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Diese Büste von Carl Faust ist auf dem Gelände zu finden.

Carl Faust

Gebürtiger Hadamarer hat an der katalanischen Küste seine Spuren hinterlassen

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An Carl Faust erinnert in Hadamar nur noch eine Straße. Bei Llorett de Mar sind die Erinnerungen viel wacher, wie eine zufällige Urlaubsentdeckung zeigt.

„Urlaub in Llorett de Mar, wie kannst du nur?“ So oder ähnlich waren die Kommentare als Urlaubspläne Anfang des Jahres für die katalonische Mittelmeerküste im Familien- und Freundeskreis bekannt wurden. Von Partyhölle und schlaflosen Nächten war da die Rede und auch im Internet wurde kein gutes Haar an dieser Region gelassen, die zu den Hochburgen für Abiturienten nach ihrem erfolgreichen Schulabschluss gehört.

Doch weit gefehlt. Schon in Barcelona wurde bei der Ankunft mit tollen Temperaturen ein erster positiver Eindruck gewonnen. Dieser steigerte sich dann auch gleich am ersten Tag, als die wunderschöne Landschaft vom Strand im Stadtteil Fenals von Lloret de Mar in Augenschein genommen wurde. „Sie müssen unbedingt den botanischen Garten in Blanes besuchen“, war dann gleich am zweiten Tag von einer netten Spanierin zu hören, die auch gleich mit einem kleinen Flyer zur Hand war und der großes Interesse weckte. Von einem Botanischen Garten an der Costa Brava war hier die Rede. Also wurde ein Bus bestiegen und in Richtung Blanes gefahren, wo sich der Garten befindet.

Nach dem Bezahlen des Eintritts bekam jeder Besucher einen Prospekt mit den Daten des herrlichen botanischen Gartens, der sich auf einem Gelände von über 15 Hektar entlang der Mittelmeerküste befindet. Zu lesen waren hier Informationen über drei verschiedene Gärten: Im ersten sind unter anderem Trockengebiete aus Afrika und Amerika und verschiedene Laubbäume und Kakteen zu finden, im zweiten ein großer Palmengarten und ein Ethnobotanischer Garten und im dritten gibt Palmfarne, Pflanzen und Bäume aus der Mittelmeerregion, den Tempel von Linné, die Epikur-Treppe und denGoethe-Platz.

Für Erstaunensorgte aber die letzte Seite des Prospekts. Hier ist in deutscher Sprache zu lesen: „Unser botanischer Garten wurde von Carl Faust (Hadamar, Deutschland 1874, Blanes, 1952) gegründet, einer enthusiastischen und großzügigen Person, die die Natur überaus liebte und für ihre Mitmenschen einen Ort der Wissenschaft und Freizeit schaffen wollte.“

Gut 1300 Kilometer von der Heimat entfernt war also der Name der Stadt Hadamar zu lesen. Der Name des Gartens Marimurtra, nach Mar i Murtra (Meer und Myrthe) oder aber auch Carl Faust ist kaum jemanden hier geläufig. Aber es gibt ihn: Carl Faust wurde 1874 in der Borngasse in Hadamar geboren und machte eine Lehre als Kaufmann. Als Auswanderer gründete er in Barcelona eine Firma, ohne jedoch seine heimliche Leidenschaft als Biologe zu vergessen.

Im Selbststudium widmete er sich diesem Gebiet und bekam 1928 die Gelegenheit ein 15 Hektar großes Gelände an einem Steilhang von Blanes zu kaufen. Fortan bestimmte der Aufbau des botanischen Gartens sein Leben und er gründete mit seinem Vermögen die „Carl Faust Stiftung“, in die der Garten Marimurtra eingeflossen ist und an die heute auch die „Internationale Station für Mittelmeerbiologie“ angeschlossen ist.

Der herrliche botanische Garten hat sich in den vielen Jahrzehnten zu einem Besuchermagnet entwickelt und sehr zum Aufschwung der Region beigetragen. Zum 55. Todestag wurde in Blanes die Straße entlang des Gartens zur „Passeig Carles Faust“ umbenannt. Nachdem Carl Faust in Blanes starb und dort auf dem Friedhof seine letzte Ruhestätte fand, wurde 2007 eine lebensgroße Statue in Blanes aufgestellt. Und auch in Hadamar ist eine Carl-Faust-Straße zu finden.

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