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Wie kann die Mobilität der Bürger erhöht werden. Klaus Lütkkefedder (CDU, Mitte), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod, im Gespräch mit Bürgermeister Michael Ruoff (CDU, rechts) und dem Ersten Stadtrat Bernd Groh (SPD).

Von Hadamar nach Rheinland-Pfalz

Mehr Bewegung im kleinen Grenzverkehr

  • vonAnken Bohnhorst-Vollmer
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Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Fürstenstadt in die benachbarte Westerwaldgemeinde Wallmerod gelangen will, braucht Zeit.

Mindestens 90 Minuten dauert die Fahrt mit Bus und Bahn bei zweimaligem Umsteigen. Dabei ist die Strecke nicht lang. Gerade einmal acht Kilometer liegen zwischen den Kommunen. Allerdings trennt die beiden Orte die Landesgrenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Das ist das Problem, sagt Hadamars Bürgermeister Michael Ruoff (CDU). Es stockt im kleinen Grenzverkehr.

Das soll sich ändern, zumal die Nachfrage nach einer Verbindung zwischen den Kommunen Ruoffs Einschätzung zufolge steigt. Allein das St. Anna Gesundheitszentrum in der Hadamarer Kernstadt ziehe Patienten aus dem nordwestlich gelegenen Teil des Westerwaldes an. Bis Rennerod erstrecke sich das Einzugsgebiet, berichtet der Bürgermeister. Das Ziel ist klar: "Die Menschen, die kein eigenes Auto haben, brauchen ein Mobilitätsangebot."

Wie das aussehen kann, hat Ruoff jetzt jenseits der Landesgrenzen gesehen. Klaus Lüttkefedder (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wallmerod, legte im vergangenen Jahr eine "Mobilitätsinitiative" auf und startete das Projekt "Dorfmobil". Man habe "geschaut, was brauchen die Bürger", sagt Lüttkefedder. Dass eine zeitaufwendige ÖPNV-Tour mit mehrmaligem Umsteigen nicht kundenorientiert ist und daher nicht funktionieren werde, sei schnell klar gewesen. Dass die Kosten überschaubar bleiben müssen ebenso.

Eine Fahrt für fünf Euro

Der Wallmeroder Bürgermeister kam ins Gespräch mit dem privaten Fahrdienst-Anbieter Avatar. Der transportiert im Auftrag des Westerwaldkreises Schul- und Kindergartenkinder und hat darüber hinaus Zeit und Platz. Knapp 30 Busse für jeweils maximal acht Gäste fahren durch die Verbandsgemeinde. In diese vorhandene Infrastruktur stieg Lüttkefedder ein und entwickelte ein Konzept: Für fünf Euro pro Fahrt kann sich jeder Bürger jede Strecke in der Verbandsgemeinde chauffieren lassen. Wer weiter fahren will, beispielsweise nach Hadamar, zahlt einen Aufpreis. Das koste nicht mehr als weitere vier oder fünf Euro, sagt der Bürgermeister. Für eine reguläre Taxifahrt würden nach seiner Kenntnis etwa 20 Euro fällig.

Voraussetzung für den Fünf-Euro-Service ist, dass der Fahrgast über 70 oder unter 18 Jahre alt ist. Andernfalls könne er den Kleinbus zwar benutzen, müsse aber den regulären Fahrpreis entrichten. Die Verbandsgemeinde beteiligt sich ihrerseits an jeder Fahrt mit fünf Euro. Etwa 100 Fahrten rechnet der Anbieter monatlich ab; 20 Prozent davon führen nach Hadamar.

Für Hadamar sei dieses Modell sehr interessant, findet Bürgermeister Ruoff. Denn tatsächlich ließen sich so nicht nur rheinland-pfälzische Kommunen, sondern auch jene Stadtteile besser anbinden, die bislang eher abgehängt sind wie etwa Oberweyer, Steinbach oder Oberzeuzheim. Man müsse über die Stadtgrenzen hinausdenken. Sein Credo lautet: "Es geht nicht darum, ein Transportunternehmen zu unterstützen, sondern die Mobilität der Menschen zu fördern."

Die ist für Hadamarer Bürger ohne eigenes Fahrzeug in der Tat ausbaufähig. Denn der Betrieb des Anruf-Sammeltaxis (AST), das insbesondere in den Abend- und Nachtstunden den öffentlichen Personennahverkehr ergänzen sollte, ruht. Die Stadt Limburg lasse derzeit den Einsatz des AST prüfen und analysiere hierbei auch die Belange von Hadamar, teilt Ruoff mit. Andererseits könnte das Wallmeroder Modell auch für die Fürstenstadt "schnell umsetzbar" sein. Haushaltsmittel in Höhe von 30 000 Euro seien dafür vorhanden, und einen privaten Anbieter zu finden, dürfte ebenfalls gelingen, meint Ruoff. (Anken Bohnhorst)

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