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Die neue Ausstellung in der Gedenkstätte Hadamar stellt Frauen vor, die in der NS-Zeit Widerstand leisteten. foto: kaminsk

Hadamar: Frauen bewiesen Mut und Kreativität im Widerstand

Ausstellung "Nichts war vergeblich" in der Gedenkstätte eröffnet

In der öffentlichen Wahrnehmung waren es zumeist männliche Parteimitglieder, die in den Jahren 1933 bis 1945 aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten. "Doch ohne mutige Frauen im Hintergrund hätte die Infrastruktur des Widerstandes gar nicht funktioniert", erklärte Thomas Altmeyer vom Studienkreis Deutscher Widerstand bei der Eröffnung der Ausstellung "Nichts war vergeblich" am Montagabend in der Gedenkstätte Hadamar. Heute gehe man davon aus, dass jede fünfte Person unter den Widerständlern weiblich gewesen sei.

Anhand persönlicher Schicksale machte Altmeyer deutlich, auf welch vielfältige und kreative Weise Frauen ihren Widerstand gegen die Obrigkeit leisteten. Zum Beispiel von Lore Wolf, die sich der verbotenen KPD und einer Organisation, die Gegnern des Regimes Unterstützung leistete, angeschlossen hatte: Getarnt als fleißige Sekretärin fertigte sie die Matrizen für Flugblätter an, die in der Bevölkerung tausendfach zum Widerstand gegen Hitler und seine Helfer aufriefen.

Wochenendhaus als Versteck

Oder Studienrätin Elisabeth Schmitz, die im Sommer 1935 eine Denkschrift "Zur Lage der deutschen Nichtarier" verfasst hatte und schon frühzeitig verdeutlichte, dass in Deutschland die Ausrottung des Judentums angestrebt wird.

In den folgenden Jahren half Elisabeth Schmitz verfolgten und untergetauchten Juden, indem sie unter anderem ihr Wochenendhäuschen als Versteck zur Verfügung stellte.

Ganz anders Änne Meier, die nach ihrem Studium an einer Katholischen Sozialen Frauenschule als Fürsorgerin arbeitete und im Rahmen ihrer Tätigkeit über die damals noch unheilbare Tuberkulose forschte. Ihre Studien und erbbiologischen Stammbäume erregten das Interesse der NS-Gesundheitsbeamten. Änne Meier verweigerte jedoch die Herausgabe ihrer Unterlagen, denn sie ahnte, dass diese Daten als Rechtfertigung missbraucht würden, um behinderte Menschen aufzuspüren, sie zu vernichten oder zumindest dafür zu sorgen, dass durch Sterilisation weiterer Nachwuchs verhindert würde.

Auch über Charlotte Israel berichtet die neue Ausstellung. Ihr Ehemann Julius war im Rahmen der "Fabrik-Aktion" verhaftet worden und sollte deportiert werden. Charlotte Israel kämpfte mit anderen Ehefrauen erfolgreich für die Freilassung und konnte ihre "arische" Erscheinung mit blonden Haaren und blauen Augen vielfältig nutzen, um jüdischen Familienmitgliedern und Freunden zu helfen.

Auch Gerda Taro kämpfte gegen das Regime, indem sie zum Beispiel Plakate gegen Hitler an Hauswände klebte. Vor Gericht spielte sie das unbedarfte junge Mädchen. Sie kam frei und floh nach Paris, wo sie den ungarischen Fotografen André Friedmann kennen und lieben lernte. Er wurde als wagemutiger Kriegsfotograf berühmt, Gerda Taros Name hingegen verblasste, obwohl sie ihrem Freund im Festhalten des wahren Augenblicks ebenbürtig war.

"Im damaligen Verständnis der Frauenrolle unterschieden sich die Handlungsmöglichkeiten der Geschlechter im Widerstand erheblich", erklärte Thomas Altmeyer. Dabei hätten die Frauen in Bezug auf ihre Courage den Männern nicht nachgestanden.

Flugblätter verteilt

Nachdem immer mehr Männer eingezogen wurden, hätte sich deutlich gezeigt, dass Widerstand auch von Frauen möglich war. Viele von ihnen seien bereits in der Arbeiterbewegung aktiv gewesen oder hätten in kommunistischen oder sozialistischen Organisationen Erfahrungen bei der politischen Arbeit gesammelt. Sie stellten Quartiere für untergetauchte Funktionäre zur Verfügung oder erlaubten Flüchtlingen, die eigene Wohnung als Anlaufstelle zu nutzen. Sie verteilten Flugblätter, verweigerten die Zwangsverpflichtung in der Rüstungsindustrie, organisierten Verstecke, schrieben Gnadengesuche, zeigten im KZ Solidarität mit ausländischen Gefangenen oder schenkten mit kleinen Handarbeiten oder Gedichten ein kurzes Vergessen der Not.

Die Ausstellung "Nichts war vergeblich" geht in 18 Biografien auf den Einfluss von Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ein. Zu sehen ist sie bis zum 15. November in der Gedenkstätte Hadamar während der regulären Öffnungszeiten. Um vorherige Anmeldung unter (0 64 33) 91 71 72 wird gebeten. Von Kerstin Kaminsky

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