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Hadamar: Der langfristige Pflegefall Wald

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Von: Anken Bohnhorst

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Wie sieht's aus im Wald von Niederhadamar? Förster Frank Zabel erklärt die Baumlage.
Wie sieht's aus im Wald von Niederhadamar? Förster Frank Zabel erklärt die Baumlage. © Anken Bohnhorst

Frank Zabel vom Forstservice Taunus führt durch den Forst bei Niederhadamar

Niederhadamar -Bevor der Erkundungsgang in den Wald beginnt, müssen die ökologischen und ökonomischen Grundlagen erklärt werden, findet Frank Zabel und listet den Bestand auf: 37 Prozent der Bäume sind Buchen, sagt er. Fichten machen immerhin 18 Prozent aus, sind aber stark beeinträchtigt und somit rückläufig. Der Anteil von Eichen und Edelhölzern liegt ebenfalls jeweils im zweistelligen Bereich, Lärche, Douglasie und Kiefer gibt es hier eher wenig. Verluste muss man bei allen Baumarten hinnehmen, besonders schlimm als zu Jahresbeginn 2018 Orkantief Friederike über das Land hinwegfegte und großflächig Stämme abknickte. Nur habe man damals noch gedacht, der Markt werde das Windwurf-Holz aufnehmen und den wirtschaftlichen Schaden etwas abpuffern, sagt Zabel. "Aber so war es nicht." Der Holzmarkt brach ein. Die Geschäfte liefen komplett aus dem Ruder. Der Festmeter für Fichte etwa wurde innerhalb weniger Monate von knapp 93 Euro auf 27 Euro kleingesägt.

Das nicht verarbeitete Holz blieb liegen - im Winter und im Frühjahr. Dann kam der "Jahrhundertsommer 2018". Mensch, Tier und Baum ächzten unter der Hitze. Der Borkenkäfer nicht. Bis zu vier Borkenkäfer-Generationen haben sich in jenem Sommer ausgebreitet, berichtet Forstfachmann Zabel. "Dass sich diese Situation nochmal ändern würde, glaubten wir nicht." Es geschah dennoch. Die Nachfrage nach Holz zog an. Seit Anfang 2021 sei ein Preisanstieg zu verzeichnen, berichtet Frank Zabel. "Der Markt hat sich gewandelt." Rund 120 Euro werden derzeit für einen Festmeter Fichtenholz verlangt.

Trotzdem hat der wirtschaftliche Aufschwung zu einem Umdenken geführt. Auch bei der Verwaltung, die jetzt weniger auf Vermarktung als auf Renaturierung setzt. Sehr genau werde darauf geachtet, wie viel Holz dem Wald entnommen wird. Höchstens 3600 Festmeter dürfen hier jährlich geerntet werden, erklärt der Mann vom Forstservice Taunus. Auf jede Baumart entfällt ein festgelegter Anteil, der ausgeschöpft, also geerntet werden könnte. Tatsächlich aber entnehme man aber längst nicht so viel, schließlich soll der Wald erhalten, in seinem Bestand günstigstenfalls verbessert werden. Daher werden beispielsweise nicht die möglichen 2400 Festmeter Buche entnommen, sondern nur gut die Hälfte. Die Balance muss gewahrt bleiben. Darum geht es und nicht darum, den Wald leer zu räumen. Frank Zabel sagt: "Wir gehen da sehr moderat dran."

Junge Triebe hinter dem Lattenzaun

Wie moderat, ist ein paar Meter weiter im Wald zu besichtigen. Ein großes Areal erstreckt sich am Wegrand. Hinter einem Holzlattenzaun angepflanzt sind junge Eichen, Hainbuchen und Vogelkirschen, die hier gewissermaßen ihre Kinderstube haben. Geliefert haben die Bäume drei Baumschulen, die für ihre Pflanzen Herkunftsnachweise vorlegen konnten. Auch das sei wichtig, betont Zabel. Die Qualität der Kultur muss stimmen. Das Natur-Ambiente ebenfalls, weshalb der Forstservice Wert darauf legt, dass die jungen Triebe nicht mit Kunststoff oder dünnem Maschendrahtzaun umwickelt werden, um Wildverbiss abzuwehren. Im Wald von Niederhadamar haben sich die Fachleute für einen Holzzaun entschieden. Wenn der nicht mehr gebraucht wird, verrottet er, sagt Zabel. Außerdem sei durchaus vorstellbar, dass die Latten des etwa 300 Meter langen Gatters von Holz aus genau diesem Wald stammen. Und noch etwas wird auf dieser Fläche deutlich: Zwischen den jungen aufstrebenden Stämme liegen auch alte. Totholz sei ein begehrter Lebensraum, stellt Zabel klar. Deshalb bleibe das, was der Förster "Geläsch" nennt, auf der Fläche. Mehr Nachhaltigkeit ist kaum möglich.

Ein weiteres Credo des Fachmanns lautet: "Der Wald soll so durchmischt sein wie möglich." Daher sind hier auch Baumarten vorstellbar, die man bislang nicht antrifft. Esskastanien beispielsweise oder Speierling. Vorrangig aber ist, den Bestand zu beobachten. Die Buche etwa, der es nicht gut geht, "aber auch nicht so schlimm wie andernorts", was auf den Boden zurückzuführen ist, der sich andernorts ebenfalls in schlimmerem Zustand befindet. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Verkehrssicherungspflicht, sagt Zabel. Also dem Risiko, dass ein von Trockenschäden gezeichneter Baum umstürzt.

Das darf nicht passieren. Deshalb wird der Wald regelmäßig abgeschritten und gepflegt. Bäume werden "geastet", damit nicht abgeworfene Totäste nicht in den Stamm einwachsen, und nur wenn es sich nicht vermeiden lässt, werden Stämme gefällt, sagt Waldexperte Zabel vom Forstservice Taunus.

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