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Die Faulbacher Straße gleicht einer Autobahn, findet Sarah Valle. Um auf die dortige Gefahr beim Überqueren aufmerksam zu machen, hat sie sich als Sensenfrau verkleidet.

Verkehr

Hadamar: Anwohner kämpfen für einen Zebrastreifen

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Seit Jahren wird auf der Faulbacher Straße gerast - Das Überqueren bedeutet für Fußgänger ein Risiko

Faulbach -Die Not in der Ortsdurchgangsstraße von Faulbach ist groß. Das Gefahrenpotenzial ist riesig, sagt Sarah Valle. Die junge Frau wohnt mit ihrer Familie nahe der Bushaltestelle und nahe des Spielplatzes. Da würde sie mit ihrem kleinen Sohn gerne öfter hingehen. Nur geht das nicht, weil die Faulbacher Straße in ihrer Wahrnehmung einer Autobahn gleicht. Ein Fahrzeug nach dem anderen saust hier entlang. An das vorgeschriebene Tempo 50 halten sich die wenigsten. "Das sehe und höre ich täglich", sagt Sarah Valle und findet, so könne das nicht weitergehen.

Ungewöhnliche Aktion

Deshalb entschieden sie und ihre Mitstreiterin Lillith Winter sich für eine ungewöhnliche Aktion. Valle streifte sich das Kostüm eines Sensenmanns über, drapierte einen Kinderwagen mit blutverschmierten Laken und stellte sich an den Straßenrand bei ihrem Haus. In ihrer Hand hielt sie ein Schild mit der Mahnung "Zebrastreifen für Hadamar". Die Demonstration habe sie im Ordnungsamt der Stadt Hadamar und bei der Polizei in Limburg angemeldet. Einige Autofahrer hätten beim Vorbeifahren den Daumen nach oben gereckt. Das empfand sie als Zustimmung. Andere hätte sie fotografiert. Auch das ging ihrer Ansicht nach in Ordnung. Schade sei gewesen, dass weder Vertreter der Verwaltung noch der im Hadamarer Parlament vertretenen Fraktionen da gewesen seien. Auch von den Grünen, die in der nächsten Stadtverordnetenversammlung dabei sein wollen, sei niemand erschienen.

Verkehrszählung durchgeführt

Dass er bei dieser Aktion nicht dabei war, stimmt, sagt Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). Schließlich habe er von der Aktion überhaupt nichts gewusst. Ihm seien auch keine aktuellen Anfragen der Anwohner zu Verkehrsmaßnahmen in Faulbach bekannt. Vor zehn Jahren habe es einmal die Forderung gegeben, einen Übergang über die Hauptstraße einzurichten. Daraufhin sei eine Verkehrszählung durchgeführt worden. Das bestätigt auch Jan Kieserg, Sprecher des Landkreises. "Das Ergebnis der Zählung war, dass das Fußgängeraufkommen zu gering für die Anordnung eines Fußgängerüberwegs war."

Locker gelassen haben die Anwohner trotzdem nicht, sagt Regina Klein, die Nachbarin von Sarah Valle. Sie berichtet, dass sie manchmal eine Stunde brauche, ehe sie die Faulbacher Straße überqueren könne. Vor einem Jahr habe der Bürgermeister dann zugesagt, an der Ortsdurchgangsstraße einen mobilen Blitzer aufzubauen. Der war allerdings angeblich nur am späten Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr eingeschaltet, berichtet Klein. "Und da war natürlich der Hauptverkehr längst durch."

Abgefahrene Autospiegel

Auf ihren Hinweis, dass die "Uhrzeit sehr ungünstig" sei, habe der Bürgermeister nicht reagiert. Der unternahm dafür den Versuch, das Risiko durch eine Kunststoff-Mittelinsel als Überquerungshilfe zu dämpfen. Aber dieser Versuch "musste nach kurzem Einsatz abgebrochen werden, weil der Entwässerungsstreifen zwischen Fahrbahn und Bushaltestelle der Belastung des Schwerverkehrs nicht standhält", erklärt Ruoff.

Nach Auskunft von Regina Klein habe der Bürgermeister den Anwohnern in der Vergangenheit vorgeschlagen, ihre Autos nicht in den Einfahrten sondern am Straßenrand abzustellen. Das Ergebnis: Jede Menge abgefahrener Außenspiegel und Beulen in den Fahrzeugen, behauptet Klein. Deshalb sollen jetzt die Stadt und der Kreis endlich handeln und eine Lösung zur Verkehrsberuhigung finden, meinen die Frauen. Einen Zebrastreiben. Denn "auf eine Tempo-30-Zone im Ort haben die Faulbacher keine Lust", gibt Sarah Valle das Ergebnis einer Befragung der Anwohner wieder.

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