forderungen einiger Bürger nach persönlichen Verkehrssicherungsmaßnahmen in ihrem Wohngebiet. Da rufe dann jemand an, weil er findet, in seiner Straße werde zu schnell gefahren, erzählt Heuser. „Wenn es sich einrichten lässt, komme man diesen Anfragen schon nach“, sagt Ordnungsamtsleiter Wilhelmy. Grundsätzlich entscheidend für den Standort des Blitzers seien aber keine persönlichen, sondern objektive Kriterien: „Handelt es sich um einen Unfallschwerpunkt, dient es der Schulwegsicherung oder ist die Einmündung oder Kreuzung besonders unübersichtlich?“

Interessant sei immer wieder der Unterschied zwischen gefühltem und tatsächlichem Tempo, sagt Peter Heuser. Man könne sich nicht vorstellen, wie viele „lebende Messgeräte wir haben“. Überwiegend subjektives Empfinden sei das. Nichts für ihn. Peter Heuser verlässt sich auf Daten, die sein technisches Equipment liefert, der beigefarbene Multanova F6.

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