Im Moment proben die Musiker in der Stadthalle. Das ist in Ordnung, sagen Tanja Heuser (links) und Carina Philipps vom Vorstand des Vereins. Eine eigene Unterkunft wäre aber besser.
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Im Moment proben die Musiker in der Stadthalle. Das ist in Ordnung, sagen Tanja Heuser (links) und Carina Philipps vom Vorstand des Vereins. Eine eigene Unterkunft wäre aber besser.

Neue Bleibe gesucht

Hadamar: 120 Musiker auf Herbergssuche

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Bürgermeister Ruoff: Feuerwehrhaus könnte Option sein

Hadamar -Seit mehr als einem Jahr sucht der Musikverein Hadamar Stadt und Land eine neue Bleibe - und findet sie möglicherweise mitten in der Stadt. Das Feuerwehrgerätehaus neben dem Rathaus könnte "mittelfristig" eine Perspektive sein, sagt Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). Wenn etwa "perspektivisch" ein neues Feuerwehrhaus geplant werde, könnten die Musiker dort einziehen. "Das kann ich mir vorstellen." Das können Tanja Heuser und Carina Philipps vom Vereinsvorstand auch. Sie sind von dieser Option begeistert, betonen sie. Denn als das Coronavirus im vergangenen Jahr die Region erreichte, stand der Musikverein plötzlich auf der Straße. Das Pfarrheim, in dem die Orchester in den zurückliegenden zehn Jahren geprobt hatten, war zu klein, um darin die neuen Abstandsregeln einhalten zu können.

Für die rund 120 aktiven Mitglieder der musikalischen Früherziehung, der Flötengruppen und der größeren Ensembles begann eine Herbergssuche, berichtet Carina Philipps. Gemeinsam mit Vorstandskollegin Tanja Heuser klopfte sie an der Rathaustür an - und wurde eingelassen. Man könne einstweilen in der Stadthalle proben, hieß es aus dem Rathaus. Das Angebot war großzügig, die Lösung in Ordnung: Der Saal ist groß genug, um auf Abstand zu blasen und zu trommeln. Notenständer und Instrumente werden in einem Kämmerchen hinter der Bühne aufbewahrt. Der Kopierer für den Papierkram steht im Keller. Auch die Absprachen mit dem Hausmeister "laufen sehr gut", sagt Heuser.

Aber das ist genau das Problem. "Es ist nicht unser eigenes Vereinsheim." Vor jeder Aktivität müssen Verabredungen getroffen werden, Spontaneität, kurzfristige Proben, Besprechungen sind nicht möglich, weil der Vereinsvorstand zwar einen Schlüssel für die Haustür hat, aber keinen für die Alarmanlage des Gebäudes. Dazu kommt, dass die Stadt selbstverständlich das vorrangige Nutzungsrecht der Halle hat. Wenn die städtischen Gremien zusammenkommen oder die Halle vermietet ist, müssen Proben ausfallen. Und während der Schulferien ist das Gebäude ohnehin geschlossen.

Sportheime sind ungeeignet

Carina Philipps und Tanja Heuser suchten nach einer besseren Lösung und interessierten sich für das Sportheim an der Faulbacher Straße. Das gehört allerdings dem Verein Rot-Weiß, und der plant die Immobilie an den Investor zu verkaufen, der das gesamt Sportplatzareal vermarkten will. Zudem befürchteten einige Stadtverordnete, die Musiker würden die Faulbacher Straße zu laut beschallen. Diese Sorge sei zwar durch Emissionsgutachten, die der Verein anfertigen ließ, ausgeräumt. Aus dem Sportheim an der Faulbacher Straße wurde dennoch nichts. Stattdessen bot der Magistrat den Musikern das Sportheim Am Zipfen in Niederhadamar an. Das sei allerdings nicht nur "in ziemlich schlechtem Zustand", sagt Philipps. Vielmehr sind die "Räumlichkeiten für unsere Belange grundsätzlich ungeeignet". Dieses Gebäude nutzen zu können, erfordere eine geschätzte Investition von 400 000 Euro. Die hat der Verein nicht.

Mit hohen finanziellen Zuwendungen können die Musiker nicht rechnen. Im Gegensatz zu Sportlern und zu anderen ehrenamtlich Engagierten haben die Musiker keine Lobby, sagt Tanja Heuser. Trotz zweier Konzerte in Jahr, die jeweils ausverkauft sind und die mehr Besucher anlocken als alle Hadamarer Museen zusammen. Auch der Kreis hat sich bislang zurückgehalten. Auf Anfrage dieser Zeitung teilt dessen Sprecher Jan Kieserg allerdings mit, der Landkreis Limburg-Weilburg habe inzwischen Kontakt mit dem Vorstand des Musikvereins aufgenommen, "um Möglichkeiten einer Unterstützung auszuloten".

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