Am Alten Sportplatz an der Waldstraße in Oberzeuzheim könnte ein kleines Neubaugebiet entstehen.
+
Am Alten Sportplatz an der Waldstraße in Oberzeuzheim könnte ein kleines Neubaugebiet entstehen.

Diskussion um Baugebiete

Hadamar: Erst nachverdichten, dann neu bauen

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
    schließen

Fraktionen plädieren für sensiblen Flächenverbrauch

Hadamar -Sollen in der Stadt weitere Baugebiete ausgewiesen werden und wenn ja, wo? Darüber führten die Mitglieder des Bauausschusses in ihrer jüngsten Sitzung eine lebhafte Diskussion. Denn geht es nach dem Willen der FWG, dann sollen in Oberzeuzheim südlich der Bahnhofstraße sowie am Alten Sportplatz und in Niederzeuzheim östlich des Baugebiets "Zum Gänsacker" Flächen für Wohnungsbau ausgewiesen werden.

Nach der Vorstellung von CDU, WfH und Bündnis 90/Die Grünen schnurrt das Vorhaben dagegen auf das Areal am Alten Sportplatz zusammen. Und die SPD will die Bauvorhaben zunächst per Prüfantrag an die Verwaltung weitergeben. Das Ergebnis ist deutlich: CDU, WfH und Bündnis 90/Die Grünen setzen sich durch, die SPD schließt sich an. Ein Bebauungsplan soll nur für den Alten Sportplatz an der Waldstraße in Oberzeuzheim entwickelt werden.

Zunächst wird die Debatte allerdings grundsätzlich. Denn zur Erschließung von neuem Wohnraum seien "grundlegende Anmerkungen" nötig, sagt Anke Föh-Harshman von den Bündnis-Grünen. "Wir sehen die fortschreitende Versiegelung von Acker- und Grünflächen an den Ortsrändern zunehmend kritisch." Durch die Bautätigkeit stünden immer weniger Flächen als Ackerland also zur Nahrungserzeugung zur Verfügung, Biodiversität und Artenvielfalt würden schwinden. Gleichzeitig steige die Nachfrage nach Wohnraum. Auflösen lasse sich dieses Spannungsverhältnis durch ein "städtisches Anreizsystem, um den Landverbrauch um die Dörfer herum nicht auszuweiten, bevor nicht alle Möglichkeiten in den Dörfern genutzt wurden", empfiehlt die Grünen-Politikerin. Zusammengefasst heißt das, innerorts soll nachverdichtet, Häuser, die leer stehen, zum Kauf angeboten werden.

Föh-Harshmans Fraktionskollege Christoph Speier geht einen Schritt weiter. Es müsse "dringend in eine Diskussion zur Stadtentwicklung" eingestiegen werden, fordert er. Darüber hinaus habe seine Fraktion bereits Vorarbeit geleistet und sich in der Stadtteilen einen Überblick über leerstehende Gebäude verschafft. Die zu erfassen sei nach seiner Auffassung allerdings eher Sache der Verwaltung.

"Eigentümer nicht zwingen"

Das findet Bernhard Pietsch, Fraktionsvorsitzender der CDU im Hadamarer Stadtparlament, nicht. Es sei keineswegs notwendig, "dass die Grünen jetzt losgehen und leere Grundstücke und Häuser zählen", und es sei unfair zu behaupten, die anderen Fraktionen hätten sich in der Vergangenheit nicht um Nachverdichtung in den Ortskernen bemüht. Das sei keine Grünen-Erfindung. Vielmehr setze seine Partei auf die sozialen Bindungen und Verbindungen in der Stadtteilen. "Die Menschen sprechen miteinander. So läuft das."

Föh-Harshman bleibt dabei. Man müsse die Eigentümer dazu "bringen, nicht zwingen", ungenutzte Grundstücke nicht aufzusparen, sondern anzubieten. Sollte sich bei den Besitzern allerdings keine Einsicht und Verkaufsabsicht einstellen, wie FWG-Sprecher Gerd Korn befürchtet, dann müsse man darauf hinweisen, dass Eigentum verpflichtet, sagt die Grünen-Politikerin. Vor dem Hintergrund ihrer "grundlegenden Anmerkungen" werde ihre Fraktion nur dem Bauvorhaben am Alten Sportplatz in Oberzeuzheim zustimmen, weil nur hier eine innerörtliche Nachverdichtung stattfinde.

CDU-Mann Pietsch positioniert sich ähnlich. Man werde künftig "nicht mehr so große Baugebiete ausweisen wie in den vergangenen Jahren", sondern "sehr differenziert" vorgehen. Unter diesem Aspekt könne seine Fraktion einem Bauprojekt am Alten Sportplatz zustimmen. Pietsch spricht von einem städtebaulichen Lückenschluss. Tatsächlich geht es hier nach Auskunft von Brit Kuhl-Wengenroth vom städtischen Bauamt um neun Grundstücke auf einer Gesamtfläche von rund 6000 Quadratmeter.

Das sei ein sinnvoller Schritt, sagt Pietsch. Man müsse die Entwicklung in diesem Areal abwarten, ehe man über ein weiteres Vorhaben südlich der Bahnhofstraße in Oberzeuzheim entscheide.

Eine Absage erteilt der CDU-Fraktionsvorsitzende indes dem Vorhaben in Niederzeuzheim. Er wundere sich über den Antrag der FWG, weil in der Heerstraße in Niederzeuzheim 15 Bauplätze ausgewiesen worden seien. Die Notwendigkeit weitere Wohnflächen zu schaffen, sehe er nicht. Außerdem ist das Gebiet östlich des Baugebiets Gänsacker in Niederzeuzheim ökologisch wertvoll, betont Pietsch. Stadtrat Bernd Groh (parteilos) hatte in der Bauausschusssitzung angeregt, nicht über Bebauungspläne zu diskutieren, sondern auch die Verkehrsplanung im Blick zu behalten. Sein Rat: "Der Bürgermeister soll erst einmal Auskunft geben."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare