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Ende Juni wird die gynäkologische Praxis im Gesundheitszentrum St. Anna geschlossen.

Gesundheit

Gynäkologische Praxis in Hadamar wird geschlossen

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Allgemeinärztin ist entsetzt über das Aus zum 30. Juni, Bürgermeister Ruoff bedauert den Schritt.

Hadamar -Die gynäkologische Praxis im Gesundheitszentrum St. Anna schließt zum 30. Juni. Das teilt die Krankenhausgesellschaft St. Vincenz mit, der das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Gynäkologie am Gesundheitszentrum angegliedert ist. Trotz der "zahlreichen positiven Rückmeldungen seitens der Patientinnen", sei die Praxis von Dr. Rumyana Borgodzhiyska "nicht dauerhaft wirtschaftlich zu führen gewesen", sagt Geschäftsführer Guido Wernert. "Wir bedauern diesen Schritt sehr." Den vier Mitarbeiterinnen der Frauenärztin habe die Krankenhausgesellschaft "in anderen Bereichen neue berufliche Perspektiven eröffnet". Die medizinische Versorgung der Patientinnen sei "über die umliegenden gynäkologischen Praxen sicher gestellt".

Das sieht die niedergelassene Allgemeinärztin Dr. Michaela Elias-Strass anders. Sie verstehe die Welt nicht mehr, sagte sie gegenüber dieser Zeitung. Sie sei traurig und entsetzt. "Für die Patientinnen ist das eine Katastrophe." Damit habe Hadamar den letzten Facharzt verloren. "Wo sollen die Frauen künftig hingehen?" Was werde aus den älteren, nicht mobilen Patientinnen?

Gesundheitspolitik hat versagt

Betrübt über die Entscheidung der Krankenhausgesellschaft ist auch Bürgermeister Michael Ruoff (CDU), der zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats des MVZ St. Anna ist. Die Stadt habe immer das Angebot gynäkologischer Versorgung unterstützt, auch nachdem die Geburtsstation vor Jahren geschlossen wurde und auch nachdem sich die beiden Frauenärztinnen, die vor Rumyana Borgodzhiyska die gynäkologische Praxis des MVZ leiteten, mit einer eigenen Praxis in Weilburg niederließen. "Frauenheilkunde gab es traditionell in Hadamar", betont Ruoff. "Ich bedaure, dass die Gesundheitspolitik nicht dafür sorgt, dass auskömmliche Budgets vorhanden sind."

Die betroffene Ärztin, die das MVZ in rund zwei Monaten verlassen wird, will die Vorgänge nicht kommentieren. Es liege eine Erklärung des Krankenhauses vor. Mehr gebe es nicht zu sagen, lässt sie von einer Mitarbeiterin ausrichten.

Über die künftige Nutzung der Räume im Gesundheitszentrum St. Anna gibt es nach Aussage des Geschäftsführers Wernert "bereits verschiedene, konkrete Vorstellungen". Die würden bekanntgegeben, sobald die diesbezüglichen Gespräche abgeschlossen seien. "Fest steht: Das Gesundheitszentrum St. Anna wird weiter belebt bleiben als Bindeglied zum Westerwald und den Menschen der dortigen Regionen", sagt Wernert.

Seit fast 15 Jahren betreibt die Krankenhausgesellschaft am Gesundheitszentrum im Verbund von 20 dortigen Mietern der Gesundheitsbranche verschiedene MVZ-Praxen zur ambulanten Versorgung (Allgemeinchirurgie, Innere Medizin/Gastroenterologie und Diabetologie, Orthopädie): einige der MVZ-Praxen arbeiten als Zweigstellen in Limburg. Durch die Kooperationen soll besonders im ländlichen Raum die medizinische Versorgung strukturiert und optimiert werden. Die Limburger Standorte sind im St. Vincenz-Krankenhaus (Angiologie), im Gesundheitszentrum Schafsberg (Diabetologie und Onkologie) sowie in der Innenstadt etabliert (Neurologie und Urologie).

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