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Das Gehäuse der Hadamarer Orgel stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Hadamarer Pfarrkirche

Die Geheimnisse der Kirchenorgel

Wie funktioniert die Orgel in der Hadamarer Pfarrkirche? Wie ist sie aufgebaut? Welche Art von Pfeifen sind enthalten und wie lassen sie sich stimmen? Im Rahmen des Kirchenjubiläums hatte Organist Michael Loos zu einer Orgelführung geladen.

„Die Orgel ist längst nicht so stabil, wie sie aussieht“, warnt Michael Loos. Es sei deshalb sowohl für die Gäste als auch für das wertvolle Instrument viel zu gefährlich, würden die Interessierten das Innere besteigen. Deshalb hat Loos eine Leinwand-Präsentation vorbereitet, um auch von außen unsichtbare Details erklären zu können.

Mit einem Stück von Mozart verdeutlichte der Organist die reichen Klangfarben des Instruments. „Obwohl Mozart Orgeln liebte und das Spiel virtuos beherrschte, hat er kein einziges Stück direkt für dieses Instrument komponiert“, sagt Loos. Doch ließen sich einige der Mozart-Partituren ganz wunderbar für die Orgel bearbeiten.

Die heutige Hadamarer Orgel wurde von 1971 bis 1972 von der Firma Klais aus Bonn in das bereits 1758 vollendete Gehäuse – der Fachmann spricht von Prospekt – eingebaut. Bei dieser Gelegenheit wurde der Teil an der Balustrade hinzugefügt. Das sogenannte Rückpositiv sei für den Spieler günstig, weil er sich selbst hören könne. Die Orgelpfeifen des Hauptwerks liegen ja weit oberhalb des Organisten, so dass ihre Töne über ihn hinweg in das Kirchenschiff hinein klingen.

In der Hadamarer Orgel sind überwiegend Lippenpfeifen verbaut. Bei ihnen entsteht der Ton wie bei einer Flöte dadurch, dass ein Luftband durch einen schmalen Spalt gegen eine Kante geblasen wird. „Lippenpfeifen verändern jedoch ihren Ton mit der Raumtemperatur“, erklärt der Experte. Für den perfekten Klang gäbe es deshalb zusätzlich Zungenpfeifen, bei denen der Ton durch ein schwingendes Zungenblatt erzeugt wird, und die sich aufgrund ihrer Bauweise erheblich leichter stimmen lassen.

Die Orgel der Pfarrkirche St. Nepomuk hat einen Spieltisch mit drei Manualen à 56 Tasten über jeweils viereinhalb Oktaven. „Das sorgt für die besonders volle Klangfarbe“, erklärt der Organist. Die meisten Orgeln der Region seien nur zwei mit Manualen ausgestattet. Hinzu kommen 30 mit den Füßen zu spielende Pedale.

Das Pfeifenwerk einer Orgel besteht aus mehreren Reihen, in denen Orgelpfeifen gleicher Bauart und Klangfarbe hintereinander stehen. Eine Pfeifenreihe wird zu einem Register zusammengefasst, das vom Spieltisch aus an- und abgeschaltet wird. Die Hadamarer Orgel besitzt 37 Register.

Multipliziert man die Register mit der Anzahl von Tasten und Pedalen ergibt sich die stolze Zahl von 7326 Pfeifen, die hier verbaut sind. „Die größte hat eine Höhe von über fünf Metern, die kleinste entspricht der Größe eines Bleistiftes“, weiß Michael Loos. Auch wenn das gesundheitsschädliche Blei als Baustoff inzwischen verpönt ist, so könne doch ein Orgelbauer nicht darauf verzichten. Diesem Berufszweig wurde deshalb eine Sondergenehmigung erteilt. Die Orgelpfeifen bestehen aus einer Legierung von Blei und Zinn. „Dafür gibt es keinen Ersatz. Für den schönen Klang braucht es die perfekte Mischung von weichem und festen Metall.“

Manch einer, der Michael Loos bei seinem Spiel zuschaut, mag sich über das dünne Kissen wundern, auf dem er sitzt. „Das dient nicht der Polsterung, sondern meiner Beweglichkeit“, erläutert er. Um die breiten Tastaturen und Pedale zu bedienen, sei sein Gesäß immer in Bewegung. „Eine Stoffhose rutscht ganz anders über die Bank als eine Jeans. Und wenn im Hochsommer der Hosenboden schwitzig feucht ist, bremst das noch einmal auf ganz eigene Weise“, beschreibt Loos. Deshalb benutze er seit Urzeiten die gleiche gut rutschende Unterlage.

Als kleinen Spaß zum Schluss spielt der Organist einen Ragtime nur mit den Pedalen. „Mit meiner Schuhgröße 44 kann ich bis zu fünf Töne gleichzeitig spielen“, lässt er seine Zuhörer wissen.

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