Jessica Holzbach
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Jessica Holzbachs Weg nach oben

Erst viel Frust, jetzt große Lust: Mitgründerin einer schnell wachsenden Digitalbank

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
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Ein netter Teenager. Intelligent, neugierig und fleißig. So haben wir Jessica Holzbach aus Niederhadamar als Praktikantin bei der NNP erlebt. 2008.

Hadamar – Zwölf Jahre später sitzt sie wieder in der Redaktion am Neumarkt – zum Gespräch über ihre bemerkenswerte Karriere. Aber auch als erfolgreiche Geschäftsfrau – „Businesslady“ heißt das wohl in ihrer Szene – wirkt Jessica Holzbach unverändert sympathisch.

Und fröhlich. Ihre gute Laune ist einerseits erstaunlich, weil die 30-Jährige eine große Verantwortung auf ihren schmalen Schultern trägt und einen ungemein stressigen Job hat. Andererseits verständlich, weil es so gut läuft und die Vielreisende glücklich ist, wieder einmal zu Hause zu sein.

„Wir entwickeln uns sehr gut“, sagt sie beinahe schon etwas bescheiden. Wir – das sind ihre fünf männlichen Kollegen in der Führungsspitze und knapp 100 Mitarbeiter der schnell wachsenden Bank für Start-ups sowie kleine bis mittlere Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin-Charlottenburg. Das im Januar 2018 gestartete Unternehmen hat rund 20 000 Kunden, zurzeit kommen monatlich etwa 1200 hinzu. Für die nächsten Schritte auf dem hart umkämpften Markt sammelte die „Penta Fintech GmbH“ im Frühjahr bei namhaften Investoren 18,5 Millionen Euro ein, im August 2019 mehr als acht Millionen.

Forbes-Auszeichnung: Top 30 unter 30

Jessica Holzbach darf zudem auf eine persönliche Auszeichnung stolz sein. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat sie jetzt in die Liste der „Top 30 unter 30“ europäischen „Finanzführer von Morgen“ aufgenommen. Schön fürs Ego und den Lebenslauf. „Das freut mich natürlich sehr“, sagt die junge Frau aus Niederhadamar. „Für mich bedeutet dies vor allem eine Auszeichnung unseres Teams und unseres Produkts.“ Jessica Holzbach zählt inzwischen zu den etablierten Gesichtern der FinTech-Branche. Wer die Fernsehserie „Bad Banks“ gesehen hat, kann sich ein Bild von ihrem beruflichen Umfeld machen.

Ihr Weg führte nicht gleich steil nach oben, Rückschläge blieben nicht aus. „Gut gerüstet für die Universität“, lautete am 13. Juni 2009 die Überschrift eines NNP-Artikels über die Abiturienten der Limburger Peter-Paul-Cahensly-Schule (PPC); Jessica Holzbach gehörte mit einem Notendurchschnitt von 1,4 zu den drei besten Absolventen des Jahrgangs.

Sie überlegt, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten – Dr. Bernd Holzbach hat eine Zahnarztpraxis in Limburg –, entscheidet sich jedoch schnell anders. Die jüngste Schwester ist Zahnärztin, die zweite Allgemeinmedizinerin.

Die begeisterte Sportlerin studiert internationale BWL an der privaten EBS im Rheingau. „In der Wirtschaft gibt es viele Möglichkeiten“, denkt sie. Nach einem Auslandssemester in Stellenbosch (Südafrika) und dem Bachelor-Abschluss arbeitet Jessica Holzbach drei Jahre bei Banken, Unternehmensberatungen und einer Versicherung. „Immer nur beraten hat mir nicht gefallen. Ich wollte lieber selbst Entscheidungen treffen und die Verantwortung dafür tragen“, sagt sie heute. Der nächste Schritt ist 2016 der Doppelmaster in Management in Lissabon und Sao Paulo.

In Brasilien kommt Jessica Holzbach auf den Geschmack der Acai-Beere, die ihr im Nachhinein übel aufstoßen sollte. Ihre Geschäftsidee, die in Südamerika beliebte Frucht einzuführen und in Deutschland in verschiedener Form auf den Markt zu bringen, flopt. Nach einem halben Jahr ist Schluss. „Es lag wie bei den meisten gescheiterten Start-ups an internen Problemen“, erläutert die Gründerin. „Ich habe Lebenszeit und Nerven verloren“.

Aber auch für den zweiten „Schuss“ viel gewonnen. Die Geschichte von Penta beginnt mit viel Frust und führt zu großer Lust. Die Initiatoren haben neben dem Willen, selbst etwas auf die Beine zu stellen und damit viel Geld zu verdienen, auch schlechte Erfahrungen gemeinsam – insbesondere mit Geschäftsbanken.

Ihr Urteil: Zu umständlich, zu langsam, zu ineffizient, zu altmodisch, zu wenig kundenfreundlich. „Das kann doch nicht so schwer sein, bessere Lösungen für Einsteiger und kleine Firmen zu finden“, meinen Jessica Holzbach und ihre Mitstreiter.

Ihre Motivation: Das beste Business Banking für diese Klientel zu entwickeln – inklusive verschiedener Dienstleistungen für das Verwalten de Finanzen und automatisierter Buchhaltung. Die Eröffnung eines Geschäftskontos geht schnell und einfach. Sicherheitschecks und regulatorische Hürden sind meistens an einem Tag überwunden, maximal in 48 Stunden. Alles 100 Prozent digital und auf Wunsch mit Service per E-Mail und am Telefon. Die Kunden wählen j nach Bedarf unter drei kostenfreien beziehungsweise gebührenpflichtigen Varianten.

Die Rechnung scheint aufzugehen, auch große Investoren sind vom Erfolg überzeugt. An der jüngsten Finanzierungsrunde beteiligten sich neben den Anteilseignern Finleap und HV Holzbrinck Ventures unter anderem ein russischer Milliardär, eine niederländische Bank und eine Risikokapitalgesellschaft mehrerer Volksbanken. Seit Kurzem erweitert Penta das Angebot auf Freiberufler und Soloselbständige.

Die Ziele sind hoch gesteckt: Die Manager und Investoren wollen nicht weniger als eine traditionsreiche Industrie revolutionieren und Penta zu einem relevanten „Player“ in Deutschland und möglichst in Europa machen. Bislang hat die Bank noch Büros in Mailand und Belgrad, wo die meisten Entwickler sitzen.

„Wir stehen erst am Anfang“, sagt der CCO. „In diesem Modell steckt noch viel Potenzial.“ Jessica Holzbach weiß, dass sie ihre Wohnung und das Leben am hippen Prenzlauer Berg auch künftig nur selten genießen kann und weiter viel arbeiten muss. „Das tue ich wirklich gern“, sagt sie.

Jungen Menschen, die über eine Gründung nachdenken, ermuntert die 30-Jährige mit ihrem positiven Beispiel: „Einfach machen“, rät sie. „Eine gesunde Portion Naivität und Mut gehören dazu“.

Im Sport hielt sie es früher mit TTT: Tanzen, Tennis und vor allem Turnen zählten zu ihren Leidenschaften. Heute versucht sie, sich beim Laufen fit zu halten und den Kopf frei zu bekommen. In der knappen Freizeit zieht es Jessica Holzbach in die Natur, ob in die Berge oder ans Meer. Und vor allem immer wieder gerne zur Familie und den Freunden nach Niederhadamar und Umgebung. (Joachim Heidersdorf) 

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