Cindy Mayer mit dem vier Tage alten Lama-Fohlen und dessen Mutter Daisy.
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Cindy Mayer mit dem vier Tage alten Lama-Fohlen und dessen Mutter Daisy.

Name für Lama gesucht

Hadamar: Namenloser Nachwuchs

Bürger dürfen Vorschläge machen. Zirkus muss den Platz räumen.

Hadamar -Große neugierige Augen, kuschelweiches Fell und staksige Beinchen: Das ist der Nachwuchs im Zirkus Jonny Alexis, der vor über einem Jahr in Hadamar gestrandet ist. Wie der kleine Lama-Hengst heißen soll, ist noch offen. Denn bei der Namensfindung dürfen die Hadamarer helfen und ihre Vorschläge in die dafür vorgesehene Box am Kassenwagen einwerfen. Ganz wichtig: Es muss ein männlicher Name sein.

Für die Lama-Stute Daisy war es das erste Mal, dass sie ein Fohlen zur Welt brachte. "Gegen Mittag am vergangenen Donnerstag entdeckten wir, dass es losgeht. Das Köpfchen war bereits zu sehen", erinnert sich Cindy Mayer. Doch war Daisy mit der Situation offenbar überfordert und presste nicht richtig. Dummerweise war die mit den Tieren erfahrende Tatjana Kaselowsky gerade nicht auf dem Platz.

Deshalb wandte sich Cindy Mayer an einen Nachbarn, der Ziegen hält, und bat um Rat. Um einen Tierarzt zu rufen, war es bereits zu spät. Also krempelte der freundliche Nachbar die Ärmel hoch und wurde zum Geburtshelfer. "Hätte er nicht so beherzt eingegriffen, hätte das wohl ein schlimmes Ende genommen", so die 27-Jährige dankbar.

Der kleine Lama-Hengst wurde trockengerieben und in eine frisch ausgestreute Ecke des überdachten Geheges gelegt. Eigentlich hätte er nach einer kurzen Erholung aufstehen sollen, um seine erste Mahlzeit an den Zitzen der Mutter zu nehmen. Doch dazu fehlte ihm anscheinend die Kraft. Auch als Tatjana Kaselowsky ihn aufhob und hinzustellen versuchte, knickte er sofort wieder ein. "Die Beine waren nicht nur kraftlos, sondern auch eiskalt", sagt sie. Also musste schnell etwas getan werden, damit der Kreislauf des Tieres in Schwung kam.

Die Beine mit dem Fön gewärmt

Mehr als drei Stunden lang massierte Tatjana Kaselowsky den kleinen Kerl, packte ihn in Handtücher und wärmte seine Beinchen mit einem Fön. Sie hatte Erfolg. Viermal versuchte das Fohlen vergeblich, selber aufzustehen, beim fünften Mal gelang es ihm. Mit unsicheren Schritten tapste er endlich seiner Mutter entgegen. Von dem holprigen Start ins Leben ist nichts mehr zu sehen. Das kleine Lama trinkt mit gutem Zug und hat sich in den ersten Tagen prima entwickelt.

Wie es sich für ein Zirkustier gehört, soll es von Anfang an mit in die Manege gehen, wenn der kleine Zirkus Alexis endlich wieder spielen darf. "Das Jungtier wird seiner Mutter alles nachmachen und auf diese Weise spielerisch lernen, über eine Stange zu springen, zu knicksen und zu tanzen", sagt die Trainerin.

Ehe seine Kunststückchen jedoch perfekt sind, brauche es viel Geduld und Gelassenheit. "Lamas sind ziemlich stur. Ein Pferd oder einen Hund kann man viel einfacher dressieren", so Tatjana Kaselowsky. Wenn der Lama-Hengst mit etwa einem Jahr geschlechtsreif wird, muss er die Gruppe verlassen. Dann wird er innerhalb der Familie zu einem anderen Zirkus vermittelt.

Bei aller Freude über den Nachwuchs macht sich der Zirkus Jonny Alexis große Sorgen um die Zukunft. Von der Stadt Hadamar wurde die Truppe aufgefordert, den Platz am Schwimmbad binnen zwei Wochen zu räumen. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wo sollen wir denn hin?", fragt Cindy Mayer. Solange die Pandemie nicht besiegt ist, werden sie nirgendwo ein Gastspiel geben dürfen.

So hofft die junge Frau, dass vielleicht ein Landwirt in der Region ein Stückchen Land samt Wasser- und Stromanschluss zur Verfügung stellt, wo der Zirkus erstmal bleiben könnte. Wer helfen möchte, erreicht Cindy Mayer unter der Telefonnummer 01 57/81 68 48 61.

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