Faulbach braucht ein Verkehrskonzept, damit man unter anderem sicher die Straße überqueren kann. Hier: Kai und Kerstin Häbel mit ihren Kindern.
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Faulbach braucht ein Verkehrskonzept, damit man unter anderem sicher die Straße überqueren kann. Hier: Kai und Kerstin Häbel mit ihren Kindern.

Bürger scheitern mit ihrem Anliegen

Hadamar: Kein Tempolimit auf der Durchgangsstraße

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Bürger kritisieren halbherzige Verkehrsmessung

Faulbach -Jetzt ist es offiziell: Weder wird im kleinsten Stadtteil von Hadamar eine stationäre Blitzeranlage installiert, noch werden die Fahrzeuge hier künftig höchstens 30 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. Das teilt Peter Wilhelmy, Leiter des Ordnungsamts der Stadt, den Verfassern eines Briefes mit, den sie im Februar an Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) geschrieben hatten.

Kerstin und Kai Häbel hatten gemeinsam mit ein paar Dutzend Faulbacher Familien darin die Verkehrssituation geschildert, hatten auf die Rennstrecken bei den Ortseinfahrten sowie auf "diverse Ramponagen von Gartenmauern" hingewiesen und ihre Sorge besonders um die hier lebenden Kinder geäußert. "Allein in den ersten 150 Metern nach dem Ortsschild wohnen mehr als zwölf kleine Kinder im Alter unter 14 Jahren", heißt es in dem Schreiben, mit dem die Stadt aufgefordert wird, ein Konzept zur Verkehrsberuhigung für ganz Faulbach zu entwickeln.

Mehr als drei Monate keine Antwort

Dem hatte sich auch Sarah Valle Herrera von Bündnis 90/Die Grünen und inzwischen Mitglied des Ortsbeirats angeschlossen und kurz vor der Bürgermeisterwahl im März mit einer schaurigen Inszenierung die drohende Todesgefahr für Passanten präsentiert. Auch der ehemalige Bürgermeisterkandidat Frank Speth (parteilos) griff das Thema in seinem Wahlkampf auf. Der Brief der besorgten Bürger an Bürgermeister Ruoff blieb dennoch mehr als drei Monate unbeantwortet.

Bis jetzt. Auf fünf Seiten erläutert Peter Wilhelmy nun, weshalb die Vorschläge der Bürger nicht umgesetzt werden und dass der zuständige Regionale Verkehrsdienst und der Landkreis die Angelegenheit noch einmal überprüft haben. Das Fazit: Ein Tempolimit auf 30 Kilometer pro Stunde "muss sachlich begründet sowie gerichtlich nachprüfbar sein", fasst der Leiter des Ordnungsamts zusammen. Das ist nach Ansicht des Regionalen Verkehrsdienstes in Faulbach allerdings nicht der Fall. Ein "überdurchschnittliches Unfallgeschehen" liege nicht vor, die Gehwege seien ausreichend ausgebaut und die Straße für den Verkehr breit genug, schreibt Wilhelmy. Zudem zeigten Untersuchungen, dass ein Tempolimit von 50 auf 30 Stundenkilometer "nur eine Reduzierung der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten von etwa zwei bis acht Stundenkilometer und keine Veränderung bei der Fußgängersicherheit" bewirke.

Pragmatische Lösung

Und schließlich heißt es in der Absage an die Bürger, der Schutz von Kindern, Hilfsbedürftigen und älteren Menschen werde in der Straßenverkehrsordnung berücksichtigt. Der entsprechende Artikel lautet: "Wer ein Fahrzeug führt, muss sich so verhalten, dass eine Gefährdung dieser Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist." Da aber diese gesetzliche Regelung möglicherweise nicht reicht, haben sich die Faulbacher zu einem pragmatischen Lösungsansatz entschieden. Der besteht darin, ihre Fahrzeuge so am Straßenrand zu parken, dass deswegen das Durchfahrtstempo gedrosselt werden muss. Das beweise jedoch zugleich, dass die Verkehrspolitik der Stadt gescheitert sei, schreiben die Eheleute Häbel.

Die Kritik der Familie greift noch weiter. So sind nach ihrer Einschätzung auch die Geschwindigkeitsmessungen, die die Stadt durchführt, "halbherzig". Zwar werde im Ortskern von Faulbach geblitzt, "dies aber entweder in verkehrsruhigen Zeiten von 11 bis 12 Uhr und an Brückentagen oder gegenüber einer Baustelle, bei der aufgrund von geparkten Fahrzeugen die Geschwindigkeit meist schon reduziert war", ist ihre Beobachtung. Dass aus diesen Ergebnissen kein Handlungsbedarf erwachse, erstaunt sie nicht. Peter Wilhelmy vom Ordnungsamt hat dazu eine andere Einschätzung. Er sagt, Geschwindigkeitsmessungen seien in Faulbach eine Woche lang, und zwar 24 Stunden täglich vorgenommen worden; knapp 28 000 Fahrzeuge waren in beiden Richtungen unterwegs und nur drei Prozent von ihnen zu schnell. Ein "überdurchschnittliches Unfallgeschehen" liege nach Auskunft der Polizei ebenfalls nicht vor, weshalb die Kriterien für eine stationäre Messanlage nicht erfüllt sind, schreibt Peter Wilhelmy. "Stationäre Blitzer und eine Reduzierung auf 30 Stundenkilometer werden auf keinen Fall genehmigt."

Gleichwohl lässt der Ordnungsamtsleiter für die Faulbacher Familien einen kleinen Hoffnungsschimmer aufblitzen. "Eine Überquerungshilfe oder eine Fahrbahnverschwenkung aus Richtung Niederweyer wären allerdings unter Umständen zu realisieren, wenn die Stadt die Maßnahmen auf eigene Kosten übernehmen würde und anstelle des Straßenbaulastträgers agiert", schreibt Wilhelmy und relativiert damit die Einschätzung von Regionalem Verkehrsdienst und Kreis. Die hatten in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass es "keinen erhöhten Querungsbedarf" gebe, und einen Fußgängerüberweg wie auch eine Verkehrsinsel abgelehnt. Dennoch schreibt der Leiter des Ordnungsamts, eine entsprechende Vorlage an den Magistrat und auch an die Stadtverordnetenversammlung zum Thema Fußgängerübergang oder Verkehrsinsel "ist in Vorbereitung, so dass beide Gremien im Rahmen der anstehenden Haushaltsberatungen hierüber diskutieren können". Kerstin und Kai Häbel und die anderen Familien aus Faulbach wollen ihren Beitrag leisten, hatten sie in ihrem Schreiben angekündigt. Die Pflege einer Verkehrsinsel würden sie übernehmen.

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