Springen nein, schwimmen ja, aber nur im Kreisverkehr. Bürgermeister Michael Ruoff (CDU), Andreas Gravelius mit seiner Kollegin Diana Fuchs und Schwimmmeister Peter Weyer sind dennoch zufrieden.Hadamar
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Springen nein, schwimmen ja, aber nur im Kreisverkehr. Bürgermeister Michael Ruoff (CDU), Andreas Gravelius mit seiner Kollegin Diana Fuchs und Schwimmmeister Peter Weyer sind dennoch zufrieden.Hadamar

Kommunalpolitik

Hadamar: Das Freibad wird am kommenden Montag eröffnet:

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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SPD und WfH fürchten riesiges HaushaltslochDas Freibad in der Hexenschlucht wird geöffnet. Das beschlossen die Stadtverordneten nach einer hitzigen Diskussion mit den Stimmen von CDU und FWG. Die Fraktionen von SPD und WfH sprachen sich gegen den Betrieb des Freibades in diesem Jahr aus.

Hadamar -Am kommenden Montag, dem ersten Tag der Schulferien, ist es so weit. Um zehn Uhr öffnet das Freibad für die ersten 200 Badegäste der Saison. Bis 14 Uhr darf geschwommen und geplanscht werden. Dann wird das Bad eine Stunde lang gereinigt, ehe von 16 bis 19 Uhr die zweite Badeschicht eingelegt wird. Ein ausgeklügeltes Hygiene- und Abstandskonzept, dessen Sinnhaftigkeit das Gesundheitsamt schriftlich bestätigt habe, mache den Betrieb möglich, erläuterte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) in der Parlamentssitzung. Danach habe man "die Höchstzahl der Badegäste für die Liegefläche mit 1900 Personen und für die Wasserfläche mit 127 Personen errechnet". Dennoch werde der Betrieb zunächst mit weniger Besuchern begonnen. Wasserrutsche, Sprunganlage und Duschen bleiben geschlossen; auch die Umkleidekabinen können nicht benützt werden. Das Planschbecken wird dagegen geöffnet. Rote Pfeile, Einbahn-Hinweisschilder und rote Sperrbänder sollen die Orientierung in der Anlage erleichtern. Das Schwimmbecken selbst ist ebenfalls neu eingeteilt worden. Auf den 25-Meter-Bahnen soll in zwei Kreisverkehren geschwommen werden. Überholen sei nicht möglich, sagt Jürgen Wolf, der in der Verwaltung für das Freibad zuständig ist. Schnelle Krauler müssen sich gedulden.

Schwimmen, aber nicht zu schnell

Auf rund 80 000 Euro belaufen sich die Kosten für zusätzliche Mitarbeiter für Badeaufsicht, Reinigung und Sicherheitsdienst, die die Betreiber-Firma Gravelius stellt, sowie für die Umsetzung technischer und rechtlicher Vorgaben der Stadt. Dafür seien überplanmäßige Ausgaben notwendig, sagte Ruoff, die nicht der Magistrat beschließen könne, weil sich dessen Befugnis lediglich auf einen Finanzrahmen von 10 000 Euro erstreckt. Daher musste die Stadtverordnetenversammlung entscheiden - und lieferte sich zunächst einen heftigen Schlagabtausch, den Michael Egenolf von der CDU-Fraktion mit seinem Plädoyer für das Freibad auslöste. "Die finanziellen Mittel sind geklärt", fasste er seine Überzeugung zusammen, der sich Susanne Langel, Fraktionsvorsitzende der FWG, anschloss. Sie verlasse sich auf die Berechnungen der Kämmerei, sagte sie.

Das lehnen Rüdiger Halberstadt (SPD) und Andreas Alfa von der Bürgerinitiative "Wir für Hadamar" (WfH) ab. Gerade unter fiskalischen Gesichtspunkten sei ihm die vorgeschlagene Öffnung des Freibades "unverständlich", äußerste sich SPD-Fraktionsmitglied Halberstadt kritisch. Bereits in der Vergangenheit habe das Bad der Stadt einen Minusbetrag von 120 000 Euro beschert, das sich jetzt noch einmal durch Ausgaben von 80 000 Euro erhöhe. Auch der laufende Betrieb werde nach seiner Einschätzung den Fehlbetrag um weitere 10 000 Euro anwachsen lassen, da die von der Verwaltung erwartete Zahl von 15 000 Besuchern fragwürdig sei. "Die Mehrausgaben sind nicht akzeptabel", lautete Halberstadts Fazit, mit dem er die Ablehnung der Freibadöffnung durch seine Partei begründete.

Noch deutlicher wurde WfH-Sprecher Andreas Alfa. In "normalen Zeiten" unterstütze die Initiative den Freibad-Betrieb durchaus. Nur "leben wir gerade nicht in normalen Zeiten". Er warnte vor den wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Entscheidung, die nach seiner Überzeugung ein riesiges Haushaltsloch verursachen werde. Bedenklich sei auch, dass jener Haushaltsposten, der bereits für die Sanierung der Krämergasse aktiviert wurde, jetzt erneut eingesetzt werden soll.

Auch die Streichung von 22 000 Euro für das Anruf-Sammeltaxi zugunsten des Schwimmbadkonzepts sowie die 10 000 Euro, die im Haushalt für die Generationenhilfe vorgesehen waren und dort jetzt eingespart werden, kritisierte Alfa scharf. "Das ist keine saubere Deckung", rief er.

Dazu komme das gesundheitliche Risiko. "Was ist, wenn ein neuerlicher Corona-Ausbruch auf das Schwimmbad zurückgeführt wird?", fragte der WfH-Sprecher. Verhaltene Zuversicht hegt dagegen FWG-Frau Langel Sie gehe davon aus, dass ein vom Gesundheitsamt geprüftes und genehmigtes Konzept "einwandfrei" ist. Klar sei, "die Bürger haben keine Lust mehr, ständig nur ins Feld zu laufen". Daher stimme ihre Fraktion dem Antrag zu, trotz der hohen finanziellen Belastung.

Und Harald Hoppe (CDU) fasste zusammen: Der Badebetrieb sei anders als in der Vergangenheit, aber da das Gesundheitsamt grünes Licht erteilt habe, "sollten wir uns einen Ruck geben".

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