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Den Johannisbeeren von Hubert Wagenbach hat das kalte Wetter im April nicht geschadet.

Trockener Monat machte Hobby-Gärtnern zu schaffen

"Der April hat uns bestraft"

Während der März in Hadamar viel zu warm war, war der April zu kalt und zu trocken. Dies hat Auswirkung auf den Obstgarten, die Landwirtschaft und auch auf die Bienen. Manche Effekte zeigen sich erst im Laufe des Jahres.

Seit 17 Jahren hat Hubert Wagenbach einen genauen Blick auf die Temperaturen. „Dick auffällig war der warme März.“ Im Vergleich zu den durchschnittlichen Temperaturen in den Jahren 2001 bis 2016 von sechs Grad war es diesen Sommer rund 50 Prozent wärmer, nämlich neun Grad. „Das tolle Märzwetter hat zum Gärtnern verführt, und der April hat uns dann bestraft“, so Wagenbach.

Vor ihm liegt ein Ordner mit vielen Blättern. Dort verzeichnet er die täglichen Temperaturen und Niederschlagsmengen, notiert sich Auffälligkeiten und zählt die Regentage. Die durchschnittlichen Werte trägt er in Tabellen ein, um sie miteinander vergleichen zu können. Dadurch entsteht eine sehr gute Übersicht, die der Hobby-Meteorologe bewerten kann. Seine Auskünfte bleiben nicht nur theoretisch. In seinem riesigen Nutzgarten kann Wagenbach auch direkt sehen, welche Auswirkungen seine Daten auf die Natur haben.

Im April zeigten die Durchschnittswerte keinen großen Unterschied. In den letzten Jahren lagen sie bei 10,5 Grad Celsius und diesen April maß Wagenbach im Mittel 10,4 Grad. „Die Tage waren daher in Ordnung, doch die Nächte waren sehr kühl“, erklärt er. Von minus zwei bis plus zehn Grad gab es große Schwankungen. Die Temperaturen messe er auf Augenhöhe, so dass am Boden nochmal zwei Grad abgezogen werden müssen, so dass es einige Nächte mit Bodenfrost gab, so der ehemalige Leiter der Landwirtschaftlichen Fachschule in Limburg.

Auch war das Frühjahr sehr trocken, und bei den Niederschlägen kann Wagenbach sogar Aufzeichnungen aus 44 Jahren zu Rate ziehen. Im Januar fielen 55 mm Niederschlag (statt durchschnittlich 67 mm), im Februar waren es 43 mm (statt durchschnittlich 55 mm), nur im März war es mit 69 mm ein wenig mehr (statt 59). Ab dem 20. März gab es eine Trockenperiode von 25 Tagen, bis es am 15. April wieder regnete. „Der April ist der niederschlagsärmste Monat, doch in diesem Jahr gab es nur 18 mm Niederschlag, statt der durchschnittlich 48 mm“, so Wagenbach.

Die Natur konnte das trockene Wetter im Frühjahr recht gut vertragen, doch die starken Temperaturunterschiede zeigen bereits erste Nachwehen. Besonders hart hat es die Hortensien an Wagenbachs Gartenzaun getroffen. 80 Jahre alt und eigentlich sehr widerstandsfähig, hat das Wetter sie schlimm gebeutelt. Die oberen Spitzen sehen wie verbrannt aus. Wagenbach bezweifelt, dass sie in diesem Jahr noch blühen werden. Die frühblühenden Erdbeeren sind alle erfroren, so dass sie einen geringeren Ertrag bringen werden. Auch seine Zwetschgen und Pflaumen, die in voller Blüte standen, sind alle erfroren. Als robust haben sich seine Johannis- und Stachelbeeren sowie das Gemüse erwiesen. Der Raps blühe sehr zögerlich, so dass es wohl keine Spitzenerträge gebe.

Dies kann Matthias Stähler vom Hubertushof in Oberzeuzheim bestätigen. „Die Temperaturen waren nicht förderlich für die Entwicklung der Grünbestände“, so der junge Landwirt. Die Rapsblüte dauert dieses Jahr wohl länger, aber insgesamt sieht er momentan eine ähnliche Entwicklung wie in den vergangenen Jahren. Es könne Ertragsminderungen geben, doch sei dies erst zur Erntezeit ersichtlich.

Temperaturen und Trockenheit beeinflussen auch die Bienen, erzählt Imker Peter Stecker aus Oberweyer. Im März seien die Völker stark gewachsen und hätten Nektar in den Stock gebracht. Durch den Kälteeinbruch hätten sich diese wieder zurückgezogen und es könne nun passieren, dass sie sich schwächer entwickeln. Die Königin stelle mit der Kälte das Eierlegen ein. Die schon entwickelten Jungbienen könnten dadurch ihren Futtersaft nicht abgeben. „Ich hoffe, dass die Völker wieder hochkommen“, sagt der Imker.

Eine große Gefahr sei nun das Schwärmen der Jungbienen, die mit der Königin eine neue Behausung suchen. „Die Honigbiene ist jedoch so hochgezüchtet, dass sie ohne die Hilfe eines Imkers nicht überlebensfähig ist.“ Der Imker könnte sein entflogenes Volk suchen, doch findet es jemand vor ihm, gehört es dem Finder, weil Bienenvölker laut Gesetz herrenlos sind.

Peter Stecker beobachtet seine Bienen nun jede Woche. Er schaut, ob sie noch da sind und sich weiße Zellen bilden, in denen eine neue Königin heranwächst. Diese Wabe könne er dann mit einigen Bienen abtrennen, um ein neues Volk heranzuziehen, was aber wiederum das alte Volk schwächen wird.

Durch die Trockenheit gedeihen zudem die neu angelegten Blühflächen nur sehr langsam, so dass die Bienen nach der Rapsblüte kein Futter mehr finden. „Ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr weniger Honig haben werden, doch dies zeigt sich erst später und kann momentan noch nicht gesagt werden“, meint der Imker abschließend.

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