Abfahrt: Nach mehr als einem Jahr verlässt der Zirkus Jonny Alexis Hadamar. Die Fahrt führt nach Dreikirchen.
+
Abfahrt: Nach mehr als einem Jahr verlässt der Zirkus Jonny Alexis Hadamar. Die Fahrt führt nach Dreikirchen.

Wegen Corona-Pandemie gestrandet

Zirkus Jonny Alexis verlässt Hadamar im Streit

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
    schließen

Gut 13 Monate musste der Zirkus Jonny Alexis aufgrund der Corona-Pandemie in Hadamar verweilen. Nun zieht er weiter - und hinterlässt verbrannte Erde.

Hadamar – Etwas mehr als ein Jahr gastierte der Zirkus Jonny Alexis in Hadamar. Jetzt hat die Truppe von Cindy Mayer Koffer und Kisten gepackt, das Zelt abgebaut, die Manege eingerollt und die Tiere in den mobilen Ställen verladen. Jonny Alexis zieht weiter. Der nächste Aufenthaltsort ist nur ein paar Kilometer entfernt im rheinland-pfälzischen Dreikirchen.

Besonders schwer fällt den Zirkusleuten der Abschied aus Hadamar nicht. „Wir sind dankbar für die Unterstützung, die wir hier erfahren haben“, sagt Cindy Mayer. Allerdings habe es während der letzten Wochen zwischen ihr und der Stadtverwaltung ein wenig geruckelt. Ordnungsamt und Magistrat hätten die Truppe unter Druck gesetzt, „damit wir den Platz kurzfristig verlassen“, berichtet Mayer. Dabei wären sie ohnehin nie so lange geblieben, „hätte uns Corona nicht ausgebremst“.

Zirkus erhielt in Corona-Zeit Unterstützung der Stadt Hadamar und zahlreicher Bürger

Die Stadtverwaltung sieht das anders. „Ein Jahr lang haben wir dem Zirkus Strom und Wasser spendiert“, sagt der Erste Stadtrat Bernd Groh (SPD). Das summierte sich monatlich zu einem dreistelligen Betrag. Außerdem standen Fahrzeuge, Zelt und Berge von Heu für die Tiere auf städtischem Grund, wofür die Verwaltung ebenso wenig Kosten in Rechnung stellte wie für die Müllabfuhr.

Immer war die Stadt zu Zugeständnissen bereit. Zunächst hatte sich der Zirkus auf dem Parkplatz am Freibad in der Hexenschlucht niedergelassen. Als das Freibad im Corona-Sommer dennoch für ein paar Wochen öffnete, zog die Truppe nach Faulbach und kehrte schließlich im Herbst zum Schwimmbad zurück.

Unterstützung erhielt die Großfamilie von Bürgern, die Lebensmittelspenden brachten, und von Bauern, die die Tiere mit Futter versorgten. Und eben von der Stadt, die die Infrastruktur des Betriebs aufrechterhielt und in der Vorweihnachtszeit auch eine Geldspende vorbeibrachte.

Hadamar: Zirkus hatte aufgrund der Corona-Pandemie die Zugmaschinen abgemeldet

Dass er sich da im Laufe der Monate nach der Perspektive der Zirkusfamilie erkundigt habe, sei doch durchaus verständlich, findet Stadtrat Groh. Nur habe Cindy Mayer das nicht verstanden. Sie erklärte, die Zugmaschinen für das große Gerät seien abgemeldet und daher nicht einsatzbereit.

Die Stadt bot daraufhin eine weitere finanzielle Hilfe an und wollte die Fahrzeuge instand setzen und dorthin abschleppen, wohin Jonny Alexis wollte. Das sei für sie aber nicht in Frage gekommen, sagt Mayer. Die Familie habe ihren Stolz. Sie lasse sich nicht abschleppen. Und wohin überhaupt? Die Meldeadresse der Familie in Hachenburg gehöre zu einem mehr oder minder verfallenen Haus, das aber keineswegs die Heimat des Zirkus darstelle. Dahin habe man nicht fahren können. Aber „wie sollten wir in Corona-Zeiten einen anderen Stellplatz finden“, fragt die Zirkusfrau. Die Stadt habe dieser Einwand nicht interessiert, sagt sie.

Zirkus: „Stadt wollte uns unbedingt loswerden“

Ebenso wenig wie die Geburt eines Lama-Babys wenige Tage vor Ostern. Dabei habe ein Veterinär bestätigt, dass das junge Tier vorerst nicht transportfähig sei, sagt Cindy Mayer. Das hätten sie und ihre Schwiegermutter dem Stadtrat Groh deutlich zu machen versucht. Und bei diesem Gespräch sei es laut geworden, räumt sie ein. Schön war das nicht, sagt Cindy Mayer.

Trotzdem: „Wir konnten nicht abfahren“, wegen des Baby-Lamas, „aber die Stadt wollte uns unbedingt loswerden“, so die Zirkusfrau. Magistratsmitglied Groh bleibt bei seiner Überzeugung und hält dagegen: Mehr als ein Jahr habe die Stadt dem Zirkus „immer Hilfestellung gewährt“. Dass sich das nicht zum Dauerzustand auswachsen könne, sei doch wohl klar. Und dass sich der Zirkus jetzt als undankbarer Gast verabschiede, sei unerfreulich. (Anken Bohnhorst-Vollmer)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare