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St. Nepomuk vom Bildhauer Martin Volck geschaffen. Er ist der Namensgeber der Pfarrgemeinde neuen Typs.

Umstrukturierung

Vom Brückheiligen zum Brückenbauer

„Mit Christus Brücken bauen“ – das hat sich Hadamar zusammen mit acht umliegenden Kirchorten vorgenommen. Der Startschuss zur neuen Pfarrei „St. Johannes Nepomuk“ fällt an diesem Sonntag.

Dass der Glaube sprichwörtlich Berge versetzen kann, ist nichts Neues. Das Bistum Limburg wagt sich auch an kommunale Grenzwälle und verbindet die Gemeinden Steinbach, Obertiefenbach, Oberzeuzheim, Ahlbach, Hadamar, Oberweyer, Niedertiefenbach, Niederhadamar und Niederzeuzheim gemeindeübergreifend zur neuen Pfarrerei St. Johannes Nepomuk.

Hier entsteht in den kommenden zwei Jahren eine Pfarrei neuen Typs – eine Umstrukturierung, die 2012 für das gesamte Bistum begonnen hat und 2020/21 abgeschlossen sein soll. Aus den bisherigen Pastoralen Räumen sollen Pfarreien geworden sein.

Eine Fusion, um Kosten zu sparen? Bistumssprecher Stephan Schnelle mag den Begriff „Fusion“ nicht. „Betriebe fusionieren, dort wird aus zweien eins“, sagt er. Hier gehe es um Neugründungen, bei denen man Netzwerke und gemeinsame Chancen besser nutzen wolle. Und die Kosten? „Ressourcenproblem“ nennt es das Bistum. Es gibt immer weniger Gläubige in der katholischen Kirche, dazu lassen sich immer weniger Männer zum Priester weihen. „Dazu kommt eine veränderte Lebenssituation“, sagt Bezirksreferent Dr. Georg Poell, der die Umstrukturierungen in den einzelnen Pfarreien begleitet. „Die Menschen haben immer weniger Zeit, sich für ein Ehrenamt zu engagieren, viele Gruppen haben Nachwuchsprobleme. Feste Dorfstrukturen weichen auf, Leben und Arbeit sind nicht mehr nur auf einen Ort beschränkt.“

Diesen Entwicklungen will man mit der Pfarrei neuen Typs Rechnung tragen. Gab es 2011 knapp 500 kleine Pfarreien, sollen daraus etwa 45 bis 50 Pfarreien neuen Typs entstehen. Die neuen Pfarreien vergleicht Stephan Schnelle mit „mittelständischen Betrieben“, betreut von einem Pastoralteam und einem Pfarrer mit Leitungsverantwortung.

„Der

Netzwerkgedanke

ist wichtig“, erklärt Schnelle. In einer Pfarrei, die sich als Netzwerk versteht, müsse nicht mehr alles überall angeboten werden. Außerdem könne man viele Sachen besser gemeinsam machen. Für den Hadamarer Bereich sieht Schnelle Potenzial beim Hospiz. Dessen Einzugbereich reiche weit über die ursprüngliche Pfarrei hinaus. Auch in der Firmvorbereitung könne man Synergien nutzen. „Die Jugendlichen erleben: Ich bin hier nicht alleine“, sagt Georg Poell.

Nur noch ein Pfarrbüro, einen Verwaltungsrat, einen Pfarrgemeinderat – auch das ist eine Seite der geplanten Neugründung. „Dieser Prozess tut auch weh“, sagt Stephan Schnelle. „Aber wir wünschen uns einen Perspektivwechsel. Nicht: ,Was nehmen die mir weg?‘, sondern: ,Was gewinne ich hinzu?‘.“

Was die Gläubigen von St. Nepomuk in Zukunft konkret dazugewinnen könnten, steht noch nicht fest. Das Bistum gibt lediglich den Rahmen vor – die Ausgestaltung liegt bei den Gläubigen vor Ort. Das Ziel, die Pfarreigründung, soll am 1. Januar 2020 erreicht sein, der Startschuss fällt an diesem Sonntag. Dazwischen liegt ein Weg, in dessen Verlauf eine Gründungsvereinbarung entstehen soll. Es wird Lenkungs- und Projektgruppen zu einzelnen Themen (Verwaltung, Kitas, Gottesdienste...) geben. Die schon bestehenden Pfarreien neuen Typs können eine Orientierung bieten, aber „das gleiche Projekt kann in einem Ort gelingen und im nächsten scheitern“, sagt Schnelle.

Die erste Möglichkeit zur Mitgestaltung bietet sich schon an diesem Sonntag. Die Auftaktveranstaltung beginnt am Sonntag, 29. April, um 10.15 Uhr mit einer Eucharistiefeier in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk in Hadamar. Um 11.45 Uhr ist ein Mittagsimbiss in der Stadthalle geplant. Um 12.30 Uhr startet die Arbeit an der neuen Pfarrei – Teilnehmer können sich über den Entstehungsprozess informieren, Fragen stellen und sich in die Gestaltung einbringen. Das Veranstaltungsende ist für 16 Uhr geplant.

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