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Hadamar: "Ich stehe hinter den Waffenlieferungen"

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In reger Diskussion: Johanna Franz (von links), Mette Eckhard, Anna Lührmann, Julina Meisel und Gregor Kaiser.
In reger Diskussion: Johanna Franz (von links), Mette Eckhard, Anna Lührmann, Julina Meisel und Gregor Kaiser. © Kerstin Kaminsky

Grüne Staatsministerin Anna Lührmann stellt sich den Fragen der Schüler

Hadamar -Zu einer Fragestunde über Europas Sicherheits- und Wirtschaftspolitik war Anna Lührmann, grüne Staatsministerin im Auswärtigen Amt, am Montagmorgen in die Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar gekommen. Mehr als 170 Jungen und Mädchen nahmen daran teil.

Der Krieg mit seinen Auswirkungen in der Schule, im Supermarkt und an der Tankstelle bereite uns allen Sorgen, leitete Schulleiter Philipp Naumann in die Diskussion ein. Deshalb freue er sich, dass die Jugendlichen heute Gelegenheit haben, Fragen zu stellen.

Die Podiumsdiskussion war in drei Themenblöcke gegliedert und begann mit Europas Stellung im Ukraine-Konflikt. So wollten die Schüler wissen, ob Anna Lührmann die vom russischen Außenminister geäußerte Aussicht auf einen dritten Weltkrieg als Bluff erachte oder als ernstzunehmende Gefahr, und was sie von den Waffenlieferungen in die Ukraine halte. "Die Ukraine hat das Recht, sich zu verteidigen, deshalb stehe ich hinter den Waffenlieferungen", antwortete die Politikerin. Zudem seien sie ein klares Zeichen gegen Russland. Niemand hätte sich noch vor Kurzem vorstellen können, dass Deutschland Waffen in ein Kriegsgebiet schickt, doch müsse man jetzt klug, pragmatisch und sicherheitsbewusst auf die neue Lage reagieren. Um die Gefahr einer Eskalation gering zu halten, dürften deutsche Soldaten aber keinesfalls in das Geschehen hineingezogen werden.

Sanktionen zielten darauf ab, dass Russland einen hohen wirtschaftlichen Preis zahle. Das findet die Staatsministerin gut und richtig. Obwohl eigentlich klar sei, dass Russland den eingeschlagenen Kriegskurs nicht lange durchhalten könne und sich am Ende nur selber schadet, scheine dies Putin aber egal zu sein.

"Bundeswehr braucht mehr Material"

Als Teil der Nato müsse Deutschland einen angemessenen Teil zur Verteidigungsfähigkeit beitragen. "Eine Nato-Mitgliedschaft auf dem Papier ist nicht genug", betonte die 39-Jährige. Die Bundeswehr brauche mehr Material, damit wir in der Lage sind, wirksam abzuschrecken. Ob die russische Regierung ihrer Meinung nach Atomwaffen einsetzten wird? "Putin ist aggressiv, aber nicht suizidal", so die Politikerin. Deshalb halte sie dies für unwahrscheinlich.

Auf eine mögliche gemeinsame europäische Armee angesprochen, sieht Anna Lührmann noch viele Hürden. So wisse sie beispielsweise, dass die Funkgeräte einzelner Armeen nicht kompatibel seien, oder dass Deutschland und die Niederlande zwar die gleichen Panzer besäßen, nicht aber die gleiche Software nutzten.

Zu den mit dem Ukraine-Krieg in Verbindung stehenden Herausforderungen der Energiewirtschaft hält Anna Lührmann es für folgerichtig, andere Gasanbieter zu suchen, selbst wenn sich ethische Fragen ergeben. Doch könne auch das nur eine temporäre Lösung sein.

"Wir müsse ganz und gar von fossilen Brennstoffen weg und ich bin zuversichtlich, dass wir die Umstellung gemeinsam mit der Wirtschaft hinkriegen", betonte sie. Die Katastrophe im Ahrtal zeige doch, wie teuer uns die Klimakrise zu stehen komme. Noch schlimmer sei das für die armen Länder der Welt.

Wenn eine grüne Politikerin zu Gast ist, dürfen Umweltthemen nicht fehlen. So wurde Anna Lührmann gefragt, ob E-Autos tatsächlich die Lösung seien, obwohl die Herstellung von Batterien in Sachen Energieaufwand und Rohstoffeinsatz suboptimal ist. "E-Mobilität ist gegenüber den Verbrennern klar das kleinere Übel", antwortete die grüne Staatsministerin. Außerdem sei es weniger umweltschädlich, wenn man die Energie direkt aus Sonne und Wind gewinne, statt den Umweg über die Produktion von Wasserstoff gehe.

Abschließend wurde die Politikerin gefragt, ob sie 2002 als jüngste jemals in den Bundestag gewählte Abgeordnete überhaupt ernst genommen worden sei. "Meine politische Arbeit wurde geschätzt, aber im Alltag hielt man mich manchmal für die Praktikantin", antwortete Anna Lührmann lachend. Nach nur zwei Jahren im Europa-Ausschuss sei sie mit gerademal 21 Jahren in den Haushaltsausschuss gekommen. "Das war ein deutliches Zeichen der Anerkennung", blickt sie zurück.

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