Schwimmen im Kreisverkehr. Ute Hartmann aus Hadamar gefällt's.
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Schwimmen im Kreisverkehr. Ute Hartmann aus Hadamar gefällt's.

Schwimmbad in der Hexenschlucht

Hadamar: Freibad erlässt strenge Corona-Regeln

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Seit gut zwei Wochen hat das Freibad geöffnet. Das strenge Hygienekonzept und die Corona-Regeln werden eingehalten, sagt der Bademeister.

  • Schwimmbad in der Hexenschlucht ist trotz Corona wieder geöffnet
  • Hadamar: Strenges Hygienekonzept wird umgesetzt
  • Freibad Hadamar: Sonne treibt die Gäste auch in Corona-Zeiten ins Schimmbad

Hadamar -Nicht alles, was in diesem Sommer geschieht, hat mit dem Coronavirus zu tun. Das Wetter zum Beispiel, das nicht wirklich schlecht ist, aber eben auch nicht so, dass die Menschen in Hundertschaften die Freibäder stürmen. Anders gesagt: "Dass hier nicht mehr los ist, liegt nicht am Virus, sondern an den Außentemperaturen", stellt Peter Weyer, seit vielen Jahren Schwimmmeister im Freibad in der Hexenschlucht, klar.

Ohne Corona-Einschränkungen kämen bei diesen Bedingungen auch nicht mehr Badegäste. "Die Leute wollen baden, in der Sonne brutzeln und braun werden." Dafür müsste das Thermometer noch ein paar Grad noch oben klettern und zwar dauerhaft. Erst dann würde die im offiziellen Hygienekonzept festgelegte Obergrenze von Schwimmern und Sommerschwärmern vermutlich erreicht. Die Kapazität würde von zunächst 200 Gästen auf 300 je Badeschicht erhöht - vorausgesetzt, alle halten sich an die Regeln. Aber so weit ist es ja noch nicht.

Schwimmen in Corona-Zeiten: Kreisverkehr zum Abstand halten

"An der 100-Personen-Marke haben wir schon mal gekratzt", sagt Weyer. Und für die Schwimmer, die im Kreisverkehr zwischen Startblöcken und Sprungturm pendeln sollen, möglichst ohne einander per Armzug oder Beinschlag nahe zu kommen, sei das leere Becken im Freibad in Hadamar ohnehin ideal. Das bestätigt Ute Hartmann. Seit 1999 hat sie in jedem Frühling eine Jahreskarte gekauft und alle gesammelt. In diesem Sommer werden ein paar Zehnerkarten dazukommen, weil die Stadt keine Dauerkarten ausgibt. "Wer weiß, was noch kommt", sagt sie.

Daran, dass das Freibad zum Corona-Hotspot wird und spontan geschlossen werden müsste, mag Ute Hartmann nicht denken. Sie freut sich über die "perfekten Bedingungen", die im Moment herrschen. Lediglich ein einzelner Herr paddelt im Augenblick in Rückenlage mit ihr im Kreisverkehr des Schwimmerbereichs. "Das ist natürlich herrlich", sagt Ute Hartmann.

Freibad Hadamar: Schimmen während Corona ein großer Spaß

Für sie ist das Corona-Schwimmen ein großer Spaß. "Was will man mehr?" Dazu fiele den drei jungen Männern am Beckenrand schon etwas ein. Mehr Spaß hätten sie zum Beispiel, wenn sie rutschen, vom Drei-Meter-Brett springen und mit einer "Arschbombe" die Mädchen am Beckenrand beeindrucken könnten. Aber wo sind die Zuschauer vom Beckenrand überhaupt? Zum Rumhängen ist niemand da, "weil man nicht weiß, ob das überhaupt geht", sagt einer. Nur dass man eben nicht auf den Sprungturm darf, das steht fest. "Sind in drei Metern Höhe mehr Corona-Viren als hier unten?"

Klare Regeln im Freibad Hadamar wegen Corona

Das alles sei schon etwas nervig. Auch dass man wie "bei einer Polonaise durchs Bad marschieren muss", um ins Wasser zu gelangen: Nach der Kasse die Treppe hoch, an den Umkleiden vorbei und durch ein Fußbecken waten. Nichtschwimmer links, Schwimmer rechts, und wenn man aus dem Wasser steigt, erst mal das Becken umrunden, um eine Treppe abwärts auf die Liegewiese zu gelangen. Alles sei in diesem Sommer "echt kompliziert", sagt ein anderer der drei Burschen, die in großräumigen Badeshorts ein paar Schwimmbadwellen schlagen. Aber sie kommen trotzdem. "Wir haben Ferien. Was sollen wir sonst machen?" Cool wäre natürlich, wenn man hier auch ein paar Mädchen kennenlernen könnte.

Das ist an diesem Tag in Hadamar allerdings schwierig, sofern die Mädchen jung, aber nicht mehr klein sein sollen. Denn kleine Mädchen in Regenbogen-Bikinis gibt es im Moment gerade reichlich. Die können allerdings noch nicht lesen und spazieren entgegen der Einbahnstraße. Auch die begleitende Mutter beachtet weder Beschilderung noch Absperrbänder. Sie sucht ein sonniges Plätzen für ihr Handtuch. Ja, räumt ein kräftiger Security-Mann namens Jörg ein, "manchmal muss man mit den Leuten reden, freundlich, aber deutlich. Dann klappt's." Auch am Planschbecken, das nicht mehr als zehn Badegäste gleichzeitig aufnehmen sollte. Man müsse halt die Augen offenhalten, sagt der Security-Mann.

Security im Freibad Hadamar zufrieden mit den Gästen

Allerdings ist manche Situation schwierig zu beurteilten. Zum Beispiel als zwei Kinder, die längst das Seepferdchen-Alter hinter sich haben, durchs Planschbecken pflügen und dann rasch zum Schwimmerbecken laufen. Zählt rasches Durchqueren des Bassins als Planschen? Die Besonderheit der Bade-Atmosphäre ist nicht zu übersehen. Stört das? Jennifer Ebrahimi, eine junge Frau unter einem Sonnensegel, überlegt und entscheidet sich für: "Nein, eigentlich ist alles in Ordnung." Eine Babywippe wäre gut. Aber die gab es auch vor Corona nicht. Nur dass der Kiosk geschlossen bleiben muss, das sei schade. Aber auch damit habe sie sich arrangiert und genug Proviant für den Schwimmbadbesuch mit ihren drei Kindern mitgebracht. Grund zum Jammern gibt es für sie nicht. Für Security-Mann Jörg auch nicht. Zwischenfälle gab es bislang nicht. Dazu könnte es auch gar nicht kommen, meint er. "Wir sind personell gut ausgestattet."

Das sei auch nötig, sagt Schwimmmeister Peter Weyer, weil für das Reinigungsintervall zwischen den Schichten jeder gebraucht würde. Schließlich müssen alle Flächen, die von Gästen angelangt werden, desinfiziert werden. Umkleiden, Sanitäreinrichtungen, sämtliche Handläufe. Eine Stunde, von 14 bis 15 Uhr ist dafür Zeit. Denn dann kommen die nächsten Gäste. Und wenn sich das Wetter weiterhin sommerlich warm entwickelt, wird es demnächst voller im Hadamarer Freibad.

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