Ein Pferd steht in einem Stall vor Strohballen.
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Anwohner sagen, die hier untergebrachten Pferde müssten in einem baufälligen Stall und ohne Futter ihr Dasein fristen. Die Besitzerin der Tiere ist über diese Behauptungen empört.

Glückliche Pferde oder arme Tiere?

„Verheerenden Lebensumständen“: Nachbarn beklagen Zustand von Pferden: Besitzerin empört

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Anwohner in Hadamar (Kreis Limburg-Weilburg) sprechen von „verheerenden Lebensumständen“ für die Tiere ihrer Nachbarn. Die Besitzerin zeigt sich empört.

Hadamar – Eigentlich sind die Bedingungen für die zwei Pferde ideal: Das Gehege am Ortsrand eines Hadamarer Stadtteils ist weitläufig. Im Hintergrund ragen einige Bäume empor, die im Sommer Schatten spenden könnten. Im Vordergrund steht ein großer Stall; darin türmt sich Heu. Das ist die eine Perspektive auf dieses Tierreich.

Die andere Perspektive ist so: Die große Fläche ist holpriger Schlamm. Das Mauerwerk der Scheune ist teilweise ramponiert, im Tor prangt ein großes Loch, das den Blick auf zwei zwischen Heuhaufen stehende Pferde freigibt. Seit Jahren fristen die Tiere „in einem baufälligen Stall ohne Futter und Wasser tagein, tagaus ihr mitleidvolles Leben“, sagt eine Frau aus der Nachbarschaft des Anwesens. Sie berichtet von Dreck und Gestank, von leeren Blicken der Tiere und davon, dass sie endlich aus diesen „verheerenden Lebensumständen herausgeholt werden“ müssen. Irgendjemand müsse Verantwortung übernehmen, fordert sie.

Hadamar: Besitzerin der Tiere ist empört

Die Besitzerin der Tiere ist darüber empört. Sie hält die Anschuldigungen für einen generellen Angriff auf ihre Familie. Das würde sie seit Jahren erleben. Seit über 30 Jahren würden in ihrer Familie aber eben auch Pferde gehalten - und zwar auf natürliche Art und Weise und nicht so verwöhnt wie das heute üblich sei.

Dass die Tiere nicht jeden Tag geschniegelt und gestriegelt werden, sei eine sehr bewusst getroffene Entscheidung, betont sie. Schließlich würden die Pferde in der freien Wildbahn auch nicht andauernd verweichlicht. „Natürlich sieht man den Pferden an, wenn sie sich auf dem Boden gewälzt haben.“ Und natürlich sieht man das in den feuchten Monaten noch etwas deutlicher. Nur geht es eben nicht allein um die Schönheit der Tiere, sondern um deren Gesundheit. Wegen ihrer langen Erfahrung sei sie sich sicher, dass die natürliche Umgebung auf schlammigem Boden für die Pferdehaut „das Beste“ sei, sagt die Besitzerin.

Tatsächlich bestätigt ein anderer Pferdefreund, dass ein nicht blank poliertes Fell noch kein Hinweis auf mangelnde Pflege sei. „Man müsste sich die Hufe mal anschauen“, sagt er. Wenn diese Spuren von Verwahrlosung zeigen, „dann ist die Sache klar“. Das sagt auch eine andere Frau, die seit Jahren mit Pferden zu tun hat. Wenn die Hufe ihre runde Form verlieren und wie Schuhe auszusehen beginnen, deute das auf mangelnde Pflege hin.

Tiere in Hadamar schlecht versorgt? Veterinäramt schon in Vergangenheit tätig geworden

Auch beim Füttern warnt ein Pferde-Fachmann vor zu schnellen Rückschlüssen auf das Wohlbefinden der Tiere. Wenn ihnen beispielsweise von Spaziergängern dauernd trockenes Brot angeboten werde, schade das den Pferden eher, als dass es zu ihrer Kräftigung beitrage. „Das ist gut gemeint, aber für die Tiere schlecht“, sagt er. Die Halterin der beiden Pferde, um die es geht, wird deutlicher. Dass die Tiere tagein, tagaus ohne Futter und Wasser seien, findet sie einen unverschämten, vor allem aber unzutreffenden Vorwurf. An der Versorgung der Tiere gebe es nichts auszusetzen.

Das sieht ein weiterer Anwohner indes anders. Er erzählt, dass es hier in der Vergangenheit bereits „Vorfälle bei der Tierhaltung“ gegeben habe. Dass das Veterinäramt und die Stadtverwaltung vor einigen Jahren einschreiten mussten, bestätigt auch Hadamars Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). Damals sei es um Rinder gegangen, sagt er. Die wurden von dem Anwesen geholt.

Rinderhaltung in Hadamar: Tiere hätten „nächtelang geschrieen“

Die Tiere hätten „nächtelang geschrieen“, erinnert sich der Anwohner, der ebenso wie die Frau aus der Nachbarschaft findet, es müsse „endlich Verantwortung übernommen und gehandelt werden“. Das Veterinäramt sei gefragt. Das teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit, „die Annahme, dass vonseiten des Veterinäramtes kein Handlungsbedarf besteht, ist nicht korrekt“. Die Angelegenheit sei der Behörde des Kreises bekannt.

Wegen „des laufenden Verfahrens und aus datenschutzrechtlichen Gründen“ werde man aber keine weiteren Angaben machen. Allerdings, sagt Nadine Welcker, Sprecherin des Kreises: „Es sind von unserer Seite bereits verwaltungsrechtliche Maßnahmen in die Wege geleitet worden. Die Umsetzung der angeordneten tierschutzrechtlichen Vorgaben wurde und wird unangekündigt durch das Veterinäramt überprüft.“ (Anken Bohnhorst-Vollmer)

Andernorts sind die Haltungsbedingungen zweifellos vorbildlich: In Wehrheim haben Nicole Rubel und Ines Röseler haben ihre Liebe zu Pferden zum Beruf gemacht. Seit drei Jahren leiten sie gemeinsam das Islandgestüt Hirtenhof bei Obernhain. „Hier haben wir ein ideales Gelände“, sagt Nicole Rubel.

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