Mit Tempo 30 durch Oberzeuzheim - jedenfalls bei Nacht. Das haben Bürgermeister Michael Ruoff (CDU, links) und Peter Wilhelmy, Leiter des städtischen Ordnungsamts, erreicht.
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Mit Tempo 30 durch Oberzeuzheim - jedenfalls bei Nacht. Das haben Bürgermeister Michael Ruoff (CDU, links) und Peter Wilhelmy, Leiter des städtischen Ordnungsamts, erreicht.

Verkehr beruhigen

Hadamar: Langsam und leise, wenn's geht

  • VonAnken Bohnhorst-Vollmer
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395 000 Euro für Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung - Lärmschutz wenigstens nachts

Hadamar -395 000 Euro will die Stadt für Verkehrsschilder, stationäre Messanlagen und Geschwindigkeitsdisplays an Ortsdurchfahrten ausgeben. Das sieht eine Beschlussvorlage des Magistrats vor, wonach dieser Betrag im Haushaltsentwurf 2022/23 enthalten sein soll. Betroffen sind Hauptverkehrsstraßen, die zwar durch die Stadtteile führen, über die aber zwischen- oder überörtlicher Verkehr rollt. Es sind somit Kreis- oder Landesstraßen, die vom Landkreis oder dem Land Hessen gebaut, betrieben und unterhalten werden, weshalb für Maßnahmen "die Zustimmung der jeweils zuständigen Straßenbaulastträger" vorliegen muss, heißt es in der Beschlussvorlage des Magistrats. Auch der Regionale Verkehrsdienst der Polizeidirektion in Limburg (RVD) muss eingebunden werden. Nach kurzen Entscheidungswegen klingt das nicht. Außerdem sind "natürlich auch die gesetzlichen Vorgaben, Anordnungen und Erlasse im Straßenverkehrsrecht einzuhalten". Etwa dass innerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometer gilt.

Grundsätzlich ist das so, bestätigt Peter Wilhelmy, Leiter des Ordnungsamts der Stadt. Ausnahmen gibt es trotzdem. Zum Beispiel um den Lärmaktionsplan des Regierungspräsidiums (RP) Gießen einzuhalten. Der beschreibt "Maßnahmen zur Lärmminderung" an verschiedenen "Lärmkonfliktpunkten" wie sie dem RP zufolge beispielsweise in Oberzeuzheim entlang der Ortsdurchfahrt, der Bundesstraße 54, vorhanden sind. Die Wohnhäuser stehen hier nahe am Straßenrand; eine "besondere Lärmbelastung im Nachtzeitraum" sei ermittelt worden.

Verzögerung bei den Verkehrsschildern

Um die zu reduzieren, wurden die zuständigen Behörden eingeschaltet und entschieden: In der Ortsdurchfahrt gilt jetzt Tempo 30 - wenigstens zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Überprüft werden soll die Maßnahme durch eine neue Blitzersäule auf Höhe der Schule. Bereits im März habe das Regierungspräsidium Gießen der Geschwindigkeitsbegrenzung bei Nacht zugestimmt, sagt Wilhelmy. Im Mai erließ der Landkreis die "erforderliche verkehrsbehördliche Anordnung". Dann mussten die Verkehrsschilder angefertigt und aufgestellt werden, was sich bis in den Sommer hinzog. "Corona-bedingt gab es Verzögerung bei der Auslieferung der Verkehrsschilder."

Auch für die Ortsdurchfahrten in Niederhadamar und Steinbach gibt es "schalltechnische Stellungnahmen", schreibt der Magistrat in seiner Beschlussvorlage. Allerdings mit anderen Ergebnissen: "Die Geschwindigkeitsreduzierung aus Lärmschutzgründen ist aufgrund der fehlenden rechtlichen Grundlage nicht umsetzbar." Für die Alte Chaussee in der Hadamarer Kernstadt, eine Kreisstraße, liege aktuell keine Lärmberechnung vor. Und in Niederzeuzheim würden die rechtlichen Voraussetzung "nur bedingt erfüllt", heißt es in der Vorlage. Der schalltechnischen Berechnung liegen die Ergebnisse der bundesweiten Verkehrszählung aus dem Jahr 2015 zugrunde. Im letzten Jahr sei eine neue Bestandsaufnahme fällig gewesen, berichtet der Magistrat. Aber auch dieses Vorhaben wurde durch die Corona-Pandemie ausgebremst und muss nachgeholt werden. Sobald das Resultat vorliegt, seien weitere Maßnahmen möglich. Einstweilen aber kann auch nachts mit Tempo 50 durch Niederzeuzheim gefahren werden.

Blitzen in zwei Richtungen

Der Trostpreis für Niederzeuzheim: Der Stadtteil soll eine neue "ortsfeste Messanlage" bekommen. Als künftigen Standort für die Blitzersäule stellt sich die Verwaltung den Gehweg bei der Grundschule vor. Dass dies ein Gefahrenpunkt ist, sei eindeutig, "so dass die Straßenverkehrsbehörde davon ausgeht, dass hier die Genehmigungen erteilt werden". Zuständig für diese Genehmigung ist die hessische Polizeiakademie, die auch erlauben muss, dass von einer Säule in zwei Fahrtrichtungen geblitzt werden darf. Auf rund 370 000 Euro schätzt die Verwaltung die Kosten für die neuen Tempo-Messanlagen. Dazu kommen rund 25 000 Euro für sieben neue Geschwindigkeitsdisplays und für ein Verkehrszählgerät. "Mit den Geschwindigkeitsdisplays konnten in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht werden", schreibt der Magistrat. "Die Verkehrsteilnehmer werden animiert, die Geschwindigkeiten aktiv anzupassen." Auch das Verkehrszählgerät liefere "aussagekräftige Ergebnisse", weil es eine Woche lang an einer Stelle eingesetzt werde und rund um die Uhr Daten erfasse. Die Erkenntnisse werden von der Straßenverkehrsbehörde ausgewertet - und sollen in künftige Maßnahmen einfließen.

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