Bernd Scholz von den Grünen des Ortsverbands Hadamar-Dornburg findet, die Stadt solle mehr Wildnis wagen.
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Bernd Scholz von den Grünen des Ortsverbands Hadamar-Dornburg findet, die Stadt solle mehr Wildnis wagen.

Höchste Zeit zu handeln

Hadamar: Die Grünen wollen mehr Wildnis wagen

Ortsverband und Förster sind sich nicht einig, was die beste Strategie für den Wald ist

Hadamar -Es gab eine Zeit, da waren die Wälder um Hadamar "sehr wüchsig", sagt Frank Zabel, Förster und Geschäftsführer beim Forst Service Taunus. Der Boden war fruchtbar, der Zustand besonders der Laubbäume überaus zufriedenstellend. Dann folgten drei extrem warme und trockene Sommer. Immer mehr Fichten fielen den Borkenkäfern zum Opfern. Auch einige Buchen wurden befallen und starben ab. Der Anteil von Schadholz stieg - allerdings nicht allein in Hadamar. Die Entwicklung habe sich überregional manifestiert, sagt der Fachmann.

und Ökopunkte

Höchste Zeit zum Handeln, entgegnet Bernd Scholz, klimapolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen des Ortsverbands Hadamar-Dornburg. Der Klimawandel sei nicht mehr zu leugnen. Daher müsse die Stadt die nicht genutzten Waldflächen aus der Holzwirtschaft nehmen und mehr Wildnis wagen. Zehn Prozent des rund 600 Hektar umfassenden Baumbestands in den Stadtteilen sollten zu Naturwald werden, in dem die Pflanzen zu einer natürlichen Einheit zusammenwachsen. Das entspreche der bundesweit angestrebten Biodiversität, sagt Grünen-Sprecher Scholz. Und das sei die richtige Richtung und eine Abkehr von der Gier in der Waldbewirtschaftung.

Denn wenn es der Stadt gelingt, die Naturwaldflächen "an Nachbarflächen anzudocken, die ebenfalls stillgelegt werden, und wird dabei eine Fläche von 1000 Hektar stillgelegt, dann gibt es Zuschüsse aus dem Wildnisfonds des Bundes", sagt Bernd Scholz. In jedem Fall aber gebe es geldwerte Ökopunkte durch die Untere Naturschutzbehörde, die dann "an Firmen verkauft werden können, die an Projekten zulasten der Umwelt arbeiten".

Förster Frank Zabel sieht das kritisch. Der von Scholz angeführte Wildnisfonds, eine Fördermaßnahme zur Wildnisentwicklung in Deutschland, greife erst ab 1000 Hektar. So groß ist der Wald in Hadamar aber de facto nicht. Zwar könne die Stadt Waldflächen stilllegen lassen, was sie auch aktiv tue, wenn eine Fläche etwa wegen ihrer Lage unwirtschaftlich sei, sagt Zabel. Nur gebe es dafür eben keine wertvollen Ökopunkte.

Nach Einschätzung des Geschäftsführers vom Forst Service Taunus ist die Stadt Hadamar ohnehin aufgeschlossen, was die Bewirtschaftung und Pflege des Waldes anlangt. Anstatt die Vorgabe des auf zehn Jahre festgeschriebenen Waldplans völlig auszuschöpfen, habe die Verwaltung bei den Laubgehölzern lediglich 75 Prozent der ursprünglich vereinbarten Menge entnehmen lassen, insgesamt 1295 Festmeter. Bei den Nadelbäumen waren es allerdings 5412 Festmeter, berichtet Frank Zabel. Dabei habe es sich ausschließlich um "Käferholz", also um vom Borkenkäfer zerstörtes Holz, gehandelt. Und zwar um mehr als im Plan niedergeschrieben. Aber, sagt Zabel: "Das Schadholz muss weg und das so schnell wie möglich", damit nicht weitere Bäume befallen werden. Das Käferproblem zu bekämpfen sei die vordringliche Aufgabe, mahnt der Förster.

Der klimapolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen ist da anderer Meinung. Er sagt, das geschädigte Holz solle gerade nicht entnommen werden, weil das nur mit großem Gerät möglich sei. Das im Wald aufzustellen, bedeute aber, den Boden zu verdichten und dadurch dessen Nährstoffe zu zerstören. Zudem sei das Totholz als Temperatur regulierender Wasserspeicher wichtig. Und, "Naturwälder sind Freiluftlabore", sagt Bernd Scholz.

Verkehrssicherung gilt auch im Wald

Förster Zabel sagt, bei den kaputten Bäumen gehe es außerdem auch um die Verkehrssicherung. In Wäldern aber auch entlang der Straßen stehen beschädigte Bäume. Wenn die nicht entnommen würden, gestalte sich die Wiederaufforstung schwierig, sagt Zabel. Die Wurzeln würden morsch und die sogenannte Naturverjüngung, die Vermehrung der Bäume durch angeflogene oder aufgeschlagene Saat, erschwert. Das Gegenteil aber sei das Ziel. "Bei der Naturverjüngung und Wiederbeforstung müssen wir vorsichtig vorgehen", sagt der Förster.

Rund drei Jahre nachdem das Schadholz entnommen worden sei, müsse man den Wald beobachten, um sicher zu gehen, dass die Schädlinge ausgerottet seien und nicht "in den Stumpen gefällter Fichten sitzen und dann die neuen Bäume anfallen". Erst wenn mit einigem zeitlichen Abstand festgestellt werde, dass Brombeerranken und Gras, aber keine selbst ausgesäten Gehölze wachsen, beginnt der Förster, heimische Baumarten zu pflanzen, Eichen, Hainbuchen oder Elsbeere zum Beispiel. Dass dieses Vorgehen nicht naturnah sein soll, kann Förster Frank Zabel nicht erkennen. Anken Bohnhorst

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