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Geplanter Funkmast in Hadamar sorgt für Wellen der Empörung

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Von: Anken Bohnhorst

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Auf dem Dach der Mehrzweckhalle in Niederzeuzheim soll ein Funkmast errichtet werden. Nicht allen Bürgerinnen und Bürgern des Hadamarer Stadtteils gefällt das.
Auf dem Dach der Mehrzweckhalle in Niederzeuzheim soll ein Funkmast errichtet werden. Nicht allen Bürgerinnen und Bürgern des Hadamarer Stadtteils gefällt das. © Anken Bohnhorst

In Hadamar-Niederzeuzheim sollen Funklöcher geschlossen werden. Der ruft bei einigen Bürgern heftige Abwehrreaktionen hervor.

Hadamar - Die gute Nachricht ist: Die Funklöcher, die sich in Teilen über Niederzeuzheim auftun, sollen geschlossen werden. Dafür muss ein Funkmast errichtet werden. Der aber ruft bei einigen Bürger heftige Abwehrreaktionen hervor. Das ist die schlechte Nachricht.

Dass mobiles Telefonieren in einigen Straßen des Dorfes schwierig und bisweilen unmöglich ist, ist lange bekannt und habe in der Vergangenheit durchaus zu brenzligen Situationen geführt, berichtet Ortsvorsteher Ewald Schlitt (parteilos). Etwa als ein Notruf abgesetzt werden sollte, was allerdings scheiterte, weil es an jener Stelle im Ort keinen Handy-Empfang gab. Das bestätigt auch Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). "Nach einer Recherche von Mobilfunkverbindungen in den Jahren 2018/19 hatte sich herausgestellt, dass in Niederzeuzheim und Steinbach über die Telekom in bestimmten Bereichen kein Empfang möglich ist."

Deshalb bewarb sich die Stadt beim Projekt "Wir jagen Funklöcher", einer Initiative der Deutschen Telekom. Hadamar wurde in das Programm aufgenommen: Die Telekom-Tochter Deutsche Funkturm würde nun einen Funkmasten errichten, der alle Haushalte Niederzeuzheims versorgen soll. Voraussetzung dafür ist, dass die Kommune dem Telekommunikationsunternehmen ein Dach oder eine freie Fläche als Maststandort zur Verfügung stellt und dem Anbieter diesen Standort zur ortsüblichen und marktgerechten Miete überlässt. Ferner muss die Stromversorgung vorhanden sein, und die Kommune sagt zu, die Telekom bei nötigen Genehmigungsverfahren zu unterstützen. Das sind die Bedingungen der Deutschen Funkturm, auf die die Stadt einging.

Hadamar-Niederzeuzheim: Funkmast soll auf Mehrzweckhalle montiert werden

Im April vergangenen Jahres teilte das städtische Bauamt dem damaligen Ortsvorsteher Jürgen Wagner (CDU) die Rahmenbedingungen des Projekts mit. "In Niederzeuzheim ist es geplant, den Mast auf die Mehrzweckhalle zu montieren. Dieser Mast wird wie in Steinbach sieben Meter hoch. Die erforderliche Technik soll neben den Mast auf das Flachdach verbaut werden", heißt es in dem Schreiben aus dem Rathaus.

Und weiter: "Der Vorgang war auch schon im Magistrat zur Beratung, und dieser hat dem Standort auf der Mehrzweckhalle zugestimmt. Die Realisierung der Maßnahme wird etwa neun Monate dauern." Der Ortsbeirat, der laut Hessischer Gemeindeordnung kein Mitbestimmungsrecht hat, aber eine Stellungnahme abgeben darf, sollte seine Einschätzung formulieren.

Ex-Ortsvorsteher Wagner fragte seine fünf Kollegen aus dem Gremium. Die reagierten prompt, bestätigten, dass die Mobilfunk-Versorgung verbessert werden müsse, plädierten aber für einen anderen Standort. "Die Montage auf der Mehrzweckhalle findet keine Zustimmung", teilte Wagner daraufhin dem Bauamt mit. Der Ortsbeirat bat die Verwaltung, andere Standorte zu prüfen. Den Sportplatz etwa, den Bahnhof oder den Randbereich des Ortes zum Beispiel Richtung Kiesgrube oder Richtung Wertsbacher Hof.

Standort des Funkmastes in Hadamar-Niederzeuzheim sorgt für Ärger

Doch nach Auskunft der Stadt taugen diese Alternativen nicht: Ein Funkmast im Randbereich würde nicht den ganzen Ort versorgen, der Mast müsse auf städtischem Grund errichtet werden und über eine Stromversorgung verfügen. Als weiteres Argument führt das Bauamt an: "Der Ortsbeirat in Steinbach hat zugestimmt, dass der Mast auf die Mehrzweckhalle in Steinbach gesetzt wird. Vielleicht geben Sie dies an die Mitglieder weiter." In Steinbach stehe die Mehrzweckhalle aber am Ortsrand, kommentiert Wagner.

Er schlug eine weitere Option vor. Ein Hügel am Ortsrand, von dem aus sich die Funkwellen zu allen Häuser ausbreiten könnten. Auch diesen Standort ebenso wie das Feuerwehrhaus, dessen bauliche Struktur ungeeignet sei, lehnte die Stadt ab, nachdem die Deutsche Funkturm diese Möglichkeiten geprüft habe, betont Bürgermeister Ruoff. Eine Alternative zu der städtischen Halle gebe es nicht. Nur ist das für den damaligen Ortsvorsteher und einige Bürger keine Alternative.

Wagner, seit der Kommunalwahl im März dieses Jahres nicht mehr Ortsvorsteher, gibt zu bedenken, dass einige Anwohner "ein Problem mit einem Funkmast in Sichtweite von ihrem Haus" haben. Zudem gruppierten sich um die Mehrzweckhalle mehrere denkmalgeschützte Häuser. Ein Funkmast passe jedenfalls nicht in das Ensemble. Die Stadt müsse das berücksichtigen. Für den Denkmalschutz ist aber nicht die Stadt Hadamar, sondern der Kreis Limburg-Weilburg zuständig, wendet Bürgermeister Ruoff auf Anfrage dieser Zeitung ein. Es sei "beachtlich, inwieweit die Deutsche Funkturm als Bauherr eine Baugenehmigung benötigt. Dies ist abhängig von der Höhe und Leistung des Mastes. Im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens würde dann geprüft inwieweit die Belange des Denkmalschutzes berührt sind."

Sorge vor Strahlenbelastung durch Funkmast in Hadmar-Niederzeuzheim

Für Jürgen Wagner und die anderen Anwohner in der Nähe der Mehrzweckhalle ist die Haltung von Bürgermeister und Verwaltung nicht nachvollziehbar. Sie hätten sich gewünscht, von Anfang an in den Entscheidungsprozess miteingebunden und mit ihren Sorgen auch hinsichtlich möglicher Strahlenbelastung ernst genommen worden zu sein.

Sie hätten außerdem gerne gewusst, dass sich die Funklöcher nur für Mobilfunkkunden der Telekom schließen werden. All das hätten sie aber nicht erfahren, sagt Wagner. Vielmehr seien Ortsbeirat und Bürger im Sommer dieses Jahres durch den Magistratsbeschluss vor vollendete Tatsachen gestellt worden, und das wolle man nicht hinnehmen.

Die Erste Stadträtin Susanne Langel (FWG) berichtet dagegen, es habe eine "klare Haltung und klare Kommunikation des Magistrats" gegeben. Dennoch habe der mittlerweile neue Ortsbeirat noch einmal einen Termin mit der Deutschen Funkturm vereinbart, diesmal ohne die Stadt darüber zu informieren.

Standort für Funkmast in Hadamar-Niederzeuzheim einstimmig bestätigt

Ortsvorsteher Schlitt und sein Vorgänger Wagner weisen das jedoch zurück. Sie sagen, ein weiterer Termin mit dem Anbieter und ihnen in Niederzeuzheim habe nicht stattgefunden. Trotzdem kam der Magistrat Langel zufolge noch einmal in dieser Angelegenheit zusammen und habe "in einer erneuten Beratung Ende September nochmals einstimmig den Standort für den Funkmast auf der Mehrzweckhalle in Niederzeuzheim bestätigt und das Stadtbauamt beauftragt, das Projekt mit der Deutschen Funkturm GmbH umzusetzen".

Für Mobilfunk-Kunden der Telekom hieße das, die Funklöcher über Niederzeuzheim werden gestopft. Für die Nutzer der anderen Anbieter, Vodafone und Telefonica, ändert sich zunächst nichts - bis ein weiterer Funkmast installiert wird. (Anken Bohnhorst)

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