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Hadamar: Bürgerinitiative: "Jetzt sind wir wach"

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Von: Anken Bohnhorst

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ie Bürgerinitiative "Kieswerk" lässt nicht locker. Die Beeinträchtigung durch eine Erweiterung des Kieswerks wollen ihre Mitglieder nicht hinnehmen, die mangelhafte Informationspolitik der Stadt auch nicht.
ie Bürgerinitiative "Kieswerk" lässt nicht locker. Die Beeinträchtigung durch eine Erweiterung des Kieswerks wollen ihre Mitglieder nicht hinnehmen, die mangelhafte Informationspolitik der Stadt auch nicht. © Anken Bohnhorst

Schwere Vorwürfe gegen Magistrat und Bürgermeister - Zu wenig und zu spät informiert

Niederzeuzheim -Die Aussicht auf die Ausdehnung des Kieswerks am südlichen Ortsrand lässt den Niederzeuzheimern keine Ruhe. Sie fürchten mehr Schwerlastverkehr im Dorf und weniger Naherholungswert. Und sie fühlten sich vom Magistrat und von den Stadtverordneten im Stich gelassen, sagt Thomas Kühr, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) "Kieswerk".

Diese hatte sich im März formiert, nachdem in Niederzeuzheim bekannt geworden war, dass sich der Magistrat für eine Änderung des Regionalplans Mittelhessen und damit für eine Erweiterung des Kieswerks ausgesprochen hatte. Mit den Bürgern habe indes niemand gesprochen, sagt Kühr. Und das sorgte für Enttäuschung und Skepsis und zu der Ansage des BI-Sprechers: "Jetzt sind wir wach." Ab jetzt werde man sehr genau beobachten, was in und mit dem Kieswerk passiert.

Die Möglichkeiten waren bekannt

Aus Sicht von Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) haben die Niederzeuzheimer diese Möglichkeit allerdings bereits seit vergangenem Sommer. Denn durch seine Vermittlung habe Klaus Rohletter, Vorstandsvorsitzender der Albert Weil AG, zu der das Kieswerk gehört, im August 2021 den Ortsbeirat und die Bürger über die Pläne für das Unternehmen informiert. Auch der vom Regierungspräsidium Gießen entworfene Regionalplan Mittelhessen, der das Kieswerk miteinbezieht, war keineswegs ein Geheimdokument. Die Unterlagen wurden im Januar 2022 für rund zwei Monate offengelegt, damit sich auch die Bürger einen Überblick verschaffen und Anregungen abgeben oder Einwände erheben konnten, stellt Ruoff klar.

Außerdem sagt der Bürgermeister, "bei dem aktuell vorgelegten Raumordnungsplan handelt es sich um einen Entwurf, der sich derzeit in der ersten Offenlegungsphase befindet und vermutlich erst in zwei bis drei Jahren nach mehreren Änderungen beschlossen wird". Kein Grund zur Aufregung also.

Die Bürgerinitiative glaubt dennoch, dass die Entscheidung auf politischer Ebene längst gefallen ist - zuungunsten des Dorfes. Schließlich hat der Magistrat gemeinsam mit dem Planungsbüro und dem städtischen Bauamt Ende Februar die Prüfung und die Auswirkungen des Entwurfes beraten, bestätigt Ruoff. "Der sich daraus ergebende Entwurf einer Stellungnahme der Stadt wurde im Magistrat dargelegt und besprochen" sowie "einschließlich Änderungen, Korrekturen und Rückfragen einstimmig" beschlossen.

Stellungnahme an die Ortsbeiräte

Am 9. März, zwei Tage vor Ende der Offenlegung des Regionalplans, informierte die Verwaltung Ruoff zufolge die Ortsvorsteher, verwies auf einen Link mit dem aktuellen Plan und teilte den Gremien vor Ort mit: "Hiermit geben wir Ihnen die Stellungnahme des Magistrats zum Entwurf des Regionalplans Mittelhessen bekannt. Der Ausschuss für Bau, Digitales und Verkehr wird hierüber in seiner Sitzung am 29. März beraten." Auch die Ortsbeiräte könnten an der Sitzung teilnehmen, hieß es in dem Schreiben. In Niederzeuzheim schrillten die Alarmglocken. Man fühlte sich übergangen. "Parlament und Bürgermeister vertreten Interessen, aber nicht unsere", fasst Thomas Kühr die Stimmung zusammen, die zu jener Zeit im Ort aufzog und die zur Bildung der Bürgerinitiative führte.

Dass Kies das Gold der Baubranche sei, wisse er, sagt Kühr. Nur nütze das wenig, wenn landwirtschaftliche Flächen und damit potenzielle Anbaumöglichkeiten für Getreide vernichtet würden, gibt er die Meinung seiner Mitstreiter wieder und fragt: "Wo sind die Ausgleichsflächen?" Die Stadt setze allein auf die wirtschaftlichen Interessen des Kieswerkbetreibers. Dabei habe Niederzeuzheim auch in der Vergangenheit von dem Unternehmen "nie finanzielle Vorteile" eingestrichen. Auch die Vorstellung sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen durch die Kieswerkerweiterung überzeugt die Bürgerinitiative nicht. Erst recht sauer sind sie, weil sie mehr innerörtlichen Schwerlastverkehr fürchten.

Dass eine Erweiterung der Betriebsstätte mehr Transporte erfordert, liegt auf der Hand. Und tatsächlich haben sich die Pläne dahingehend inzwischen konkretisiert. Bei einem Ortstermin hatte Kiesgruben-Inhaber Rohletter die Vorstellungen seines Unternehmens dargelegt und angekündigt, dass die derzeitige Abbaumenge von jährlich 30 000 Tonnen verdoppelt werden soll.

Klaus Rohletter hatte aber auch erklärt, dass die Realisierung dieser Option ein Verkehrskonzept voraussetzt, das derzeit entwickelt wird. Zwei Transportvarianten hatte er vorgestellt, eine weitere werde derzeit geprüft. Keine der möglichen Routen führt durch Niederzeuzheim.

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