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Sieben Jahre Verspätung

Fahrplan zum Ausbau der Oberwesterwaldbahn wird nicht eingehalten

Der 2015 erstellte Fahrplan, mit dem die Oberwesterwaldbahn die Region Altenkirchen und Siegen besser erschließen wollte, ist noch immer ungültig. Dem zuständigen rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium zufolge wird die DB Netz erst 2022 die nötigen Bauarbeiten abgeschlossen haben, um schnelle Zugverbindungen zu ermöglichen.

Umsteigefreie Zugverbindungen gibt es von Limburg aus im Regionalverkehr nach Frankfurt, über Gießen bis nach Fulda und über Koblenz bis nach Mayen-Ost. Seit Dezember 2015 sollte ein solches Angebot auch in Richtung Norden über Altenkirchen bis nach Siegen eingeführt werden. Doch der dazu notwendige Infrastruktur-Ausbau der Oberwesterwaldbahn Limburg, Westerburg, Altenkirchen, Au (Sieg) kommt nicht voran. Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums wird die DB Netz erst im Sommer 2022 die erforderlichen Arbeiten abgeschlossen haben, um einen schnellen und umsteigefreien Zugverkehr zu ermöglichen.

Bereits Anfang September 2014 erfolgte in Nistertal-Erbach ein feierlicher Spatenstich für die Ertüchtigung der Strecke. Damals hieß es, dass es nach Abschluss der auf 25 Millionen Euro kalkulierten Arbeiten für Reisende eine deutlich verbesserte Taktstruktur mit einem Stundentakt in der Verbindung Limburg–Altenkirchen–Siegen und schnellere Fahrmöglichkeiten aus dem Westerwald nach Köln geben werde.

Fahrpläne nicht attraktiv

Aufgrund der Zusagen, den Streckenausbau für eine Anhebung der Zuggeschwindigkeit zeitnah abzuschließen, hatten sich die Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr im nördlichen Rheinland-Pfalz (SPNV-Nord) und südlichen Nordrhein-Westfalen (ZWS) auf die Einführung eines neuen und erweiterten Fahrplans verständigt. Seit Dezember 2015 verkehren die Regionalzüge der Dreiländerbahn von Westerburg über Altenkirchen nach Siegen im Stundentakt. Dagegen wurde im südlichen Abschnitt zwischen Limburg und Westerburg für die notwendigen Anschlüsse in Richtung Rhein-Main-Gebiet, der bis 2015 geltende Fahrplan beibehalten.

Ohne den Ausbau der Infrastruktur kommt es seither zu Umsteigeaufenthalten von bis zu 48 Minuten in Westerburg. Hinzu kommen im nördlichen Teil noch lange Unterwegsaufenthalte in Kreuzungsbahnhöfen, um Züge aus der Gegenrichtung abzuwarten. Dadurch ist die Oberwesterwaldbahn sowohl für Pendler, als auch für Reisende im Freizeitverkehr unattraktiv geworden. Dies hat auch Auswirkungen auf touristische Ziele, wie den Stöffelpark oder das Landschaftsmuseum Westerwald, aber auch aus dem Westerwald in Richtung Lahntal oder Rhein-Main-Gebiet.

Im Sommer 2016 gab die DB bekannt, dass der Ausbau erst zum Ende 2018 erfolgen könne. Auf eine Mitte August 2018 erfolgte Anfrage des Büros von Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) konnte Andy Becht (FDP), Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium, erst Mitte Dezember antworten, da die DB die erforderlichen Informationen sehr spät bereitstellte. Danach wird sich der Ausbau erheblich länger hinziehen. Derzeit gibt die DB Netz die Inbetriebnahme des Zielzustandes der Gesamtstrecke mit Juli 2022 an. Die Streckenabschnitte im Bereich Altenkirchen sollen nach jetziger Planung im September 2020 und im Westerwaldkreis im April 2021 in Betrieb genommen werden, Schlusslicht ist der Abschnitt im Landkreis Limburg-Weilburg im Juli 2022. Erst dann kann das Fahrplanangebot auf der Strecke gefahren werden, das schon ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 vorgesehen war.

Gründe für die massiven Verzögerungen sind vor allem die langwierigen Genehmigungsverfahren und die Forderungen des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) als Planfeststellungsbehörde. Dort eingereichte Planungen der DB Netz wurden unbearbeitet nach einem Jahr zurückgegeben, da 2015 eine neue Richtlinie zum Schallschutz (Schall 03) eingeführt wurde.

Notbremse ziehen

Außerdem forderte das EBA die Einbeziehung weiterer Bauvorhaben in die Planfeststellungsverfahren, die mit dem eigentlichen Ziel – der Anhebung der Streckengeschwindigkeit – nichts zu tun hatten. Das „Bündnis für Verkehrswende nördliches Rheinland-Pfalz“, ein Zusammenschluss von Fahrgast- und Interessenverbänden, fordert indes, die Strecke umgehend zu ertüchtigen.

Sollte es bei dem Termin Juli 2022 bleiben, sind die Aufgabenträger gefordert, jetzt die „Notbremse zu ziehen“ und alles daranzusetzen, wieder einen akzeptablen Fahrplan anzubieten. „Zumindest zwischen Limburg und Altenkirchen müssen die Züge wieder durchgehend und ohne Umsteige- oder Kreuzungsaufenthalte fahren“, sagen Martin Mendel, stellvertretender Vorsitzender von Pro Bahn Rheinland-Pfalz, und Friedrich Lang von Pro Bahn&Bus in Hessen. Erreichbar wäre dies möglicherweise mit der Wiedereinführung des alten Fahrplans, wie er bis zum Dezember 2015 bestanden hat – unter Beibehaltung der neuen Abendverbindungen. Für den Nordabschnitt Altenkirchen–Siegen sollte der Stundentakt weitergeführt werden, der in den Hauptverkehrszeiten des Schülerverkehrs zwischen Altenkirchen und Au derzeit schon zu einem Halbstundentakt verdichtet ist. „Ohne eine schnelle Korrektur des inakzeptablen Fahrplans wird sich die Zahl der Reisenden weiter reduzieren“, sind sich Mendel und Lang einig, denn „Reisende zurückzugewinnen, die der Bahn den Rücken gekehrt haben, wird ein hartes Stück Arbeit und bedarf intensiver Werbung.“

von HANS-PETER GÜNTHER

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