Ein Kartoffelwurf endete 1994 vor dem Hadamarer Amtsgericht. Jahre später lieferte die tolle Knolle dann sogar Stoff für ein Fernsehquiz.
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Ein Kartoffelwurf endete 1994 vor dem Hadamarer Amtsgericht. Jahre später lieferte die tolle Knolle dann sogar Stoff für ein Fernsehquiz.

Skurrile Angelegenheit

Hadamar: Das Geheimnis des Kartoffelwurfs

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Ein Urteil des Amtsgerichts schafft es in eine Fachzeitschrift, trotzdem erinnert sich niemand

Hadamar -Die Fernseh-Quizshow "Wer weiß denn so was" hat der Stadt Hadamar vor Kurzem einen Popularitätsschub verpasst. Gefragt wurde nach einem Urteil des dortigen Amtsgerichts aus dem Dezember 1994, bei dem es um eine Hofeinfahrt, ein Auto und um eine Kartoffel geht, die in Notwehr geworfen wurde. Allein die Zutaten, die zu diesem Fall führten, sind bemerkenswert.

Noch skurriler wird die Angelegenheit allerdings dadurch, dass sich kein Nachbar oder Gemeindevertreter findet, der sich an die Angelegenheit erinnert. Auch im Rathaus der Stadt hat die Nachfrage nach möglichen Details oder wenigstens dem genauen Tatort keine Erinnerungen an die Oberfläche gespült. Anlass für diese Zeitung, die Umstände jenes Kartoffelwurfs auszuleuchten.

Fahrzeughalter wurde zornig

Der Sachverhalt, mit juristischer Nüchternheit dargestellt, war so: In einem der Stadtteile lebte ein Mann, auf dessen Grundstück eine Hofeinfahrt eingerichtet war, die nicht abgeriegelt werden konnte. Das veranlasste einen anderen Mann, mit seinem Auto regelmäßig in der fremden Hofeinfahrt zu wenden. Dem Eigentümer gefiel das nicht. Zwischen den Herren entspann sich ein Disput, der das Wendeproblem nicht löste. Deshalb munitionierte sich der Eigentümer mit einer Kartoffel und bewarf das Auto des anderen damit. Das Fahrzeug erlitt eine Delle. Jetzt war der Fahrzeughalter zornig und erstattete Anzeige gegen den Werfer. Zu einer außergerichtlichen Einigung kam es nicht. Die Herren trafen sich vor dem Amtsgericht Hadamar.

Gericht urteilt: Ein Fall von Notwehr

Dort argumentierte der Prozessbevollmächtigte des Beklagten, der Hadamarer Anwalt Bernd Schütz, sein Mandant habe in Notwehr gehandelt. Weitere Einzelheiten wie etwa Namen oder Adresse seines Mandanten hat Schütz nicht mehr. Die Handakte sei längst vernichtet worden, sagt er. Woran er sich aber erinnert, ist das Urteil. Denn das Amtsgericht entschied, der Kartoffelwurf ist eine "Notwehrmaßnahme gegen den unberechtigt in der Einfahrt wendenden Pkw". Die Zahlungsklage des Fahrzeughalters wurde abgewiesen. Ob und wie sich das Miteinander der beteiligten Herren anschließend gestaltete, ist nicht bekannt.

Anwalt Schütz schickte damals das Urteil an eine juristische Fachzeitschrift, die es veröffentlichte. Immerhin sei der Fall auch lustig gewesen, sagt der Jurist. Und ganz und gar nicht alltäglich, bestätigt Hartmut Kuhl, ehemals Richter am Amtsgericht Hadamar und zu jener Zeit bereits dessen Direktor. Ein junger Kollege habe die Angelegenheit damals betreut, berichtet er. Und weil das nun wirklich ungewöhnlich gewesen sei, habe man darüber auch in der täglichen Kaffeerunde diskutiert.

Nur gehe es bei Gesprächen unter Juristen eben zumeist sachlich zu. Wo sich der Kartoffelwurf zugetragen habe, wisse er nicht. Dass es in der Kernstadt oder Niederhadamar gewesen sein soll, hält Kuhl für unwahrscheinlich. Bleiben die Stadtteile Ober- und Niederweyer, Ober- und Niederzeuzheim und Steinbach. Der Steinbacher Ortsvorsteher Michael Hofmann verneint. Von einem derartigen Zwischenfall habe er nie gehört. Auch ein älteres Ehepaar, das seit Jahrzehnten im Dorf lebt, kennt den Kartoffelwurf nicht. Ebenso wenig wie Karin Stähler, Ortsvorsteherin in Oberzeuzheim. Sie sagt, ein Spektakel dieses Ausmaßes sei vermutlich an jeder Straßenecke besprochen worden. Da das nicht passierte, scheide Oberzeuzheim aus. Das gilt auch für Niederzeuzheim, wo der Erste Stadtrat Bernd Groh lebt und nichts davon mitbekommen hat.

Bleiben Nieder- und Oberweyer, für die Heribert Jeck spricht, aber auch nichts über den Kartoffelwurf weiß. Dass Niederweyer dennoch als Ortsmarke nicht ganz abwegig ist, räumt Richter a. D. auf erneute Nachfrage Kuhl ein. Doch, meint er sich dunkel zu erinnern, "da könnte es vielleicht gewesen sein." Die Details mögen in einem weiteren Quiz verarbeitet werden.

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