Rund 940 000 Euro soll das neue Museumsprojekt kosten. Die WfH findet, es gibt Wichtigeres.
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Rund 940 000 Euro soll das neue Museumsprojekt kosten. Die WfH findet, es gibt Wichtigeres.

940 000 Euro sind WfH zu viel

„Überzogenes Museumsprojekt“: Wählerinitiative schießt gegen Millionen-Bau

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Eine Wählerinitiative in Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg) hält das Museumsprojekt für völlig überzogen. Dringendere Baustellen würden vernachlässigt.

Hadamar – Nach der SPD-Fraktion übt nun auch die Wählerinitiative "Wir für Hadamar" (WfH) harsche Kritik an dem aus ihrer Sicht "überzogenen Museumsprojekt". Nach aktuellem Stand wollten die Fraktionen von CDU, FWG und Bündnis 90/Die Grünen über einen Nachtragshaushalt für das Jahr 2021 in Hadamar einen millionenschweren Museumsbau "durchdrücken" und bereits in der Stadtverordnetenversammlung am 2. September 2021 beschließen, sagt WfH-Sprecher Johannes Müller. Dabei werde jedoch "jede Verhältnismäßigkeit außer Acht gelassen".

Schon die bisher zur Verfügung gestellten 420 000 Euro Investitionskosten hielten wir für zu hoch", sagt WfH-Fraktionsvorsitzender Hans Reichwein. Und jetzt solle noch einmal eine halbe Million auf 943 000 Euro "draufgesattelt" werden. "Dass solche Kostenschätzungen in der Bauphase überall und regelmäßig noch deutlich nach oben schießen, ist das eine -, dass das jetzt beschlossen werden soll, ohne dass belastbare Zahlen zu Folgekosten für Personal und Betrieb vorliegen, ist ein Unding", sagt Reichwein.

Museum in Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg): 1,3 Millionen Euro Baukosten

Um eine solche Einrichtung langfristig erfolgreich betreiben zu können, werde laut Hessischem Museumsverband hochqualifiziertes Personal benötigt, sagt Reichwein. Der finanzielle Aufwand dafür liege in anderen Kommunen mit vergleichbaren Angeboten nicht unter 110 000 Euro im Jahr - also zusätzlich zu den reinen Baukosten weitere 1,3 Millionen Euro für die ersten zwölf Jahre. Das schränke die Handlungsspielräume der Stadt langfristig ein. "Und alles anscheinend, um punktgenau für das Stadtjubiläum in 2024 richtig mit einem Prestigeobjekt zu klotzen. Anders ist die übergroße Hast nicht erklärbar", sagt Fraktionsführer Reichwein.

Dabei sei es "viel wichtiger, Investitionen in die grundlegende Infrastruktur zu tätigen", ergänzt Fraktionssprecher Müller. "Der Zustand der Straßen und der Hochwasserschutz bei Unwettern sollten hier ganz vorne auf der Liste stehen." Darüber hinaus müsse geprüft werden, wo in der Stadt dringender Handlungsbedarf bestehe. Den sieht die WfH ähnlich wie die SPD bei dem vor Jahren akquirierten "Haus Nattermann", in dem das Obergeschoss nach wie vor unfertig sei, mithin leer stehe. "Das können wir uns gut als Standort für die neue Kita in der Kernstadt vorstellen mit neuem Dach und moderner Photovoltaik darauf", sagt Müller.

Museum in Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg): Plätze für Kinderbetreuung dringender benötigt

Ein weiteres Beispiel für Betätigungsbedarf der Stadt ist nach Ansicht der WfH das Ordnungsamt. Dort sei die Personaldecke so dünn, "dass elementare Aufgaben, die die Basis eines gütlichen, geregelten Miteinanders sicherstellen, nicht mehr erfüllt werden können", sagt Fraktionsvorsitzender Reichwein.

Zudem sei die Stelle des Streetworkers weggefallen. Dessen Aufgaben könnten aber von der Stadtjugendpflege nur teilweise aufgefangen werden. Leer ausgegangen ist bislang auch eine Elterninitiative, die einen Waldkindergarten im Stadtteil Oberzeuzheim einrichten will. Ihr sei ein städtischer Zuschuss verwehrt worden, obwohl dringend Plätze in der Kinderbetreuung benötigt werden. "Das sind Baustellen, die behoben werden müssen, bevor irgendjemand sich Gedanken um einen hochbezahlten Museumsdirektor machen sollte", sagt Hans Reichwein. Er betont: "Erst die Pflicht - dann die Kür!" (Anken Bohnhorst-Vollmer)

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