Eine talentierte junge Frau: Sarah Hunnenmörder möchte als freie Glaskünstlerin ihren Lebensunterhalt verdienen.
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Eine talentierte junge Frau: Sarah Hunnenmörder möchte als freie Glaskünstlerin ihren Lebensunterhalt verdienen.

Fachkräfte aus Hadamar

Aus der Begabung einen Beruf machen

Absolventinnen der Glasfachschule mischen in Deutschlands Spitze mit

In mehr als 130 Handwerksberufen nehmen jährlich herausragende Junghandwerker und Junghandwerkerinnen mit ihren Gesellenstücken an einem deutschlandweiten Leistungswettbewerb teil. Unter den Bundessiegern sind auch in diesem Jahr mehrere Absolventinnen der Glasfachschule Hadamar. Elisabetta Cancasci (21) aus Lahr und Sarah Hunnenmörder (20) aus Barig-Selbenhausen gehören dazu.

Die jungen Frauen sind schon seit der fünften Klasse eng befreundet und haben 2015 gemeinsam mit ihrer Ausbildung an der Glasfachschule begonnen. Den Tipp, ihre künstlerische Begabung zum Beruf zu machen, hatten sie von ihrem Klassenlehrer bekommen. "Hadamar kannte ich überhaupt nicht und hatte auch nie zuvor von dieser Schule gehört", erinnert sich Sarah Hunnenmörder. Doch sei sie gleich Feuer und Flamme gewesen, nachdem sie zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter an einer Führung durch die Glasfachschule gemacht hatte. Ähnlich erging es Elisabetta Cancasci.

Nachdem die Heranwachsenden die dreijährige Ausbildung zur Glasveredlerin, bei der es vor allem um Glasmalerei und Glasgestaltung durch das Verschmelzen geht, erfolgreich abgeschlossen hatten, wollten sie noch weiterlernen und schlossen eine verkürzte zweite Ausbildung zur Glaserin an. "Ich liebe es, mit dem Werkstoff Glas zu arbeiten und wollte für mein späteres Berufsleben ein breiteres Spektrum der Möglichkeiten haben, um mich zu bewerben", erklärt Elisabetta Cancasci. Ihre Freundin stellt klar: "Der Beruf des Glasers beinhaltet ja weitaus mehr als Fenster- und Glasfassadenbau."

Deshalb hat sich Sarah Hunnenmörder auch entschieden, ein Studium anzuschließen. Dafür hat sie sich in Höhr-Grenzhausen am Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz einschreiben lassen und strebt nun eine Karriere als freie Glaskünstlerin an.

Eine eigene

Werkstatt

Elisabetta Cancasci möchte einen anderen Weg einschlagen. Sie träumt davon, sich mit einer eigenen Werkstatt selbstständig machen zu können. Derzeit arbeitet sie bei einem Zulieferer von Glasteilen für die Autoindustrie. Doch spätestens in zwei Jahren will sie an die Glasfachschule zurückkehren, um an einem Lehrgang zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung teilzunehmen. "Als Preisträgerin bekomme ich von der Handwerkskammer einen Förder-Gutschein über 1000 Euro, damit ich mich als Meisterin qualifizieren kann", freut sie sich.

Dass man niemals aufhören solle zu träumen und seine Ziele nicht aus dem Blick verlieren darf, ist auch das Thema vom Gesellenstück der 21-Jährigen. Das zweiteilige Werk besteht aus einer Bleiverglasung und einer Spiegelverklebung. Am unteren Rand des mit einer besonderen Technik veredelten Spiegels steht ein kleines Mädchen, das voller Sehnsucht zu einer Tänzerin aufschaut. 49 Stunden Arbeitszeit stecken in diesem mit dem ersten Preis im Wettbewerb "Die gute Form" ausgezeichneten Stück.

Das Gesellenstück von Sarah Hunnenmörder wurde sogar doppelt prämiert. Zum einen ging die zierliche 20-Jährige mit ihrer Handwerkskunst als erste Bundessiegerin unter den Glasern hervor und gleichzeitig erhielt ihre ein Mal ein Meter große Bleiverglasung einen zweiten Preis im Wettbewerb "Die gute Form".

Das farbenfrohe, aus rund 90 Elementen zusammengesetzte Fensterbild, dessen Zentrum von einem menschlichen Auge dominiert ist, soll den Betrachter inspirieren und zum Nachdenken anregen. Vom ersten Handgriff bis zur Fertigstellung hat Sara Hunnenmörder dafür 48 Stunden Arbeitszeit aufgewendet.

Die beiden jungen Frauen sind sehr stolz auf ihre Auszeichnungen. Pandemiebedingt fand die Schlussfeier für den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks in einem kleinen Rahmen statt. Lediglich zehn dieser "Besten der Besten ihres Berufes", wie es Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer in seiner Rede hervorhob, konnten persönlich in Berlin mit dabei sein. Auch Elisabetta Cancasci gehörte zu den Auserwählten. Alle anderen Gewinner waren per Livestream zugeschaltet. Bei der virtuellen Schlussfeier wurden alle Bundessieger und Preisträger mit ihrem Bild und ihrem Gesellenstück vorgestellt. Kerstin Kaminsky

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