Derzeit wird das alte Hadamarer Konvikt saniert. Die Zukunft der Immobilie, die sich im Eigentum des Bistums Limburg befindet, ist aber unklar. Foto: Sabine Rauch
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Derzeit wird das alte Hadamarer Konvikt saniert. Die Zukunft der Immobilie, die sich im Eigentum des Bistums Limburg befindet, ist aber unklar. Foto: Sabine Rauch

Noch kein Kaufinteressent

Was geschieht mit dem alten Konviktsgebäude?

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Die Fraktionen in Hadamar machen sich Gedanken über künftige Nutzung der stadtbildprägenden Immobilie.

Man stelle sich vor: Der Eigentümer einer weitläufigen Immobilie kündigt an, er werde rund 2,2 Millionen Euro in die Sanierung seines Gebäudes investieren. Das ist viel Geld. Aber, betont der Sprecher des Eigentümers, wenn es die Sache nicht wert wäre, würde selbstverständlich nicht so viel Geld ausgegeben. Während der Bauphase beschließt der Eigentümer dann allerdings, den Bewohner vor die Tür zu setzen. Und wieder ein paar Monate später sind die Sanierungsarbeiten zwar angeblich beinahe abgeschlossen. Nur was jetzt eigentlich mit der Immobilie werden soll, dafür gibt es keinen Plan, sagt der Eigentümer.

Der Eigentümer ist der Bischöfliche Stuhl in Limburg. Die Immobilie ist das Konvikt, jenes imposante Gebäude in bester Stadtlage, jahrzehntelange Heimat der Domsingknaben.

Den Domsingknaben wurde gekündigt. Bereits Anfang des Jahres hatte Thomas Löhr, Domdekan und Weihbischof, mitgeteilt, dass die Diözese das Musische Internat in Hadamar nach mehr als 50 Jahren schließen werde. Der Chor werde seinen Sitz und seine Proben nach Limburg verlegen. Für das gewaltige Gebäude und umliegende Areal habe man keine Verwendung mehr. Zudem müsse für die nächsten Jahre mit weiteren Sanierungskosten in Höhe von 25 Millionen Euro gerechnet werden.

mitreden

Die Sänger und ihre Eltern waren traurig und enttäuscht, der Bürgermeister und die Vertreter der städtischen Gremien entsetzt. An der Entscheidung des Bistums war indes nicht mehr zu rütteln. Immerhin erreichte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) die Zusicherung von Generalvikar Wolfgang Rösch, wonach die Stadt bei der künftigen Nutzung und der Entwicklung der großen Flächen des Bischöflichen Stuhls mit eingebunden werde. "Dieses Angebot werde ich sehr gerne nutzen, um das Bestmögliche für das stadtbildprägende Gebäude und die angrenzenden Flächen zu erreichen", hatte Ruoff im Januar gesagt.

Noch kein Käufer und keine Wertermittlung

Aber was ist das Bestmögliche? Stephan Schnelle, Sprecher des Bistums, hält sich bedeckt. Er sagt: "Für die künftige Nutzung des Gebäudes gibt es noch keine Pläne. Es gibt auch noch keinen Käufer und keine Wertermittlung der Immobilie." Was benötigt würde, sei ein potenter Investor, sagt Bürgermeister Ruoff. Mit dessen Unterstützung könne er sich auf den Hangflächen nahe dem Schwimmbad die Schaffung eines kleinen "gehobenen Wohngebiets" vorstellen. An dessen Gestaltung würde die Stadt schon allein wegen der Bebauungspläne mitwirken. Die künftige Nutzung des Gebäudes sei dagegen schwerer vorstellbar.

Bernhard Pietsch, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtparlament, sagt, das Konviktsgebäude könne zur Erweiterung oder zum Ausbau der Gedenkstätte beitragen. Auf keinen Fall dürfe bei der Veräußerung nur der Kaufpreis eine Rolle spielen. Schließlich handele es sich beim Konvikt um eine stadtbildprägendes Ensemble. Die Bürgerinitiative "Wir für Hadamar" (WfH) und die SPD sehen bei der weiteren Verwendung des Anwesens zunächst "das Bistum in der Pflicht", sagt Fraktionsvorsitzende Renate Kreis. Vor einem Verkauf müssten "sämtliche Möglichkeiten einer Nutzung durch das Bistum intensiv geprüft" werden. "Wenn dies alles nicht fruchtet und wir uns was wünschen dürften, könnten wir uns ein Tagungshotel für Meetings, Seminare, Klausuren oder Konferenzen gut vorstellen."

Diese Option führt auch Susanne Langel, Sprecherin der FWG-Fraktion im Stadtparlament an. Das ehrwürdige Gebäude könnte für Seminarbetrieb umgestaltet werden, während in den Außenanlagen eine Freizeitanlage entstehen könnte mit kleinen Ferienhäuschen, Zeltplatz oder Kletterpark. Sinnvoll sei nach ihrer Überzeugung hier eine Zusammenarbeit mit den Vereinen der Stadt, um das Areal zu beleben. Realistisch sei aber auch die Einrichtung einer Seniorenresidenz, sagt Langel. Ihre Bedingung lautet: "Die Nutzung muss Hadamar-kompatibel sein." Anken Bohnhorst

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