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Eine Alternative zum Klinikaufenthalt

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Per Video und telefonisch zugeschaltet erläuterten Vertreter der Vitos Weil-Lahn die "StäB" als neue Behandlungsform.
Per Video und telefonisch zugeschaltet erläuterten Vertreter der Vitos Weil-Lahn die "StäB" als neue Behandlungsform. © Kerstin Kaminsky

Vitos Weil-Lahn bietet eine Therapie zu Hause an

Für manche Patienten mit einer akuten psychischen Erkrankung ist es von Vorteil, statt eines Klinikaufenthaltes in den eigenen vier Wänden behandelt zu werden. Seit nunmehr einem Jahr bietet das Vitos Klinikum Weil-Lahn eine "stationsäquivalente Behandlung" (StäB) an, bei der Ärzte, Therapeuten und Pfleger den Kranken zu Hause aufsuchen. Bei einem online-Pressegespräch stellten die ärztliche Leiterin Swetlana Schmied, Psychotherapeut Daniel Heep sowie Krankenpfleger Thomas Hof die neue Behandlungsform vor.

Die Zuhause-Behandlung liege bundesweit im Trend; auch die Vitos-Kliniken Herborn und Haina hätten damit gute Erfahrungen gemacht, berichtete Swetlana Schmied. Dank dieser Erfahrungen habe man im Austausch mit diesen Kollegen ein für die hiesige Region angepasstes Konzept entwickeln können. Mit vier Behandlungsplätzen startete die neue Abteilung im Januar 2021; inzwischen sind es zehn.

"Die StäB findet bei Patienten und Behandlern großen Zuspruch", sagte die Ärztin. Die Begegnung im privaten Umfeld ermögliche den Vitos-Mitarbeitern ein fassettenreiches Bild des Patienten. Auch ließen sich hier Menschen erreichen, die der klassischen stationären Behandlung skeptisch gegenüberstehen - zum Beispiel aufgrund familiärer Verpflichtungen. Im Zusammenhang mit dem Störungsbild sage die Wohnsituation des Patienten viel über den jeweiligen Menschen aus, sagte Psychotherapeut Daniel Heep. In der therapeutischen Arbeit könne man sich auf individuelle Gegebenheiten einstellen und es sei auch einfacher, die ambulante Nachbehandlung anzugehen.

Dem Patienten hingegen bringe die neue Therapieform "einen anderen Flow", sagte Hepp. "Wir werden viel interessierter wahrgenommen."

Fraglos gebe es Gründe, die einer Behandlung in den eigenen vier Wänden widersprechen. So könne es sein, dass Angehörige das nicht wollen oder dass die Wohnverhältnisse unpassend sind. Häusliche Gewalt stellt ebenfalls eine Kontraindikation dar. Doch gebe es etliche Patienten, für die sich die aufsuchende Behandlung gegenüber dem Klinikaufenthalt als vorteilhafter erweist. "Denken Sie beispielsweise an eine frisch entbundene Mutter mit ihrem Neugeborenen oder an eine Person mit beginnender Demenz", sagte Krankenpfleger Thomas Hof. Auf die Bedürfnisse der einen sei die Station nicht eingerichtet und der anderen könnte eine räumliche Veränderung mehr schaden als nutzen.

Bei fast allen

Krankheitsbildern

Die StäB eigne sich für fast alle klassischen Indikationen, wie Depression, Persönlichkeitsstörung, Traumatisierung oder Angststörungen. Auch Schizophrenie oder psychotische Symptome ließen sich in dieser Form gut behandeln, weiß Swetlana Schmied, die ärztliche Leiterin. Was die Dauer angeht, unterscheidet sich die StäB nicht von einer stationären Behandlung. "Manche werden nach vier Wochen entlassen, andere brauchen bis zu zwölf Wochen."

Selbst Suizidalität sei kein zwingendes Ausschlusskriterium für die aufsuchende Therapie. "Wenn der Patient authentisch und glaubhaft zusichert, dass er sich während der Behandlung garantiert nichts antut, lassen sich auch solche Fälle einplanen", erklärte Swetlana Schmied. Tatsächlich könne die Behandlung zu Hause stabilisierend sein, ergänzte Daniel Heep. Denn viele Patienten hätten die Erfahrung gemacht, von ihrem Umfeld abgelehnt zu werden. Ihnen tue es gut, sich nun in vertrauter Umgebung öffnen zu können. Die Patienten der Abteilung "Behandlung Zuhause Vitos Weil-Lahn", werden mindestens einmal täglich kontaktiert. Pro Woche sind es zwischen acht und zwölf Kontakte von je 60 Minuten Dauer.

Zwei Dutzend

Patienten

Seit Einführung im Januar 2021 durchliefen gut zwei Dutzend Männer und Frauen im Alter zwischen 19 und 84 Jahren die StäB der Vitos Weil-Lahn. Für ein angemessenes Verhältnis zwischen Behandlungs- und Fahrzeit können jedoch nur Patienten in einem Umkreis von 30 Kilometern aufgenommen werden. Die Abteilung ist an die psychiatrische Tagesklinik Weilburg angegliedert und besteht aus zwei Ärzten, zwei Psychologen, fünf Pflegekräften, zwei Sozialpädagogen und einer Ergotherapeutin. Hinzu kommt eine Kraft, die Arbeits- und Routenpläne koordiniert.

Zurzeit gibt es zehn Behandlungsplätze. "Damit scheinen wir den aktuellen Erfordernissen zu entsprechen. Sollte der Bedarf steigen, werden uns eventuell den Anforderungen anpassen", sagte Swetlana Schmied.

Weitere Informationen zur StäB gibt es telefonisch unter (0 64 71) 9 55 91 50, oder per E-Mail: behandlung-zuhause@vitos-weil-lahn.de. Kerstin Kaminsky

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