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Die Borngasse in Hadamar  soll wieder attraktiv werden – für Besucher und für Anlieger. Die Frage ist nur, wie?

Born- und Brückengasse

Hundekot und Ratten: Das sind die Problemstraßen in Hadamar

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Die Situation in der Born- und Brückengasse muss sich ändern. Das forderten die Anwohner am Montagabend in einer Bürgerversammlung in der Stadthalle. Zu der hatte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) eingeladen, um zuzuhören. Rund 75 Anlieger erschienen und schilderten teilweise dramatische Zustände.

Es werde an diesem Abend keine Lösungen geben, sagt Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) gleich zu Beginn der Veranstaltung im kleinen Saal der Hadamarer Stadthalle. Vielmehr gehe es darum, zuzuhören, „Informationen zu sammeln, um die Situation aufzunehmen“. 

Die Situation. Damit ist der Zustand gemeint, in dem sich die vom Melanderplatz wegstrebenden Brücken- und Borngasse befinden. Die Wohnqualität in beiden Straßen verschlechtere sich seit Jahren, sagen Anwohner und fordern die Stadt zum Handeln auf. „Problemfälle müssen aus den Häusern entfernt werden“, formuliert ein Hauseigentümer scharf. Das Ordnungsamt müsse konsequenter und häufiger durchgreifen, um für mehr Sicherheit und Sauberkeit zu sorgen.

Hadamar: Ratten und Hundekot in der Brücken- und Borngasse

Denn die sei derzeit nicht gegeben, sagt ein Mann. Blumenkübel würden zu Abfalleimern und Aschenbechern, immer wieder müsse man Hundekot ausweichen, und die Mülltonnen würden überquellen oder erst gar nicht befüllt. 

Auch Ratten flitzten zwischen den Häusern herum. So wie bei einem Anwesen im hinteren Teil der Borngasse, das offiziell nicht bewohnt sei, in dem aber tatsächlich bulgarische Arbeiter untergebracht seien, schildert Hans Reichwein von der Bürgerinitiative „Wir für Hadamar“. Nach seiner Beobachtung wird in diesem Haus zudem eine „Schwarzwirtschaft“ betrieben – und der anfallende Müll in Plastiktüten entsorgt.

Kein Aushängeschild für die Fürstenstadt

Geplatzte Säcke mit Hausabfällen und anderer Unrat seien indes über die gesamte Straße verteilt, sagt eine andere Anwohnerin. Insbesondere vor dem Wettbüro am unteren Ende der Borngasse lägen Kaffeebecher und Flaschen herum. Ein Besuchermagnet sei der Blick in die Gassen dieses Quartiers nicht, mahnt eine Bürgerin. „Da will keiner hingehen.“ Ein Aushängeschild für die Fürstenstadt sehe jedenfalls anders aus.

Ein Problem sei auch das Parkverhalten von Anwohnern und Besuchern, sagt ein anderer Anlieger. Insbesondere abends und nachts würden Autofahrer in die Gassen brausen. Hier müsse über eine Poller-Lösung oder die Installierung von Parkscheinautomaten nachgedacht werden, regt Stadtrat Matthias Zürn (CDU) an.

„Rechtsfreier Raum“ nach 19 Uhr

Prall gefüllte Mülltüten und weiterer Unrat liegen vor einigen Haustüren: Der Attraktivität der Straße dient das nicht.

Die Erfahrung habe allerdings gezeigt: „Ein Knollen stört die Falschparker nicht“, dämpft Bürgermeister Ruoff die Erwartung. Außerdem sei die Durchfahrt von Einsatzfahrzeugen gewährleistet. Das habe die Verwaltung ausprobieren lassen, betont er. 

WfH-Politiker Reichwein sieht das anders. Ihm zufolge neige die Verwaltung dazu, das Problem zu „verniedlichen“. Er spricht von einem „rechtsfreien Raum“, zu dem Born- und Brückengasse nach 19 Uhr werden.

Bewohner trauen sich nicht mehr auf die Straße

Das dürfte auch am Gefühl der Unsicherheit liegen. Abends traue man sich kaum mehr auf die Straße, um nicht „Gestalten zu begegnen, denen man nicht begegnen möchte“, sagt ein Anwohner. Die Betreiberin eines Frisör- und Fußpflegesalons hat festgestellt, dass Termine in der Dämmerung nicht wahrgenommen werden. 

Sie habe Angst um ihre Tageseinnahmen. Pöbeleien und Beschimpfungen seien alltäglich. Das müsse sich ändern, lautet die Forderung.

Born- und Brückengasse: Niveau der Mieter soll steigen

Neben dem Einsatz des Ordnungsamts müsse auch das Niveau der Mieter angehoben werden. Das erfordere aber die Aufwertung der Umgebung, ist ein Anlieger überzeugt. Ein anderer dagegen meint, eine „gesunde Mischung aus schwachen und gut situierten Mietern“ sei erforderlich, um eine „soziale Einseitigkeit“ zu vermeiden. 

Auch der Einsatz eines Sozialarbeiters sei denkbar. Fest steht: Derzeit ist „der Eindruck nicht erfreulich“. Deshalb müsse sich die Situation in Born- und Brückengasse ändern, fasst Ruoff den Gedankenaustausch nach 90 Minuten zusammen. 

Langfristige Lösungen werden gebraucht. Eine davon könnte bereits heute Abend in der Sitzung der Stadtverordneten eingeleitet werden: Dann entscheiden die Politiker möglicherweise darüber, ob das Ordnungsamt Verstärkung bekommt.

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